Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt
Landesmuseum für Vorgeschichte
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Archäologische Prospektion

Eine der im Denkmalschutzgesetz des Landes Sachsen-Anhalt verankerten Kernaufgaben des Landesamtes für Denkmalpflege und Archäologie (LDA) betrifft die Erkundung, lagegerechte Verortung und listenmäßige Erfassung archäologischer Denkmale. Für deren Erkundung werden in der archäologischen Prospektion vier Methoden angewandt: 1. Flugprospektion, 2. Airborne Laser Scanning, 3. Geländeprospektion und 4. Geophysikalische Prospektion.

Flugprospektion (Luftbildarchäologie)

Bewuchsmerkmale
Roitzsch, Ldkr. Bitterfeld. Bewuchsmerkmale. Mittelalterliche slawische Wüstung "Radekin". Rundling mit Dorfgraben, Hausstellen und Ackerfluren. © LDA Sachsen-Anhalt. Foto: Ralf Schwarz.

Eine hohe Erfolgsrate bei der Prospektion bisher unbekannter archäologischer Denkmale bietet der Einsatz der Flugprospektion. Dies liegt daran, dass mit dem Flugzeug in kurzer Zeit größere Gebiete nach Fundstellen abgesucht werden können. Die Methode verdankt ihren Erfolg vor allem dem Umstand, dass Getreidepflanzen in ihrem Wuchsverhalten auf die im Boden verborgenen archäologischen Strukturen reagieren und damit Art  und Ausdehnung archäologischer Denkmale sichtbar machen. So bleiben die im Boden verborgenen Siedlungsspuren nicht unbestimmt, weil unsichtbar, sondern es zeichnen sich unmittelbar die Befunde wie Gräber, Häuser, Gräben usw. ab. Seit Beginn der Flugprospektion im Jahre 1991 wurden ca. 6000 archäologische Fundstellen aus der Luft entdeckt und auf über 80.000 Bildern dokumentiert. Um eine kontinuierliche, systematische und flächendeckende, sich auf ganz Sachsen-Anhalt erstreckende Flugprospektion zu gewährleisten, werden derzeit jährlich Mittel für 75 Flugstunden bereit gestellt.

Airborne Laser Scanning

Digitales Geländemodell
Mittelalterliche Burg und Motte im Ziegelrodaer Forst bei Wangen, Burgenlandkreis. Das digitale Geländemodell beruht auf Airborne Laser Scanning (Auflösung 0,5 m, Höhendifferenz 0,1 m).

Da mit Hilfe der Flugprospektion Fundstellen nur auf ackerbaulich genutzten Flächen entdeckt werden können, und zwar vor allem anhand von Bewuchsmerkmalen im Getreidefeld (allerdings nur auf Feldern, auf denen Gerste, Weizen oder Mais angebaut werden), werden Fundstellen unter Wald mit dieser Methode nicht erfasst. Der Wald hat zwar hervorragend zur Erhaltung der Denkmale beigetragen, indem die aufgeworfenen Grabhügel und Wälle nicht in dem Maße der Witterung ausgesetzt waren als auf freiem Land, wo sie darüber hinaus vom Pflug stark eingeebnet wurden. Ihre Aufmessung gestaltet sich allerdings oftmals recht schwierig, weil dichtes Unterholz und Buschwerk die Zugänglichkeit erschweren.

Hierfür bedient sich das LDA modernster Methoden wie dem Airborne Laser Scanning Verfahren, bei dem Laser-Impulse vom Flugzeug aus das Astwerk der Bäume durchdringen und am Boden reflektiert werden, dessen Relief auf diese Weise abgetastet wird. Mit mathematischen Verfahren lässt sich daraus ein hochauflösendes digitales Geländemodell (Rasterweite 0,5 m) der Erdoberfläche erstellen, das selbst geringe Bodenunebenheiten und somit auch Grabhügel, Erdwerke, Hohlwege usw. abbildet. Anhand der Daten lassen sich zudem dreidimensionale Modelle entwickeln. Airborne Laser Scanning unterstützt und erleichtert damit die Vermessungstätigkeit in bewaldetem Gelände.

Geländeprospektion (Feldmethode)

Schlacht bei Lützen von 1632 (1)
Schlacht bei Lützen von 1632: Aufstellung der schwedischen und kaiserlichen Truppenverbände mit Eintragung der Prospektionsflächen von 2006.
Schlacht bei Lützen von 1632 (2)
Schlacht bei Lützen von 1632: Prospektionsflächen von 2006 mit Kartierung der Bleikugeln, nach Kalibern differenziert.
Schlacht bei Lützen von 1632 (3)
Schlacht bei Lützen von 1632: Vorstoß des schwedischen Heeres unter Gustav Adolf II. vor dem Hintergrund der Kartierung der Bleikugeln, nach Kaliber differenziert.
Kuckenburg bei Esperstedt, Saalekreis. Die Befunde wurden von Christian Schweitzer mit einem hochempfindlichen Caesium-Magnetometer prospektiert. Das Magnetogramm zeigt die mittelalterliche Burganlage auf einem Geländesporn über dem Weidatal und vorgeschichtliche Befestigungsgräben.

