Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt
Landesmuseum für Vorgeschichte
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Februar: Schloss und Schlosspark Ostrau

Abb. 1: Schloss und Schlosspark Ostrau © Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt, Foto: Gunar Preuß.

Die Schlossanlage Ostrau befindet sich am Fuße des Petersberges unweit der alten Salzstadt Halle. Hervorgegangen aus einer wendischen Niederlassung (Ostrowe=Insel) findet Ostrowe 1237 als Besitz der Markgrafen von Meißen seine erste Erwähnung. 1586 wird der aus dem Harbker Familienzweig stammende Achatz von Veltheim durch Kurfürst August von Sachsen mit Ostrau belehnt. Zwischen 1585 und 1588 entstand ein regelmäßiges Kastell mit Wirtschaftshof, umgeben von einem breiten Wassergraben. 1644 zerstörten schwedische Truppen Ostrau, es blieb nur das Kastell erhalten. Das heutige Schloss ließ Otto Ludwig von Veltheim (1672–1714) in den Jahren 1713 bis 1718 durch den Baumeister Johann Martin Anhalt neu errichten. Grundlage für den prächtigen Barockbau war ein 1708 signierter Plan von Remy de la Fosse, dem Hofarchitekten des Hannoveraner Fürsten. Der Entwurf sah vor, eine zur Gartenseite offene Dreiflügelanlage zu errichten. Ein Vorhaben, das ebenso wie der dazugehörige Garten durch den Tod des Bauherren unvollendet blieb.

1780 wurde im Ostrauer Park ein Ginkgo gepflanzt, ein erstes Zeichen für die beginnende landschaftliche Umgestaltung des alten Parks. Franz Wilhelm Werner von Veltheim (1785–1839) trug wesentlich zu seiner weiteren Entwicklung bei. Das Ostrauer Gutsarchiv enthält mehrere Schriftstücke, aus denen hervorgeht, dass Werner von Veltheim regelmäßig »Gartenbegehungen« durchführte. Wie bereits einhundert Jahre zuvor seine Vorfahren mit der berühmten Baumzucht in Harbke widmete er sich dem Austausch und Sammeln von Gehölzen weltweit, um sie dann in der Ostrauer Baumschule für ihre Pflanzung im Park vorzubereiten. Aus der Zeit um 1900 sind keine den Park betreffenden Nachrichten überliefert. Um 1919 wurde die Orangerie auf der Schlossinsel abgebrochen. 1927 stirbt Franz Heinrich von Veltheim. Sein Sohn Hans Hasso (1885–1956) wird nach einem Rechtsstreit mit der Stiefmutter Emmy von Veltheim und dem Stiefbruder Georg von Veltheim freier Besitzer der Fideikommisse Ostrau und Groß-Weißand. Die Patronatsloge der Ostrauer Schlosskirche ließ er zu einer anthroposophisch inspirierten Grabkapelle umbauen. Gleichzeitig widmete sich Hans Hasso von Veltheim der Wiederherstellung der weitläufigen Parkanlage. Schloss Ostrau entwickelte sich unter dem Indologen, Anthroposophen und Weltreisenden zu einer Stätte west-östlicher Begegnungen. Hans Hasso von Veltheim ließ im Park verschiedene Gedenksteine aufstellen, die teilweise anthroposophische Bezüge enthielten. Durch ihn wurde auch der noch heute erhaltene Sonnenpavillon auf der Schlossinsel errichtet. In den 1930er Jahren wird der Park als märchenhaft schön beschrieben, dessen hochgewachsene seltene Bäume weite Rasenflächen überschatten. Ab 1935 war die provinzialsächsische Denkmalpflege in Person Hermann Giesaus eng in die Gestaltung von Schloss und Park Ostrau einbezogen.

Abb. 2: Schloss und Schlosspark Ostrau © Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt, Foto: Gunar Preuß.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde Hans Hasso von Veltheim enteignet und verließ Ostrau. Neben Schloss und Inventar wurde ausdrücklich der Park durch den Provinzialkonservator Wolf Schubert unter Schutz gestellt und somit vor der Zerstörung und drohenden Separierung bewahrt. Schloss und Park wurden zum kommunalen Eigentum erklärt, der Park begann zu verwildern. 1976 zerstörte ein Brand den Südwestflügel des Wirtschaftshofes.

Die ehemals langgestreckten Sichtbeziehungen waren im dichten Gehölzaufwuchs kaum noch wahrnehmbar. Umfangreiche Maßnahmen zur denkmalgerechten Wiederherstellung des Ensembles sind weiterhin erforderlich. Auf Initiative der Gemeinde erfolgte 1999 eine Sanierung der Teiche und des Schlossgrabens. Eine besondere Besucherattraktion ist die alljährliche Blüte der unzähligen Winterlinge im Schlosspark.


Text: Heike Tenzer
Fotos: Gunar Preuß
Redaktion: Sabine Meinel, Uwe Steinecke
Internetredaktion: Nadja Allerheiligen