Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt
Landesmuseum für Vorgeschichte
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Gold für die Ewigkeit

Das germanische Fürstengrab von Gommern zählt zu den reichsten Männergräbern, die bislang in freien germanischen Gebieten Mitteleuropas untersucht werden konnten. Die Ausstellung zeigte ein facettenreiches Bild vom Leben im freien Germanien; zugleich wurde jedoch auch das Spannungsverhältnis zwischen dem Römischen Imperium und dem freien Germanien sichtbar.

28. Oktober 2000 - 28. Februar 2001

Wie alles begann...

Finderglück, aber auch Ausdauer und der scharfe Blick der ehrenamtlichen Beauftragten für archäologische Denkmalpflege, R. Wagner und W. Fricke, führten im Spätsommer 1990 zur Entdeckung eines der schönsten und reichsten archäologischen Grabfunde aus germanischer Zeit in Mitteldeutschland.

Im August riss der Bagger in der Nähe von Gommern bei Magdeburg tiefe Löcher zur Sandentnahme in eine Düne. Dort entdeckten die ehrenamtlichen Bodendenkmalpfleger große Gesteinsbrocken, dunkel verfärbten Boden und dann grünlich leuchende Metallreste. Es war Eile geboten - ein archäologischer Fund war im Begriff zerstört zu werden. Das Kulturhistorische Museum in Magdeburg und das Landesmuseum für Vorgeschichte in Halle (Saale) wurden informiert, und die Archäologen führten erste Untersuchungen durch. Die wissenschaftliche Ausgrabung des Fürstengrabes von Gommern fand vom 5. September bis zum 2. Oktober 1990 statt, wobei alle Beteiligten weder Zeit noch Mühen scheuten, diesen archäologischen Fund zu bergen. Erstmals konnte ein "Fürstengrab" der römischen Kaiserzeit im freien Germanien planmäßig und sorgfältig mit modernen archäologischen Methoden ausgegraben werden. Eine unter tonnenschwerer Gesteinslast zusammengestürzte hölzerne Grabkammer kam zum Vorschein. Sie enthielt etwa eintausend Einzelteile, die Stück für Stück fotografiert, gezeichnet, beschrieben und numeriert wurden. Die Bergung einiger Stücke wurde unter widrigen Umständen durchgeführt. Schweres Gerät mußte organisiert werden, um die Blockbergungen durchzuführen. Nicht alle Fundstücke waren zerbrochen, einige der Metallteile waren gut erhalten. Wertvolle Gegenstände kamen zum Vorschein: ein schwerer Halsring, ein Fingerring und zwei Fibeln (= Gewandschließen) aus purem Gold.

Noch am 2. Oktober 1990 waren die Archäologen (Dr. M. Becker und Dr. T. Weber), die Restauratoren (Herr Bagge, Herr Breuer, Herr Fricke und Herr Naumann) und die Kollegen vom Museum in Magdeburg (Herr Böttcher und Herr Gosch) sowie weitere Helfer damit beschäftigt, den "Fürsten" von Gommern und seine Schätze zu retten. Die Bergung dauerte vier Wochen, die Restaurierung und die wissenschaftliche Bearbeitung für die Präsentation in der Ausstellung nahm fast genau 10 Jahre in Anspruch - 10 Jahre, in denen sehr, sehr viel geschehen ist....

Das Grab war ca. 3 m in die Düne eingetieft; es war SW-NO ausgerichtet. Anzeichen für eine Überhügelung konnten nicht beobachtet werden. Der Tote, ein etwa 30jähriger Mann, war in einer rechteckigen Holzkammer von ca. 2m x 3 m Größe bestattet worden. Die Grabkammer war von einer ca. 4 m   x 4 m großen und über 2 m mächtigen Steinpackung bedeckt gewesen.

Der Tote lag in gestreckter Haltung auf einer hölzernen Liege; die Beigaben römischer und germanischer Provenienz waren unter der Liege, auf oder neben ihr plaziert. Zu den herausragenden Funden gehörte zweifelsohne der Prunkschild, der am Kopfende der Grabkammer abgestellt worden war. Er besaß einen silbernen, mit Glaseinlagen und vergoldeten Preßblechen verzierten Schildbuckel, offensichtlich aus einem gravierten römischen Silbergefäß hergestellt. Der hölzerne Schild war mit Leder bespannt sowie mit blauer, roter und weißer Farbe bemalt.

Am Fußende lag - zusammengerollt und in einem Kasten verpackt - ein breiter, durchbrochener, mit Blattgold verzierter Ledergürtel mit Preßblechapplikationen sowie silbernen Riemenenden und Schnallen.

Zu den Beigaben gehörten ferner zwei goldene Fibeln (Gewandschließen), ein goldener Hals- und ein Fingerring, ein Aureus (Goldmünze) des römischen Kaisers Trajan sowie fünf römische Denare; daneben zahlreiche Gegenstände, darunter Gefäße, aus Silber, Bronze, Glas und Holz, u.a. silberne Pfeilspitzen und ein Sporenpaar. Im Bereich des Fußendes wurden ein bronzener Dreifuß und die Reste eines Spielbrettes mit den dazugehörigen Spielsteinen freigelegt.

Mit dieser Beigabenausstattung zählt das Grab von Gommern zu den reichsten Männergräbern, die bislang in freien germanischen Gebieten Mitteleuropas untersucht werden konnten. Der Tote von Gommern gehörte wohl zur oberen Schicht der germanischen Gesellschaft um 300 n. Chr., aus der sich im Bedarfsfalle führende Personen rekrutierten, in der aber auch latent das Streben nach dauerhafter Konsolidierung errungener Machtstrukturen bestand.

Die umfangreichen Bergungs-, Konservierungs- und Restaurierungsarbeiten wurden im Jahre 1999 abgeschlossen. Über 1000 Einzelteile mussten in mühevoller Kleinarbeit von Archäologen, Restauratoren und Naturwissenschaftlern untersucht werden. Die Funde wurden gemeinsam mit anderen herausragenden Exponaten aus 14 Museen in der Ausstellung "Gold für die Ewigkeit - Das germanische Fürstengrab von Gommern" des Landesmuseums für Vorgeschichte Halle (Saale) vom 18.10.2000 - 28.02.2001 präsentiert. Es entsteht in dieser Ausstellung ein facettenreiches Bild vom Leben im freien Germanien; zugleich wird jedoch auch das Spannungsverhältnis zwischen dem Römischen Imperium und dem freien Germanien sichtbar. In jener Zeit standen nicht nur germanische Adlige in römischen Diensten und kehrten oftmals mit reichen Geschenken nach Germanien zurück, sondern es kam auch immer häufiger zu Überfällen der Germanen auf den Limes, der die provinzialrömischen Gebiete vor Übergriffen schützen sollte, und zu Plünderungen in den linksrheinischen Provinzen des Römischen Reiches.