Geländebegehungen für die Erkundung archäologischer Denkmale werden seitens der für die Gebiete zuständigen Referenten sowie zu deren Unterstützung von ehrenamtlich Beauftragten für archäologische Bodendenkmalpflege durchgeführt. Die Methode der Feldbegehung beruht auf dem Umstand, dass die meist in Gruben oder Siedlungsschichten eingebetteten materiellen Hinterlassenschaften des vor- und frühgeschichtlichen und des mittelalterlichen Menschen, darunter vor allem zerscherbte Gefäßkeramik, im Zuge der Bodenbearbeitung des Landwirtes mit dem Pflug aus der Tiefe emporgerissen werden und sich auf der Ackeroberfläche verteilen, wo deren verstreutes, meist kleinstückiges Auftreten Aufschluss über Art und Umfang von im Untergrund verborgenen Siedlungsstellen, Gräberfeldern usw. geben. Um diese Zeugen menschlicher Siedeltätigkeit punktgenau einzumessen, werden GPS-Geräte eingesetzt, mit denen die Koordinaten der Funde mit einer Genauigkeit von ca. 5 m bestimmt werden.

Ein effektives Arbeiten erfordert genaue Kenntnis der topografischen Situation im Gelände und diese ist durch das Netz an ortsansässigen ehrenamtlich Beauftragten vorhanden. Weitere Aufgaben betreffen die regelmäßige Kontrolle oberirdisch erhaltener Denkmale hinsichtlich Beschädigung, (Teil-)Zerstörung, Diebstahl (z.B. von Kleindenkmalen wie Steinkreuzen, Meilensteinen usw.), Verunreinigung sowie die Kontrolle von Baumaßnahmen hinsichtlich evtl. Auftretens archäologischer Befunde.

Für die Erkundung von neuzeitlichen Schlachtfeldern hat sich derweil eine weitere Methode etabliert: die Schlachtfeldarchäologie. Im Rahmen der Prospektion werden ausgewählte Flächen des Schlachtfeldes mit Metallsonden abgegangen. Die Prospektion erfolgt dabei in fest abgesteckten Planquadraten entlang von Profillinien. Dort wo Funde erblickt oder mit der Metallfunde durch akustische Signale angezeigt werden, werden die Funde geborgen, mit dem GPS eingemessen und in einer Fundtüte verpackt. Ziel der Prospektion ist die Erfassung und Kartierung aller Funde: Gewehrkugeln, Uniformteile, Ausrüstungsgegenstände, Münzen, Reste von Kanonenkugeln usw., Pferdegeschirrteile, Knochen vom Menschen und vom Tier, Keramik usw. Anhand der Bestimmung und Kartierung der Funde mittels Geografischem Informationssystem lassen sich Rückschlüsse über die Ausdehnung des Schlachtfeldes, das Schlachtgeschehen, die Standorte der Lager, Zusammensetzung der Truppen usw. erzielen.

Geophysikalische Prospektion

Mit Hilfe geophysikalischer Verfahren lassen sich im Boden verborgene und damit unbekannte Strukturen (Befestigungsgräben, Häuser, Gräber usw.) lagegerecht darstellen. Die damit verbundenen Störungen im Boden bewirken entweder Unterschiede in der elektrischen Leitfähigkeit des Bodens (Geoelektrik) oder im Erdmagnetfeld (Geomagnetik). Während die Geoelekrtik für die Erkundung von Gebäuden mit Steinfundamenten eingesetzt wird, dienen geomagnetische Verfahren der Erkundung von verfüllten Hohlformen wie Gräben und Gruben. Größere Flächen werden im Auftrag von Christian Schweitzer mit einem hochempfindlichen Cäsium-Magnetometer, kleinere Projekte von dem Mitarbeiter des LDA Gerd Virkus mit einem Fluxgate-Gradiometer prospektiert. Durch die unmittelbare Kartierung der im Boden verborgenen Strukturen trägt die Geophysik im Vorfeld geplanter Grabungen zu einer effizienten Durchführung der Vorhaben sowie zu einer erhöhten Planungssicherheit bei der Kostenkalkulation bei. Zudem lassen sich Umfang und Art archäologischer Denkmale feststellen.