Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt
Landesmuseum für Vorgeschichte
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Februar: Graben auf Burg Kalbe

Die Burg Kalbe liegt in der weiten Niederung der Milde, die erst durch die Meliorationsarbeiten des 18. und 19. Jahrhunderts in ihr heutiges Flussbett geleitet wurde. (Luftbild R. Schwarz)
Die Burg Kalbe liegt in der weiten Niederung der Milde, die erst durch die Meliorationsarbeiten des 18. und 19. Jahrhunderts in ihr heutiges Flussbett geleitet wurde. (Luftbild R. Schwarz)

Die Burg Kalbe ist eine Niederungsburg in den Sumpfwiesen der Milde. Vor der Kanalisierung im 18. Jh. war die Milde nicht als Fluss erkennbar, sie bildete ein Netz aus Wasserrinnen und überflutete die Niederungen. Die Milde glich somit eher einem See als dem heutigen Wiesenfluß.

Burggeschichte(n)
Die Zufahrt der Burg Kalbe führt durch den noch teilweise erhaltenen Zwinger. In der linken unteren Bildecke ist die östliche Wand des Palas zu erkennen.
Die Zufahrt der Burg Kalbe führt durch den noch teilweise erhaltenen Zwinger. In der linken unteren Bildecke ist die östliche Wand des Palas zu erkennen.

Bis zu ihrer Zerstörung im Jahr 1632 galt die Burg Kalbe nach Tangermünde als die größte Burg der Altmark. Trotz ihrer außerordentlichen Bedeutung ist von der Baugeschichte nur sehr wenig bekannt. Es wird häufig behauptet, dass die Burg Kalbe auf eine sächsische Grenzbefestigung des 9./10. nachchristlichen Jahrhunderts zurückgeht, die an Stelle einer slawischen Wallburg errichtet wurde. Archäologische Belege liegen hierfür aber nicht vor.

1196 gelangte die Burg in Besitz des Erzstifts von Magdeburg. Bereits 1240 wurde sie nach der Schlacht bei Gladigau zerstört und fünf Jahre später wieder aufgebaut. Um 1296 gelangte die Burg an Droiseke von Cröchern, der sie 1324 an Albrecht von Alvensleben verkaufte. Nach einem Brand erfolgte 1580 der Wiederaufbau. Während des 30-jährigen Krieges geriet die Burg wiederholt in das Interessensgebiet der verschiedenen Kriegsparteien. Da zwar nicht die Burg, aber das Umland jedes mal verwüstet wurde, befahl der Kurfürst Georg Wilhelm von Brandenburg, die Burg abzutragen. Heute sind von der Burg noch Reste des Palas, der Heiligkreuzkapelle und des Zwingers mit dem alten Wachhaus erhalten. Der überwiegende Teil der Kernburg ist mit Einfamilienhäusern bebaut.

Schaufeln, schaufeln, schaufeln…. damals und heute

Im Sommer 2004 waren im Zuge der Erschließung der Burg für die Abwasserentsorgung erstmals archäologische Untersuchungen möglich. Dabei gelang es, vier unterschiedliche Bauphasen herauszuarbeiten. Obwohl teilweise Profiltiefen von über 3 m erreicht wurden, konnten die Anfänge der Burg nicht erschlossen werden. Punktuelle Bohrprofile wurden bis auf 5 m Tiefe hinunter gebracht. Dennoch gelang es nicht, das ursprüngliche Geländeniveau zu ermitteln. Die Anlage steht auf mächtigen Aufschüttungen aus Ton und einem Sediment, das anscheinend aus dem Burggraben gewonnen wurde.

