Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt
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Allgemeines : 25.06.2020

Die Kirche in Sylbitz

Ein Beitrag zum Tag der Architektur am 27. und 28. Juni 2020 von Dr. Dirk Höhne, Referent für Bauforschung in der Abteilung Bau- und Kunstdenkmalpflege des LDA Sachsen-Anhalt

Die Kirche von Sylbitz in einer Ansicht von Süden. © Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt, Gunar Preuß.

Sicher darf man eine Architektur als ›nachhaltig‹ bezeichnen, wenn sie über einen Zeitraum von mehr als 800 Jahren den geistlichen und sozialen Mittelpunkt einer Ortschaft bildet. So verhält es sich beispielsweise mit den zahlreichen Dorfkirchen des Bundeslandes Sachsen-Anhalt, die seit ihrer Errichtung – teilweise schon im 12. Jahrhundert im Zuge des mittelalterlichen Landesausbaues – zentraler Anlaufpunkt für die Einwohner des Dorfes und die der eingepfarrten Gemeinden waren. Die ländliche Bevölkerung war tief mit ›ihrer‹ Pfarrkirche verwurzelt. Die vielen ländlichen Sakralbauten prägen somit das Landschaftsbild einer Region nicht nur in ganz entscheidender Weise bis heute, sondern sie sind gleichzeitig auch identitätsstiftend.

Im Gegensatz zu den hochrangigen Dom-, Stifts- und Klosterkirchen, die seit Beginn der Kunstgeschichtsforschung im Fokus der Betrachtung standen, wurden die kleinen, oftmals schlichten Dorfkirchen nur am Rande gestreift beziehungsweise gar nicht behandelt. Erst in den letzten drei Jahrzehnten ist ein deutlicher Aufschwung in der Forschung zu verzeichnen. Der Erkenntnisgewinn, der aus der wissenschaftlichen Auseinandersetzung gerade mit den unscheinbaren ländlichen Sakralgebäuden resultiert, ist enorm hoch und schärft zudem den Blick für die Bauwerke der ›Hochkunst‹. Ferner ist Architektur immer auch ein Ausdruck der Lebenswelt und -umwelt ihrer Erbauer und Nutzer – und das mittelalterliche Leben fand zu großen Teilen auf dem Land statt.

In Sylbitz, einem Ortsteil der Gemeinde Petersberg im Saalekreis, steht ein bemerkenswertes Gotteshaus, das seit seiner Errichtung in der Zeit um 1200 baulich kaum verändert worden ist. Der aus Schiff, Chorturm und halbrund schließender Apsis bestehende Sakralbau weist qualitätsvollen und zum Teil reich ornamentierten Bauschmuck auf. In Verbindung mit der fast vollständig erhaltenen Ausstattung in Form von Taufstein und Altar, Wandmalerei(-resten), einer Eichenlade sowie der zur Erbauungszeit um 1200 gegossenen Glocke besticht das Gebäude durch diese selten so vorhandene Geschlossenheit. In Sylbitz ist die ursprüngliche Atmosphäre einer ländlichen Pfarrkirche des Mittelalters wie in kaum einer anderen der Region erleb- und nachvollziehbar.

Die Kirche, die seit den 1980er Jahren nicht mehr gottesdienstlich genutzt worden ist, stand zur Jahrtausendwende vor dem Verfall. Dank der Initiative eines 2001 gegründeten Fördervereins konnte nicht nur der drohende Niedergang gestoppt, sondern das romanische Kleinod auch intensiv erforscht und sukzessive denkmalgerecht saniert werden. Mit der Wiederbelebung dieser ›Ressource‹ und der erneuten geistlichen (und kulturellen) Nutzung konnte die Dorfkirche von Sylbitz wieder in das Bewusstsein der Bevölkerung gebracht und somit auch wieder ihrer eigentlichen Bestimmung zugeführt werden: Mittelpunkt des dörflichen Gemeindelebens zu sein.