Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt
Landesmuseum für Vorgeschichte

Mai: Das Bankgebäude der ehemaligen Stadtsparkasse Sangerhausen

Abb. 1: Das Bankgebäude der ehemaligen Stadtsparkasse Sangerhausen, Göpenstraße 35, Portal © Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt, Foto: Gunar Preuß.

Das Gebäude der ehemaligen Stadtsparkasse Sangerhausen befindet sich in der städtebaulich sehr vielfältig strukturierten Göpenstraße, einem in Nord-Süd-Richtung von der Gonna bergwärts zur Kylischen Straße ziehenden Straßenzug. Es handelte sich historisch um die Hauptstraße des sogenannten Göpenviertels. Die Straße mit ihren teilweise üppigen Fassadengestaltungen bildet eine prächtige Sichtachse auf das Rathaus (Blickrichtung Süd) bzw. auf die Spitzkegelhalde "Hohe Linde" (Blickrichtung Nord). Die überwiegend traufständige Bebauung reicht bis in das 16. Jahrhundert zurück, stammt aber vorwiegend aus der Gründerzeit. Architektonisch besonders bemerkenswert ist das Gebäude der ehemaligen städtischen Sparkasse im expressionistischen Formenduktus. Es ist ein hervorragendes Beispiel für die Zeit des Neuen Bauens, aus der in Sangerhausen noch ein weiteres Bankgebäude, das Stadtbad, die ehemalige Stadtbibliothek und diverse Wohnbauten stammen. Der 1930 im Auftrag der Sparkassenverwaltung geplante und 1931 ausgeführte Bau befindet sich in städtebaulich markanter Ecklage von Göpenstraße und Neuehäuser Straße. Die wohlgegliederte, auf Kuben aufbauende Architektur bildet einen reizvollen Kontrast zur Historismus-Architektur des benachbarten Wohn- und Geschäftshauses Göpenstraße 37. Die durch die Aufweitung der Straßen an dieser Kreuzung bedingte Zurücksetzung gegenüber der alten Bauflucht wurde gekonnt mit der Gliederung des gesamten Baukörpers verbunden.

In der Fassadengestaltung des Gebäudes dominiert im gesamten Erdgeschoss die plastisch gestaltetete Eisenklinker-Verblendung. Die drei Eingangsbereiche sind wirkungsvoll mit figürlichen Darstellungen versehen. Das Erdgeschoss steht in lebhaftem Kontrast zu den Putzflächen der beiden oberen Stockwerke. Ornamentklinker umrahmen ebenfalls die Fenster der beiden oberen Geschosse. Den Gebäudeabschluss bildet ein Flachdach, das in Teilbereichen wiederum von einer Traufkante aus Eisenklinkern abgeschlossen wird. Über dem Eingang zum Schalterraum lehnt die Plastik des griechischen Gottes Hermes. Der Götterbote und Gott der Händler ist als schlichte, schlanke Gestalt wiedergegeben. Seine Attribute sind der Hermesstab, ein geflügelter Helm, Flügelschuhe und häufig ein Geldbeutel, den er in der rechten Hand hält. Im Inneren des Gebäudes, das heißt in den Treppenhäusern, Fluren und Büroräumen, ist noch eine große Zahl an Einbauten und Ausstattungen aus der Bauzeit vorhanden. Neben den Büroräumen der städtischen Sparkasse befanden sich im Gebäude vier Wohnungen. Im Erdgeschoss sollten ursprünglich zwei Ladengeschäfte eingeordnet werden, durch Beschluss der Stadtverordnetenversammlung wurde das Projekt im Hinblick auf die schlechte Wirtschaftslage jedoch geändert. Es erfolgte auch der Einbau eines Nachttresors, eine Neuerung für die Stadt Sangerhausen. Am Bau des Gebäudes waren überwiegend einheimische Firmen beteiligt.

Bis etwa 1955 waren im Gebäude Göpenstraße 35 noch zwei Wohnungen sowie das "Amt für Arbeit und Sozialfürsorge" untergebracht. Danach hatte hier bis 1990 die Bauernbank ihr Domizil. Die Wohnungen wurden später aufgegeben. Nach 1990 erwarb die Volksbank das Haus.

Abb. 2: Das Bankgebäude der ehemaligen Stadtsparkasse Sangerhausen, Göpenstraße 35 © Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt, Foto: Gunar Preuß.

Text: H. Loth/A. Tietz
Foto: Gunar Preuß
Redaktion: Sabine Meinel, Uwe Steinecke
Internetredaktion: Nadja Allerheiligen