Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt
Landesmuseum für Vorgeschichte
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Archäobotanik

Bei dem 1517 in Naumburg stattfindenden Stadtbrand verkohlte am Topfmarkt ein Getreidevorrat.
Roggenkörner stellen die Hauptmasse des Getreidefundes von Naumburg aus der frühen Neuzeit dar.
In einer in Naumburg ausgegrabenen Latrine kamen mineralisierte Weintraubenkerne (frühes 16. Jh.) zum Vorschein, Sachzeugen des seit mehr als 1000 Jahren im Saale-Unstrut-Gebiet praktizierten Weinanbaus.

Das Fachgebiet Archäobotanik beinhaltet die Untersuchung pflanzlicher Reste, die sowohl von archäologischen Ausgrabungen als auch aus natürlich entstandenen Seesedimenten und Mooren stammen und der Erforschung von Floren-, Vegetations- und Agrargeschichte dienen. Bei den Pflanzenresten handelt es sich z. B. um Pollenkörner, um unverkohlte bzw. verkohlte Samen und Früchte oder um unverkohlte bzw. verkohlte Holzfragmente. In zeitweise oder stets trockenen Sedimenten können nur verkohlte oder mineralisierte Pflanzenreste überdauern. In permanent feuchten Sedimenten wie Brunnen und Latrinen oder in schwermetallreichem Milieu bleiben pflanzliche Rückstände sowohl verkohlt als auch unverkohlt erhalten.

Pflanzen bildeten stets eine bedeutende Nahrungsgrundlage für den Menschen. Seit Beginn des Neolithikums haben Menschen Pflanzen angebaut, geerntet und zur Nahrung aufbereitet. Die anfallenden pflanzlichen Rückstände wurden mit dem übrigen Siedlungsabfall im Boden entsorgt. Daher finden sich in den archäologischen Ablagerungen Reste von Kultur- und Sammelpflanzen, Ackerunkräutern, Pflanzen der Ruderalvegetation und von anderen Wuchssorten. Diese Pflanzenfunde ermöglichen Aussagen zu den Klima- und Umweltbedingungen sowie den genutzten und angebauten Pflanzen in der Vergangenheit.