Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt
Landesmuseum für Vorgeschichte
Deutsch | English

September: Katholische Pfarr- und Franziskaner-Klosterkirche Zur Heiligen Dreifaltigkeit in Halle (Saale)

Abb. 1: Katholische Pfarr- und Franziskaner-Klosterkirche Zur Heiligen Dreifaltigkeit in Halle (Saale), Lauchstädter Straße 14b, Kloster und Betsaal © Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt, Foto: Gunar Preuß.

Die Kirche wurde 1929/30 nach einem Entwurf von Wilhelm Ulrich errichtet. Der Architekt löste brillant die spannende Bauaufgabe, sich an ein bereits vorhandenes Gebäude anzugliedern und trotzdem sein »hexagonales Architekturideal« zu verwirklichen. Der hexagonale Grundriss der Kirche zeigt jeweils drei abwechselnd lange und kurze Seiten. Er wirkt durch diesen Wechsel eher wie ein Dreieck mit abgeschrägten Ecken und verweist damit auf das Patrozinium. Das Geheimnis der Dreifaltigkeit wird von Ulrich auf vielfältige Art symbolisiert. So hat der Raum drei verschiedene Höhen (9, 13,5 und 17,5 Meter), die sich außen durch den dreifach gestuften Aufbau von Schiff, Lichtgaden und Glockengeschoss zeigen.
 
Der Innenraum ist inspiriert von dem altchristlichen Gedanken des Zentralbaus. Die Kirche wird durch zwölf schlanke deckenhohe Fenster seitlich belichtet und zusätzlich durch Fenster im überhöhten Mittelbau, die durch den dort eingezogenen zusätzlichen Umgang lediglich einen indirekten und damit gedämpften Lichteinfall bewirken. Ein wichtiges Gestaltungsmittel mit zugleich symbolischer Bedeutung waren die Farben Blau, Weiß und Rot im Innenraum. Erst durch sie und die hochtheatralische Lichtführung entsteht die beeindruckende Wirkung der klaren, prismatisch sich durchdringenden Raumkörper über dem Grundmuster von Dreiecken und gerundeten Konturen in der großen, indirekt erhellten Oberlichtöffnung und die besondere Magie des Altarraumes. Die strahlenförmige Anordnung des Gestühls wurde bewusst gewählt, sodass die Blicke der Gläubigen von allen Plätzen auf den Altar gerichtet sind. Ulrich versprach sich davon ein intensiveres Gefühl der Verbundenheit in der Gemeinschaft. Den Altarbereich selbst bildet eine eigene Raumwabe, in der sechs vergoldete Säulen einen hexagonalen Baldachin tragen. Die Kirche in ihrer Archaik und Expressivität ist eines der Hauptwerke der klassischen Moderne im mitteldeutschen Raum.

Verbunden ist die Kirche mit dem Kloster und dem Betsaal, die bereits 1923/24 nach einem barockisierenden Entwurf des Leipziger Architekten Clemens Lohmer entstanden. Der Saal erhielt ein sog. Zollingerdach, für das die markant gewölbte Außenform des Daches charakteristisch ist. Diese materialsparende Konstruktion hatte der Merseburger Stadtbaurat Friedrich Zollinger nur wenig früher entwickelt.

Abb. 2: Katholische Pfarr- und Franziskaner-Klosterkirche Zur Heiligen Dreifaltigkeit in Halle (Saale), Lauchstädter Straße 14b, Kloster und Betsaal © Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt, Foto: Gunar Preuß.

Text: Sabine Meinel
Foto: Gunar Preuß
Redaktion: Sabine Meinel, Uwe Steinecke
Internetredaktion: Nadja Allerheiligen