Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt
Landesmuseum für Vorgeschichte
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Januar: Wolmirstedter Knete

Seit dem Oktober 2006 läuft eine baubegleitende Grabung auf der Unterburg der Schloßdomäne von Wolmirstedt (Ohrekreis). Die Burg und das nachfolgende Schloß Wolmirstedt (Abb.) - auf einer eiszeitlichen Grundmoräne im Dreieck der ehemaligen Einmündung von der Ohre in die Elbe errichtet - ist slawischen Ursprungs. 1319 wurde die Burg vom Markgrafen Waldemar an das Erzbistum Magdeburg verpfändet. Im Laufe des 17. Jahrhunderts kam die Burg in preußischen Besitz und wurde bald darauf zu einer Domäne ausgebaut. Im 19. Jahrhundert erhielt die Unterburg zwei mächtige Scheunen, von der die nördliche nach dem Krieg abgerissen wurde.

Auf der bisher untersuchten Fläche wurden neben Siedlungsgruben der Walternienburger/Bernburger Kultur mittelalterliche Gräber (mit Dendrodatierungen von 1220 und 1387 ± 3) sowie kompakte Siedlungsschichten des Hoch- und Spätmittelalters und der frühen Neuzeit ergraben. Vorherige archäologische Baubegleitungen hatten darüber hinaus noch Gruben der Bronzezeit, der Eisenzeit und slawische Siedlungsspuren zutage gebracht.

Dass nicht nur Funde aus alten Schichten von Interesse sein können, zeigt der hier vorgestellte Fund des Monats, der aus der Bauschuttverfüllung der oben erwähnten abgerissenen Scheune stammt.


Unter den vielen, mehr oder weniger unscheinbaren Funden (Nägel, Kupferröhrchen, Schuhsolenfragmente, etc stieß eine Fundgattung auf besonderes Interesse: leuchtend bunte, marmorierte, knollige Farbmassen.


Freude und Neugier der Ausgräber dürften ob solch seltenen Fundes groß gewesen sein - Farben, besonders dieser Brillanz sind im mitteldeutschen Fundspektrum selten. Ein tiefes dunkelblau, ein feuriges orangerot, ein goldenes gelb prangt auf den Fundstücken, bildet marmor-artige Bänder und achatartige Muster. Man fühlt sich an Millefiori-Perlen erinnert oder an den erst in der Renaissance aufkommenden, kostbaren Stuckmarmor  („Scagliola“).
Oder sind das gar die Hinterlassenschaften eines spätmittelalterlichen Malers, der seine teuersten Farben hier vor Dieben versteckte?

Azzuro Oltramarino, ein Blau, das man aus Lapislazuli gewann, und seinerzeit wertvoller als Gold war? Echter Zinnober aus den Almaden in Spanien?  Auripigment, teures und leider tödlich giftiges Goldgelb aus Arsensulfid?


Eine chemische Schnellanalyse sollte das klären.