Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt
Landesmuseum für Vorgeschichte
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Querschnittsaufgaben

Luftbild Grabung Salzmünde (A143)
Im Vorfeld von Neubauten - hier einer Brückenbaumaßnahme finden im tangierten Bereich archäologische Dokumentationen statt (hier: Salzmünde, Saalekreis). Foto © I. Hoffmann.
Luftbild Grabung Oberröblingen (A71)
Kilometerlange Leitungsmaßnahmen durchschneiden die heutige Landschaft; im Vorfeld durchgeführte archäologische Dokumentationen bieten beispielhafte Einblicke in die vormalige Kulturlandschaft (hier BAB A 71 bei Oberröblingen, Kr. Mansfeld-Südharz). Foto © I. Hoffmann.
Tagebau Profen
Unmittelbar unterhalb des Oberbodens befinden sich die archäologischen Kulturdenkmale der letzten 10.000 Jahre; in größeren Tiefen finden sich die Hinterlassenschaften aus paläolithischer Zeit (hier Tagebau Profen, Burgenlandkreis).

Sachsen-Anhalt, das Kerngebiet Mitteldeutschlands, ist seit alters her Schnittpunkt verschiedener Verkehrsachsen. Die Umsetzung der Verkehrsprojekte „Deutsche Einheit“ wird in Bälde abgeschlossen sein: Neben dem Ausbau der Schifffahrtswege (bspw. Mittellandkanal) sind vor allem Autobahn-Neubauten und -Verbreiterungen (bspw. A14, A38, A71, A143) zu nennen. Mit dem Bau zahlreicher Ortsumgehungen wird man dem Erhalt historischer Ortskerne trotz zunehmendem Kraftverkehr gerecht.

Neukonzipierte Verkehrswege wie auch Versorgungs-Leitungen (Wasser, Gas, Elektro etc.) durchschneiden linear die in Jahrtausenden geschaffene Kulturlandschaft. Durch die archäologische Begleitung dieser Baumaßnahmen erhalten wir  - unabhängig von regionalspezifischen Mustern der Ansiedlung - einen objektiven Einblick in die Nutzung des mitteldeutschen Naturraumes seit mindestens 400.000 Jahren sowie in die Entwicklung der siebeneinhalb Jahrtausende alten Kulturlandschaften. Zur Dokumentation unseres kulturellen Erbes, d.h. Ausgrabung und Bergung, finden archäologische Untersuchungen im Vorfeld der Baumaßnahmen statt. Frühzeitige Absprachen stellen sicher, dass Bauverzögerungen vermieden werden.

Gleiches gilt auch für die teilweise für den Straßenbau notwendigen Sand- und Kiesabbaugebiete oder andere Bereiche der Rohstoffgewinnung, wie beispielsweise Kohle. Wegen des hierzu notwendigen großen Flächenanspruchs sollen zur Absicherung langfristiger Abbaustrategien archäologische Dokumentationen mit hohem zeitlichem Vorlauf erfolgen. Oftmals umfassen die Abbaugebiete mehrere vorgeschichtliche Siedlungskammern, die sich erst im Zuge von Bodeneingriffen abzeichnen. Hinterlassenschaften der paläolithischen Menschen (400.000 bis 10.000 v. Chr.) lagern zudem in den eiszeitlichen Schottern, vielfach mehrere Meter unterhalb der heutigen Geländeoberfläche.

Seit Anbeginn des Ackerbaus greift der Mensch nachhaltig in die Landschaft ein und verändert den Naturhaushalt - Überschwemmungen, Veränderungen im Grundwasserspiegel und Erosionen resultieren daraus. Vor allem in Folge des Extremhochwassers von 2002 verständigte man sich länderübergreifend darauf, die Hochwasserschutzmaßnahmen vorrangig in Angriff zu nehmen. Neben Spundwänden werden vor allem neue Deiche gebaut. Sowohl bei den erforderlichen Flächen zur Materialgewinnung als auch im Bereich der Deichkörper und deren Zufahrten finden Eingriffe in meist vollkommen ungestörten Untergrund statt - mit Hilfe archäologischer Untersuchungen gelingt es, die geschichtlichen Bodenzeugnisse vor ihrer endgültigen Zerstörung zu dokumentieren und somit unserer Nachwelt zu erhalten. Flusslandschaften mit ihren weiten Auenflächen stellen dabei bislang fast gänzlich unbekannte Archive unserer eigenen Vorgeschichte dar. Überdeckt von Ablagerungen infolge Erosion in höheren Lagen sind hier die archäologischen Kulturdenkmale hervorragend geschützt; gewässernahe Baumaßnahmen sind bzw. waren zudem selten. Im Zuge der Wasserrahmenrichtlinien - einer europaweiten Vorschrift zur Verbesserung der Wasserqualität - wird in diese Bereiche erstmalig nach hunderten bis tausenden Jahren wieder eingegriffen. Sowohl bei der Aktivierung von Altarmen, Auskofferung von Flussbetten als auch bei der Schaffung künstlich mäandrierender Wasserläufe sind archäologische Dokumentationen erforderlich, denn vor allem in Gewässernähe ist mit der Erhaltung organischer Funde, wie beispielsweise Holz, zu rechnen.

Einen Eindruck davon, welche Befunde und Ergebnisse derartige archäologische Untersuchungen  erbringen können, vermitteln anschaulich die hier als PDF zum Download bereitstehende Dokumente zu den Ausgrabungen an der B 6n, PA 15 (Salzlandkreis) und zu den archäologischen Dokumentationen an der Ortsumgehung Quedlinburg.