Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt
Landesmuseum für Vorgeschichte
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Oktober: Die Hermann-Beims-Siedlung in Magdeburg

Abb. 1: Die Hermann-Beims-Siedlung in Magdeburg, OT Stadtfeld-West © Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt, Foto: Gunar Preuß.

Die Hermann-Beims-Siedlung ist neben den Siedlungen Reform und Curie die bedeutendste der Magdeburger Großsiedlungen aus der Zeit der Weimarer Republik. Sie wurde zwischen 1924 und 1932 im Auftrag des »Vereins für Kleinwohnungswesen« und der »Magdeburger Gemeinnützigen Heimstätten A.G.« auf der Grundlage des von Bruno Taut ausgearbeiteten Generalsiedlungsplans errichtet. Die Planung oblag dem Stadterweiterungsamt unter der Leitung von Stadtbaurat Johannes Göderitz unter Mitarbeit der Architekten Konrad Rühl, Gerhard Gauger, Willy Zabel und Adolf Otto.

Die Wohnanlage stellt die erste und ausgedehnteste Siedlung der 1920er Jahre in Magdeburg dar und wird seit 1931 nach dem Magdeburger Oberbürgermeister Hermann Beims (1919–1931) benannt. Sie ist architekturgeschichtlich auch überregional sehr bedeutsam als eines der eindrucksvollsten Beispiele modernen Großsiedlungsbaus in der Zeit der Neuen Sachlichkeit. Von ursprünglich 5.000 geplanten Wohneinheiten wurden nur ca. 2.000 realisiert.

Abb. 2: Die Hermann-Beims-Siedlung in Magdeburg, OT Stadtfeld-West © Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt, Foto: Gunar Preuß.

Das Siedlungsareal ist blockrandartig von geschlossener dreigeschossiger Bebauung mit traditionellen Satteldächern entlang von Großer Diesdorfer, Encke-, Hohendodeleber und Seehäuser Straße umgeben. Ein orthogonales Rastersystem begrünter Straßen mit daran durchgängig in nordsüdlicher Richtung parallel ausgerichteten Wohnzeilen bestimmt die innere Struktur der Siedlung. Im Zentrum verläuft von Westen nach Osten eine breite Pappelallee als zentraler Grünstreifen. Dieser ist städtebaulich auf die Türme des Magdeburger Doms als point de vue bezogen. Die Raumbildung der Siedlung wird insgesamt von der ausgeprägten Monumentalität der klassisch modernen Bauform beherrscht. Rhythmisch versetzte, teils trichterförmig sich weitende und verengende Baumassenabfolge, auch schnurgerade durchlaufende Straßenzüge bei Vermeidung aller unregelmäßig-malerischen Raumbildungen charakterisieren ihre Struktur. Die Wohnhäuser sind als durchgängig dreigeschossige Flachdachzeilen mit Drempelgeschossen angelegt. Dabei werden die Lochfassaden durch Putz-, Farb- und Ziegelbänder in wirkungsvollster Betonung der räumlichen Tiefenerstreckung horizontal gegliedert. Die Oberflächen an allen Häusern sind mit einem ockerfarbenen bis gelben Rauputz verputzt, der durch ein hochvariables buntfarbiges Fassungssystem an Fenstern und Türen belebt wird. Als einprägsamer Haupteffekt der städtebaulichen Komposition entlang der Grünachse und in der parallel geführten Weferlinger Straße finden sich kantig ausgeprägte Kopfbauten mit Loggien in eindrucksvoller stadträumlicher Staffelung.

Die Hermann-Beims-Siedlung ist ein herausragendes Beispiel des sozialen Wohnungsbaus im Stil der Klassischen Moderne der 1920er Jahre in Magdeburg, der »Stadt des neuen Bauwillens«. In ihrer ganzheitlichen städtebaulichen Planung, geschlossenen architektonischen Formensprache und Vorbildwirkung für andere Großsiedlungen ist sie von nationaler kultureller Bedeutung.

 

Text: Andreas Huth
Foto: Gunar Preuß
Redaktion: Sabine Meinel, Uwe Steinecke
Internetredaktion: Nadja Allerheiligen