Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt
Landesmuseum für Vorgeschichte
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Mittelalterarchäologie / Stadtarchäologie

Halle, Marktplatz
Halle, Marktplatzumgestaltung. Im 12. Jahrhundert gegründet, stand die Marienkirche in Halle bis zum Anfang des 16. Jahrhunderts zwischen heutiger Marktkirche und Rotem Turm. Unter dem Eindruck der Grabungsergebnisse ließen sich die Verantwortlichen der Stadt Halle dazu bewegen, die geplante Ausführung dahingehend zu modifizieren, dass möglichst viel Originalsubstanz der Fundamente erhalten blieb. © LDA Sachsen-Anhalt

Archäologische Quellen sind nicht nur für die Zeiten interessant, für die es noch keine oder nur sehr spärliche Schriftquellen gibt. Urkunden, Akten, Chroniken und Bildzeugnisse des Mittelalters und der Neuzeit sind häufig tendenziös oder geben nur über  bestimmte Bereiche des menschlichen Lebens Auskunft. So erschließen sich z.B. weite Bereiche des täglichen Lebens nur über materielle Hinterlassenschaften. Selbst bei guter schriftlicher Überlieferung sind archäologische Quellen eine wichtige Ergänzung zum Verständnis historischer Zusammenhänge, sie sind sozusagen das „Archiv im Boden“. Während der Erhalt alter Urkunden und Schriftstücke im allgemeinen unumstritten ist, sind die im Boden schlummernden Zeugnisse der Vergangenheit akut von Zerstörung bedroht.

Die Referenten der Mittelalterarchäologie betreuen neben ausgewählten Einzelobjekten insbesondere die Großstädte Magdeburg und Halle. Städte sind gekennzeichnet durch besonderen Veränderungsdruck bei ortskonstanter Besiedlung. So hat bereits die historische Bautätigkeit die archäologische Denkmalsubstanz erheblich geschädigt, aber es blieben immer noch Reste im Hofbereich und bei mächtigen Schichtpaketen auch unter den Kellern erhalten. Besorgniserregend sind die Totalverluste durch tiefgreifende Bauten aus der Nachkriegs- und Nachwendezeit, die meist nur großflächige „archäologische Wüsten“ hinterlassen. Um nachfolgende Generationen nicht eines wichtigen Teiles ihres kulturellen Erbes zu berauben, muss neben der wissenschaftlichen Ausgrabung auch der Schutz von Bodendenkmalen durch Nichtbebauung bzw. denkmalfreundlichere Bebauung zunehmend an Bedeutung gewinnen.

Halle, Marktplatzumgestaltung: Bei Leitungsverlegungen und Erdaushub für den Unterbau des Platzes wurden Kinder- und Frauengräber angeschnitten, die zum Friedhof der mittelalterlichen Marienkirche gehören. Der feuchte Untergrund des Marktes konservierte sogar die mittelalterlichen Holzsärge. © LDA Sachsen-Anhalt
Halle, Trödel: In den bis zu 9 m mächtigen Schichtpaketen war die lückenlose Besiedlungsgeschichte vom 11. bis ins 13. Jahrhundert erhalten. Entsprechend große Grabungsflächen ermöglichten Einblicke in die Parzellenstruktur und lieferten den Beleg, dass bereits im 11. Jahrhundert ein gepflasterter Weg durch die Holzbebauung verlief. © LDA Sachsen-Anhalt
Magdeburg, Domplatz-Ostseite: Bei den spektakulären Grabungen, die zur Aufdeckung eines riesigen Kirchenbaus aus dem 10. Jh. führten, wurde auch ein Säulenfragment aus Cipollino-Marmor gefunden (gebrochen auf der Insel Euböa vor der griechischen Küste und wohl in antiker Zeit nach Italien gebracht). © LDA Sachsen-Anhalt
Magdeburg, Tiefgarage Alleecenter: Auf dem Gelände der gerade eröffneten neuen Tiefgarage des Allee-Centers kamen - im tief gelegenen Elbvorland - Holzfunde nicht unerwartet: Ein Stück Schwemmholz zeigt, dass hier um 1162 noch ein Flusslauf existierte. 1186 wurde in dessen Ablagerungen ein hölzerner Pfahl gesetzt, um 1200 existierten hier Bohlenwege und der Schwellbalken für einen ersten Ständerbau wurde 1235 geschlagen. So kann der „Landesausbau“ inmitten der heutigen Altstadt gezeigt werden; auf dieser Fundstelle mit Hilfe zahlreicher dendrochronologischer Datierungen. © LDA Sachsen-Anhalt
Magdeburg, Breiter Weg 8-10: Unter dem Bauplatz des „Hundertwasserhauses“ wurde ein bis zu 7 m tiefer Befestigungsgraben freigelegt, der den Ostteil des südlichen Magdeburger Stadtzentrums umschloss und, wie Radiocarbondaten zeigen, in die Zeit der urkundlichen Ersterwähnung der Stadt unter Karl dem Großen (805) gehört. © LDA Sachsen-Anhalt
Magdeburg, Gouvernementsberg: Im Zuge der Freilegung einer frühneuzeitlichen Futtermauer wurde eine eingemauerte Frauenfigur aus Sandstein aus dem 14. Jh. gefunden. © LDA Sachsen-Anhalt. Foto: Weber