Geoarchäologie
Die Geoarchäologie (Pedoarchäologie) beschäftigt sich mit dem Erdboden und darin zu beobachtenden Phänomenen, um Erkenntnisse zu den anthropogenen Einflüssen und den Wechselbeziehungen Mensch-Umwelt in prähistorischer und historischer Zeit zu gewinnen. Denn die naturräumlichen Gegebenheiten bestimmten grundlegend die Möglichkeiten menschlicher Betätigung. So war die Ertragsleistung der Agrarwirtschaft in erheblichem Maße von der Güte der Böden abhängig, und bereits in vorgeschichtlicher Zeit stand die wirtschaftliche Prosperität einzelner Regionen in engem Zusammenhang mit regional verfügbaren Rohstoffen.
Durch sein Wirken veränderte der Mensch die Landschaft in erheblichem Maße. Wegeführungen und Ackerbau riefen umfangreiche Erosionsereignisse im Boden hervor, die im Gelände als Hohlwege und als Hangkolluvien sowie in den Flußbetten als Auelehme fassbar sind. Die mitteldeutschen Lößböden wurden durch die Bodenerosion erheblich in Mitleidenschaft gezogen, und fast alle Flußläufe Europas haben durch die Auelehmbildungen ihre Gestalt umfassend verändert.
Verschiedene geowissenschaftliche Methoden dienen der Untersuchung dieser anthropogenen Einwirkungen und der sich daraus ergebenden Folgen. Vor allem bodenkundliche Feld- und Labormethoden werden angewendet, weshalb diese interdisziplinäre Forschungsdisziplin auch Pedoarchäologie genannt wird, abgeleitet von griech. pedon= Boden.
Möglichkeiten der Beobachtung ergeben sich bei den teils über viele Kilometer erstreckenden Straßen- und Leitungsbaumaßnahmen, die archäologisch betreut werden. So lassen sich gerade die Prozesse der Kolluvien- und Auelehmbildung dokumentieren, die die Landschaft klein- und großräumig geprägt haben. Die zeitliche Fixierung von Phasen der Auelehmbildung gibt auch Rückschlüsse auf die Intensität der anthropogenen Landnutzung.
Neben den natürlichen Faktoren, wie klimatische Gegebenheiten oder biologische Aktivitäten, initiiert auch der Mensch Prozesse der Bodenentwicklung, die zum Teil überregionale Auswirkungen hatten und haben.
Weithin bekannt ist die Plaggenwirtschaft mit Nährstoffanreicherung der Ackerböden, wobei mächtige Eschhorizonte entstanden. Die Bodenentnahmeflächen hingegen verarmten, wobei sich Podsole unter Heidevegetation entwickelten.
Stadien der Bodenentwicklung lassen sich besonders gut durch den Vergleich begrabener Bodenhorizonte mit den heutigen Böden herausstellen. Hier liefert die Archäologie die bodenkundliche Datenbasis, denn die begrabenen Böden sind häufig unter archäologischen Objekten konserviert, wie Wallanlagen oder Grabhügel, die auch zeitliche Fixpunkte setzen.
In enger Zusammenarbeit beider Fachdisziplinen mit ihrer jeweiligen fachspezifischen Untersuchungsmethodik lässt sich herausarbeiten, welche Faktoren für die Bodenentwicklung maßgeblich waren und auf welche Weise der Mensch an den Bodenveränderungen beteiligt war. Weiterhin lassen sich Rückschlüsse auf frühere Umwelt- und Lebensbedingungen ziehen und Hinweise erlangen, und wie sich der Mensch den jeweiligen Gegebenheiten angepasst hat.

- Profil durch den Siedlungshügel bei Niederröblingen, Kreis Mansfeld-Südharz. Im dunklen Basishorizont ist noch der Rest der ehemaligen humosen Oberfläche erhalten. Die gelb-graue Farbe des oberen Abschnittes des Siedlungshügels deutet darauf hin, daß große Mengen an Lehm, wohl für den Hausbau, eingebracht wurden.



