Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt
Landesmuseum für Vorgeschichte
Deutsch | English

November: Naumburg, Domgarten

Abb. 1: Naumburg, Domgarten © Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt, Foto: Gunar Preuß.

Den weitläufigen Bereich um den Dom mit seinen Klausurbauten und der Marienkirche säumen die Kurien des Bischofs bzw. der Domherren. Ursprünglich aus dem 13. Jahrhundert stammend, wurden viele von ihnen durch den Stadtbrand 1532 zerstört und in den nachfolgenden Jahren wieder aufgebaut. Hinter den Kurien befinden sich große Gärten. Sie dienten bereits im Mittelalter anteilig der Selbstversorgung ihrer jeweiligen Besitzer, boten sie doch ausreichend Platz für den Anbau von Gemüse und Obst. Damit waren sie eine willkommene Ergänzung zu den vor den Stadttoren gelegenen Ertragsflächen. Spätestens im 18. Jahrhundert änderten sich die Funktion und damit auch die Ausstattung der Gärten. Repräsentative Kleinarchitekturen, so die zu den Häusern Domplatz 1 und 6 gehörenden barocken Gartenpavillons und die Orangerie im Garten des Domplatz 3, dokumentieren einen Wandel im Gartenverständnis.
Archivalisch überliefert ist, dass Mitte des 19. Jahrhunderts die Gärten dem Zeitgeschmack entsprechend landschaftlich überformt wurden. Ein deutlicher Ausdruck dafür waren veränderte, nun geschwungene Wegeführungen. Vereinzelt wurden exotische Laubgehölze und Blütensträucher gepflanzt. Die Gartengestaltung folgte dabei den künstlerischen Intentionen des jeweiligen Mieters oder Besitzers der dazugehörigen Domkurie.

Abb. 2: Naumburg, Domgarten © Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt, Foto: Gunar Preuß.

Der heute als Domgarten bezeichnete und an den Westchor des Doms angrenzende Gartenbereich umschließt ein Areal mit den Gebäuden der Kurie »Levini« Domplatz 14, den unterirdischen Resten der abgebrochenen Kurie retro novum chorum und den baulichen Zeugnissen der Immunitätsmauern der Naumburger Domfreiheit. Die dazugehörigen Nutzgärten, einschließlich Obstgärten und Fischhaltern, dehnten sich im Laufe der Jahrhunderte bis in die Niederung der Mausa aus. 1775 wird erstmals eine formale Gartenanlage mit Tuffsteingrotte im Küchengarten »Levini« erwähnt. In der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts begann man die früheren Nutz- und Obstgärten durch landschaftlich gestaltete Parkpartien zu ersetzen. Der heutige Begriff des Domgartens kam erst um 1900 auf. Damit wurde zunächst nur der neu gestaltete Garten auf dem Areal der früheren, am Westchor befindlichen Kurie retro novum chorum bezeichnet. Im neuen Domgarten wurden neben der querenden Wegeachse mit repräsentativer Eingangssituation und neuer Einfriedung im Süden zwei Teiche, gewundene Wege und Bepflanzungen angelegt. In den 1930er Jahren wurden die geschwungenen Ränder der Domgartenteiche begradigt, um sie als Löschwasserreservoir nutzen zu können. Nach 1945 wurde die Nord-Süd-Verbindung durch den Garten verschlossen. Der Domgarten verlor zunehmend an Bedeutung. Verstärkt wurde diese Entwicklung durch mangelnde Pflege, Gehölzaufwuchs und Zergliederung durch weitere Kleingärten.
Diese Situation änderte sich, als im Zusammenhang mit den Bemühungen um die Aufnahme des Naumburger Doms in das UNESCO-Welterbe und in Verbindung mit der Landesausstellung 2011 zum Naumburger Meister der Domgarten auf der Grundlage einer gartendenkmalpflegerischen Rahmenkonzeption grundlegend instand gesetzt wurde.

Text: Heike Tenzer
Fotos: Gunar Preuß
Redaktion: Sabine Meinel, Uwe Steinecke
Internetredaktion: Nadja Allerheiligen