Bei den Erweiterungen an den Befestigungsanlagen geschah es sicherlich tagtäglich, dass das Werkzeug bei den Erdarbeiten zerbrach. Da die meisten Arbeitsgeräte aus Holz gefertigt waren, haben sie sich im Erdreich nicht erhalten. Im Zuge des Ausbaues der Burg um 1365 zerbrach bei der Aufschüttung des Burggeländes mit dem Aushub aus dem Burggraben wieder einmal eine Schaufel. Das Fragment konnte bei der diesjährigen Ausgrabung geborgen werden. Offensichtlich war das Schaufelblatt bei den schweren Arbeiten entlang der Faserrichtung gebrochen und in dem aufgeschütteten Erdreich verblieben. Aufgrund der Lagerung in dem feuchten Milieu hat sich das Holz erhalten. Die Schaufel war aus Erlenholz (oder Linde?) gefertigt. Das Schaufelblatt war noch auf einer Länge von 26 cm erhalten. Die Schneide war ausgebrochen, dass sich die ursprüngliche Länge leider nicht zuverlässig ermitteln lässt. Es wird jedoch nur ein kurzes Stück fehlen, so dass von einer Gesamtlänge von etwa 30 cm ausgegangen wird.

Das Schaufelblatt (FNr. 17) in Fundlage. Der im Profil sichtbare Eichenpfahl (FNr. 18) wurde bei einem Ausbau der Befestigung um 1500 eingerammt.
Das Schaufelblatt (FNr. 17) in Fundlage. Der im Profil sichtbare Eichenpfahl (FNr. 18) wurde bei einem Ausbau der Befestigung um 1500 eingerammt.
Das Schaufelblatt aus der Burg Kalbe wurde aus Erlen (Linde?) geschnitzt. Der Rand ist stark hochgezogen um möglichst viel Erdreich aufnehmen zu können. Die Vorderkante war nicht mehr erhalten.
Das Schaufelblatt aus der Burg Kalbe wurde aus Erlen (Linde?) geschnitzt. Der Rand ist stark hochgezogen um möglichst viel Erdreich aufnehmen zu können. Die Vorderkante war nicht mehr erhalten.

Im Mittelalter war der Festungsbau mit umfangreichen Erdarbeiten verbunden. Burgen wurden mit Wällen und Gräben gesichert oder Hügel aufgeschüttet, die den Verteidigungswert der Anlage steigerten. Oft wurde das Erdreich wurde mit einer Hacke gelockert, um anschließend mit einer Schaufel aufgenommen zu werden. Als weiteres Werkzeug wurde auch der Spaten eingesetzt, der einen einseitigen Tritt verfügte. Im Gegensatz zu den Schaufeln war die Schneide des Spatens mit einem Eisenblech bewehrt. Trotz der weiten Verbreitung haben sich diese Holzwerkzeuge kaum erhalten. So ist es den besonderen Erhaltungsbedingungen in dem Milieu des aus dem Burggraben gewonnenen Sediments zu verdanken, dass sich von den Schanzarbeiten der Burg Kalbe auch ein typisches Werkzeug erhalten hat.

Der Teppich von Bayeux zeigt die Erdarbeiten zum Bau der Burg Hastings. Dargestellt wird das Auflockern des Erdreichs mit der Hacke und das Aufschütten des Burghügels.
Der Teppich von Bayeux zeigt die Erdarbeiten zum Bau der Burg Hastings. Dargestellt wird das Auflockern des Erdreichs mit der Hacke und das Aufschütten des Burghügels.
Der Teppich von Bayeux gibt die Werkzeuge sehr detailgetreu wider. Die Spaten haben einen einseitigen Tritt. Deutlich ist die eisenbeschlagene Vorderkante zu erkennen. Die Schaufelblätter sind hingegen unbewehrt.
Der Teppich von Bayeux gibt die Werkzeuge sehr detailgetreu wider. Die Spaten haben einen einseitigen Tritt. Deutlich ist die eisenbeschlagene Vorderkante zu erkennen. Die Schaufelblätter sind hingegen unbewehrt.

Autor: Uwe Vogt
Redaktion: Anja Stadelbacher