Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt
Landesmuseum für Vorgeschichte

Juni: Sangerhausen, Europa-Rosarium

Abb. 1: Sangerhausen, Europa-Rosarium © Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt, Foto: Gunar Preuß.

Das Rosarium Sangerhausen beherbergt eine der größten und ältesten Rosensammlungen Europas. Seine Entstehung verdankt es dem Engagement und Verschönerungswillen der Einwohner dieser Stadt. Unter Mitwirkung des Kaufmanns Albert Hoffmann aus Sangerhausen entstand 1896 der erste städtische Verschönerungsverein. Der Rosenliebhaber Hoffmann bot 1887 dem Verein Deutscher Rosenfreunde einen halben Morgen eigenes Land für die Errichtung eines Rosariums in Sangerhausen an. Diese Fläche vergrößerte sich, als es ihm gelang, die Stadträte zu überzeugen, das verwilderte Areal des Stadtparks zusätzlich zur Verfügung zu stellen. Der Verein der Deutschen Rosenfreunde nahm das Angebot aus Sangerhausen dankbar an und beschloss auf seinem Kongress 1898 die Errichtung eines Vereinsrosariums in Sangerhausen.
1899 entwarf der Gartenarchitekt Friedrich E. Doerr einen ersten Plan für den an den drei Teichen im Stadtpark gelegenen ältesten und geometrischen Teil des Rosariums. 1901 wurde das Gelände dem Verschönerungsverein vorerst für 25 Jahre überlassen. Schon bald stellte man fest, dass die Flächen für die ständig wachsende Rosensammlung nicht ausreichten. Peter Lambert aus Trier entwarf daher 1902 eine landschaftliche Parkerweiterung, mit deren Umsetzung bald darauf begonnen wurde. 1903 fand die festliche Eröffnung des Rosariums anlässlich des Kongresses deutscher Rosenfreunde statt. Auf einer Fläche von 6 Morgen wuchsen bereits 2.000 verschiedene Rosen. In den nachfolgenden Jahren kamen zu der vorhandenen Sammlung alter Rosensorten Wildrosen und Neuzüchtungen hinzu.

Einer Anregung von Professor Ewald Gnau folgend, wurden ab 1910 Plastiken und Skulpturen im Rosarium aufgestellt. Zu den bekanntesten zählen das Heideröslein, die Wasserschöpferin und die Büste der Kaiserin Auguste Viktoria. Auguste Viktoria war Schirmherrin des Vereins deutscher Rosenfreunde und engagierte Förderin der Rosenkultur. Großzügige Stiftungen ermöglichten eine weitere Vergrößerung des Rosariums. Die hinzugekommene Fläche wurde 1914 mit seltenen Gehölzen und Sträuchern bepflanzt. Während des Ersten Weltkrieges wurde auf den freien Flächen Gemüse angebaut. Die Fertigstellung der Wege erfolgte erst 1927. Zuvor erfolgte die Aufschüttung eines künstlichen Berges, des sogenannten Alpinums, auf dem 1919 ein Kieselblock aufgestellt wurde. Die Weltwirtschaftskrise überstand das Rosarium vor allem durch das organisatorische Talent und den hohen persönlichen Einsatz von Prof. Gnau. Nach seiner Pensionierung hatte er 1922 ehrenamtlich die Leitung des Rosariums übernommen. Seinem Einfluss ist es zu verdanken, dass sich 1933 im Rosarium ein Rosenforschungsinstitut etablierte. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde 1947 das gesamte Sortiment für die in Moskau und Kiew geplanten Rosengärten veredelt, durch einige Originalpflanzen ergänzt und auf die Reise geschickt. Die umfangreiche Bibliothek des Rosariums wurde als Reparationsleistung in die UdSSR gebracht.

Abb. 2: Sangerhausen, Europa-Rosarium © Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt, Foto: Gunar Preuß.

Die Verwaltung des Rosariums erfolgte über die Stadt Sangerhausen. 1950 übernahm Paul Täckelburg die Leitung des Sortiments. Von 1952 bis 1955 gehörte das Rosarium zum Sortenamt der DDR, ab 1955 stand es wieder unter städtischer Verwaltung. Im Rahmen des landesweiten Kulturparkprogramms der DDR entstand in den 1960er Jahren eine Freilichtbühne, ein Café und verschiedene Nebengebäude. Auf der Grundlage eines Ideenwettbewerbs wurde auf einem Erweiterungsgelände ein Schaugarten angelegt. Weitere Veränderungen der ursprünglichen Gestaltung erfolgten in den 1970er und 1980er Jahren mit der Verfüllung des Pfennigteiches, der Neugestaltung des Eingangsbereiches sowie der grundlegenden Veränderung des ältesten Teils des Rosariums. Das heutige Rosarium präsentiert sich in einem gelungenen Zusammenspiel denkmalpflegerisch wiederhergestellter und zeitgemäß gestalteter Erweiterungsbereiche.

Text: Heike Tenzer
Fotos: Gunar Preuß
Redaktion: Sabine Meinel, Uwe Steinecke
Internetredaktion: Nadja Allerheilige