Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt
Landesmuseum für Vorgeschichte
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April: Übung macht den Meister

Abb. 1: Mansfelder Eisennägel (Foto: J. Lipták)
Abb. 1: Mansfelder Eisennägel (Foto: J. Lipták)

Eine sensationelle Neubewertung eines Fundes in Mansfeld könnte Licht auf den Beginn der Reformation durch Martin Luther werfen
Dr. Björn Schlenker, der Ausgräber von Luthers Familiensitz in Mansfeld, kann sein Glück noch gar nicht fassen: „Wir haben ja schon während der Grabung festgestellt, dass es sich um exzeptionelle Stücke aus der Jugendzeit Luthers handelte, aber dass sich im Nachhinein noch ein solcher sensationeller Fund ergeben würde - damit konnte nun wirklich keiner rechnen.“
Dabei war die Deutung dieses Fundes noch gar nicht auf den ersten Blick ersichtlich gewesen: Als bei den routinemässigen Ausgrabungen 2003 eine Grube, angefüllt mit dem Abfall der Familie Luthers, angeschnitten wurde, fiel das Augenmerk natürlich auf die aussergewöhnlichen Stücke wie Luthers Spielzeug, eine Brauttracht der Schwester Luthers und eine Hauswehr von Luthers Vater.

Kaum beachtet wurde hingegen die riesige Anzahl von kurzen Eisennägeln, die zunächst als Reste von sekundär als Brennmaterial verwendetem Bauholz abgetan wurden. Es handelt sich dabei um fast 1600 Nägel von 3-4 cm Länge, die einen hohen Kupferanteil aufweisen (>22,3709 %). Wahrscheinlich wäre niemals Licht auf diesen Fund gefallen, wenn nicht vor kurzem Dr. Martin Treu, der Mitarbeiter der Stiftung Luthergedenkstätten in Sachsen-Anhalt, einen entscheidenden Fund in der gerade durch das Thesenanschlags-Zitat berühmten Rörer-Handschrift im Universitätsbibliothek Jena gemacht hätte: Dort heißt es, in einer später gelöschten und nun bei Schwarzlichtaufnahmen wieder entdeckten Zeile, die das Thesenanschlags-Zitat vervollständigt: „in valuis templorum cum clavis ex manfelt affinxit“ (gelöschte Stelle hervorgehoben) [= an den Pforten der Kirchen mit Nägeln aus Mansfeld angenagelt).

Diese Notiz wirft natürlich ein völlig neues Licht auf den Nagel-Fund aus Mansfeld: Offenbar verliess sich der Reformator auch bei der Veröffentlichung seiner aufsehenserregenden Schrift auf ein bewährtes Produkt, das er aus seiner Heimat kannte: Nägel made in Mansfeld.

Und das ist noch nicht alles: die große Zahl der Nägel aus der Mansfelder Grabung, die für einen Gebrauch im Bauwesen viel zu kurz zu sein scheinen, müssen nun völlig neu interpretiert werden: Es scheint sich um Nägel zu handeln, die explizit für den Einsatz an schwarzen Brettern hergestellt wurde, quasi eine Art Vorläufer der heutigen Reißzwecken.

Anscheinend wollte sich schon der junge Martin auf seinen späteren Auftritt als Anschläger der Thesen vorbereiten und nagelte schon in früher Kindheit alles, was nicht niet- und nagelfest war. Das lässt dann aber wiederum den Umkehrschluß zu, dass die Christliche Erneuerung schon in Mansfeld von langer Hand vorbereitet wurde und damit als eigentlicher Geburtsort der Reformation zu gelten hat.

Eine kurzfristig anberaumte Grabung vor den Türen der Wittenberger Schlosskirche soll jetzt endgültig die Zweifel an der historisch überlieferten Tat Luthers klären. „Ein Nagel mit denselben metallurgischen Eigenschaften, wie die Mansfelder Exemplare - das wäre wirklich der Hammer“, so Schlenker.