Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt
Landesmuseum für Vorgeschichte
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Bilzingsleben

Ein Platz an der Sonne

Grundriß der ovalen Behausung von Bilzingsleben © LDA Sachsen-Anhalt
Grundriß der ovalen Behausung von Bilzingsleben (© LDA Sachsen-Anhalt)
Verkohlter Stamm aus der Ausgrabungsfläche. Dabei handelt es sich um die Reste einer Feuerstelle © LDA Sachsen-Anhalt (Foto: Juraj Lipták)
Verkohlter Stamm aus der Ausgrabungsfläche. Dabei handelt es sich um die Reste einer Feuerstelle (© LDA Sachsen-Anhalt, Foto: Juraj Lipták)

Bereits 1818 erwähnt der berühmte Paläontologe Friedrich Ernst von Schlotheim den Fund eines fossilen menschlichen Schädels in Bilzingsleben. Ob es sich hierbei um den ersten Fund eines wirklichen Urmenschen in Deutschland handelt, ist leider nicht mehr zu beantworten, da er verschollen ist. Erst nahezu ein Jahrhundert später, 1908, fand dann Ewald Wüst vom Geologischen Institut in Halle im Travertin von Bilzingsleben die ersten Steinartefakte. Ein für die Wissenschaft glücklicher Umstand, dass der über der Fundstelle mehrere Meter hoch angewachsene Kalkstein Travertin als begehrter Rohstoff abgebaut wurde, erbrachte die Freilegung der Bilzingslebener Fundschicht. Im Jahr 1969 erkannte Prof. Dietrich Mania von der Universität Jena diese Schicht mit den Überresten einer Besiedlung und den unzähligen kulturellen Hinterlassenschaften des Urmenschen. Zahlreiche geologische Erscheinungen und Fossilfunde von Tieren und Pflanzen machen des zudem möglich, auch die damalige Umwelt sowie die Klimaverhältnisse detailliert zu rekonstruieren. Aus dieser Zeit - ca. 370000 Jahre vor heute - finden sich sonst kaum Fundstellen mit dieser Informationsbreite.

Durch die Lage an einem See und das langsame Ansteigen des Wasserspiegels haben sich viele Fundobjekte auf der ehemaligen Oberfläche in ihrer ursprünglichen Lage und zudem in gutem Zustand erhalten. So ließ sich beobachten, dass anscheinend im ehemaligen Schwemmfächer der Quelle vor allem größere Abfälle beseitigt wurden, die wohl einer Arbeitszone direkt am Wasser entstammen. Daran schloss sich der Wohnbereich an, auf dem noch drei Grundrisse von Hütten oder Zelten sichtbar waren. Den Behausungen waren ebenfalls Arbeitsbereiche vorgelagert, in denen Ambosse und zerschlagene Knochen lagen. Hier fanden sich auch verschiedene Hinweise auf die Verwendung von Feuer, obwohl eindeutige Feuerstellen nicht beobachtet werden konnten. Jenseits dieser Wohn- und Arbeitsfläche entdeckte man eine runde Fläche, auf der sich eine große Anzahl von Muschelkalk- und Travertinbrocken fanden. Das einzig größere Objekt in diesem Areal ist ein Amboss, der vermutlich von den Hörnern eines Auerochsenschädels umfangen wird. Ob es sich hier um eine intentionelle Anordnung handelt, kann nicht zweifelsfrei geklärt werden, doch wurde dieser Platz keinesfalls für Alltagsaktivitäten genutzt.

Die einstige Flora bestand aus lichten, artenreichen Eichen-Buchsbaumwäldern, wie sie heute im nördlichen Mittelmeergebiet vorkommen. Sie waren mit Gebüsch und offenen Steppenwiesen durchsetzt. Unter den nachgewiesenen Pflanzen befinden sich weiterhin Arten mit essbaren Teilen: das sind Eiche, Hasel, Linde, Feuerdorn, Berberitze und Himbeere, Wildbirne, Süßkirsche und Weinrebe. In dieser Umgebung lebten große Pflanzenfresser wie Elefanten, Wald- und Steppennashörner, Wildrinder, -pferde und Hirsche. Diesem unerschöpflichen Nahrungsreservoir folgten die großen Raubtiere wie der Höhlenlöwe, Bär und Wolf.