Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt
Landesmuseum für Vorgeschichte

Januar: Landschaftspark Degenershausen

Abb. 1: Landschaftspark Degenershausen © Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt, Foto: Gunar Preuß.

Idyllisch gelegen in den Harzwäldern, abseits von den bekannten kulturhistorischen Sehenswürdigkeiten befindet sich der kleine Ort Degenershausen. Seine noch recht junge Geschichte reicht bis 1834 zurück, als der braunschweigische Amtsrat Johann Christian Degener vom preußischen Fiskus hier Land erwarb. Das bald errichtete Anwesen – ein Wohnhaus nebst Wirtschaftsgebäuden und Garten – war als Hochzeitsgeschenk für seine Tochter Amalie und deren Gatten Hans Constantin von Bodenhausen gedacht. Die 1841 Degenershausen benannte Ansiedlung durfte als unverkäuflicher und unteilbarer Fideikommiss jedoch nur an die männlichen Nachkommen der Familie vererbt werden. Außerdem musste im Adelsnamen der Tochter ihr Geburtsname mitgeführt werden und im Park war, in Erinnerung an den Amtsrat, ein Monument zu errichten.

1859 wurde für Amtsrat Degener (wie im Testament festgelegt) ein gusseiserner, aus der Herzoglich-Bernburgischen Eisenhütte in Mägdesprung stammender Obelisk im Park errichtet. 1872 erhielt das Rittergut den Status eines selbstständigen Gutsbezirks.

Die Familie von Bodenhausen-Degener hielt sich bis zum Ersten Weltkrieg nur sporadisch während der Sommermonate in Degenershausen auf, auch wenn insbesondere Hans Eberhard von Bodenhausen-Degener (1868–1918) die weitere Entwicklung vorantrieb. In Degenershausen ließ er 1914 das Gutshaus umbauen sowie ein Forsthaus und ein Arbeiterhaus errichten. Dem Garten wandte er seine besondere Aufmerksamkeit zu und erweiterte ihn vorerst um eine botanische Sammlung mit Gewächshaus. Schrittweise gestaltete er den ganzen Garten zu einem Landschaftspark um. Beeindruckend sind der Umfang und die dendrologische Vielfalt der Pflanzenbestellungen für den Park. 1918 wurde Hans Eberhard von Bodenhausen-Degener im Park beigesetzt. Eine weitere Phase der Parkgestaltung begann um 1924, angeregt durch Hans Wilke von Bodenhausen-Degener (1901–1937). Die schwierigen wirtschaftlichen Verhältnisse zwangen die Familie Teile ihrer Ländereien zu Beginn der 1930er Jahre zu veräußern.

1937 wurde Baron Hans Wilke von Bodenhausen-Degener während einer Reise nach Mombasa/Kenia erschossen. Mit dem Tod des letzten männlichen Nachkommen ging Degenershausen für die nächsten zehn Jahre in den Besitz der Linie Krafft von Bodenhausen (Burgkemnitz bei Bitterfeld) über.

Durch die Bodenreform 1947 wurde der Familienbesitz enteignet und in Volkseigentum umgewandelt. Die botanische Sammlung nutzte man als Gartenland. Nach 1947 wurde das Herrenhaus mehrfach umgenutzt: zunächst als Zufluchtsort für Umsiedler sowie Kur- und Kinderheim, 1953 bis 1973 als Schule. Bereits 1972 wechselte Degenershausen den Besitzer: neuer Eigentümer war die Bezirksleitung der SED. Ohne Nutzung verschlechterte sich der Zustand von Herrenhaus und Park zunehmend. Im Auftrag des Rates des Kreises Hettstedt wurde in den Jahren 1986/87, ungeachtet der Proteste von Denkmalpflege und Gemeinde, das Herrenhaus abgebrochen. Damit verlor der Park (neben dem einige Zeit zuvor abgebrochenen reparaturbedürftigen Obelisken) den zweiten baulichen Bezugspunkt. 1986 wurden die Grabstätten von Eberhard und Hans Wilke von Bodenhausen mutwillig zerstört. Im Frühjahr 1989 erwarb die Gemeinde Wieserode den Park Degenershausen zurück. Im Park begannen umfangreiche Sanierungsmaßnahmen unter Leitung des Landschaftsarchitekten Kurt Lein. Der Obelisk wurde 1993 aus V2-Stahl wiedererrichtet und die Grabstätte der Familie von Bodenhausen-Degener wiederhergestellt. 1995 wurde der Park Degenershausen neu eröffnet und empfängt seitdem jährlich Tausende Besucher.

Abb. 2: Landschaftspark Degenershausen © Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt, Foto: Gunar Preuß.

Text: Heike Tenzer
Fotos: Gunar Preuß
Redaktion: Sabine Meinel, Uwe Steinecke
Internetredaktion: Imke Westhausen