Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt
Landesmuseum für Vorgeschichte
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Februar: Schmuck der Eisenzeit: Halsring, Haarnadel und eine keltische Fibel

Abb. 1 Grab 11
Abb. 2 Grab 11: Haarnadel und Halsring in Fundlage
Abb. 3 Bronzene Haarnadel aus Grab 11
Abb. 4 Bronzener Halsring aus Grab 11
Abb. 5 Verschluß des Halsrings
Abb. 6 Grab 14
Abb. 7 Bronzefibel aus Grab 14

Bei den archäologischen Untersuchungen im Vorfeld des Baus einer Abwasserleitung wurden südlich des Ortes Obhausen (bei Querfurt) neben der Kreisstraße K 2226 von Obhausen nach Nemsdorf fünf eisenzeitliche Körpergräber entdeckt. Eines dieser Gräber war vollständig zerpflügt und zwei weitere ausgeraubt. Die beiden vollständig erhaltenen Gräber erbrachten schöne Funde und sollen in diesem Fund des Monats vorgestellt werden. Die eisenzeitlichen Bestattungen lagen in unmittelbarer Nachbarschaft zu einem großen schnurkeramischen Grabhügel. Wahrscheinlich waren sie in die Ausläufer seiner Aufschüttung eingetieft. Es handelt sich um einfache, west-östlich orientierte Erdgräber. Nur das Grab (Befund) 11 war nord-südlich ausgerichtet:
Dieses Grab war zunächst nur als leichte dunkle Verfärbung zu erahnen, die aber nicht die Form der Grabgrube wiedergab. Daher konnten die Form und die Maße der Grabgrube nicht mehr festgestellt werden. Es konnte nur das Skelett freigelegt werden, das 1,55 m lang erhalten war. (Abb. 1)

Der Tote - nach den Beigaben zu urteilen, wahrscheinlich eine Frau - war in ausgestreckter Rückenlage mit beiden Armen parallel zum Körper bestattet worden. Der Kopf lag im Norden mit Blick nach Osten. (Abb. 2)

Westlich des Schädels steckte eine 21 cm lange Nadel in situ am Hinterkopf. Die Fundlage lässt an einer Verwendung als Haarnadel keinen Zweifel. Sie diente wahrscheinlich dazu, die lang getragenen Haare als Knoten am Kopf zu befestigen. (Abb. 3)

Um den Hals lag ein verzierter Halsring, der zur Gruppe der so genannten unechten Wendelringe gehört. (Abb. 4)


Der Ring hat einen Durchmesser von 16 cm und ist im Querschnitt rund (Durchmesser: 1,2 cm). Er weist zwei flach geschmiedete, rechteckige Endungen auf. Diese stehen quer zueinander und bilden so einen Verschluss. Die Felderverzierung der Halsringenden entspricht der Fünf auf heutigen Würfeln. (Abb. 5)

Grab (Befund)14
Die 1, 90 m lange und 0, 55 m breite Grabgrube war noch ca. 35cm tief erhalten und damit tiefer als bei allen anderen Gräbern. Auf dem linken Arm des Toten lagen mehrere Bruchsteine. Da der Arm völlig unversehrt war, sind die Steine wohl bei der Bestattung mit großer Vorsicht an dieser Stelle abgelegt worden. Das Skelett lag in ausgestreckter Rückenlage mit dem Kopf nach Osten; der Blick war nach Norden gerichtet. Der rechte Arm lag parallel zum Körper, die rechte Hand war unter das Gesäß geschoben. Der linke Arm war angewinkelt und der Unterarm lag auf seinem Unterkörper. (Abb. 6)


Neben der rechten Schulter des Toten lag eine bronzene Fibel. Sie ist 4, 3 cm lang und 1,8 cm hoch; ihre Spirale besteht aus 12 Windungen und ist 3, 6 cm breit. Der Bügel und der Nadelhalter sind aus einem Stück gegossen. Zusätzlich zur Fibel fand sich unter dem Schädel ein einfacher Ohrring aus gebogenem Bronzedraht. (Abb. 7)

Aufgrund der Beigaben lassen sich die beiden Gräber chronologisch gut einordnen. Sie wurden während der vorrömischen Eisenzeit angelegt. Der große zeitliche Abstand zwischen den beiden Gräbern zeigt, dass das Gräberfeld von Obhausen über einen langen Zeitraum in Verwendung war. Grab11 datiert in das 6. Jh. v. Chr. (Halstatt D), und damit in die ältere Eisenzeit. Damals gehörte auch das südliche Sachsen-Anhalt zum Bereich der Thüringischen Kultur.
Grab14 kann durch die Fibel dem 3. Jh. v. Chr. (Latène C) zugewiesen werden. Vergleichbare Fibeln wurden vor allem von den Kelten getragen, die zu dieser Zeit unter anderem auch Bayern und Böhmen besiedelten. Die Fibel von Obhausen belegt Kontakte zwischen diesen Regionen und Mitteldeutschland.


Redaktion: Florian RuppensteinAutor: Andreas Egold