Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt
Landesmuseum für Vorgeschichte

Juli: Kloster Drübeck

Abb. 1: Kloster Drübeck © Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt, Foto: Gunar Preuß.

Das ehemalige Benediktinerinnenkloster Drübeck befindet sich unterhalb der Ausläufer des Brockenmassivs, am Nordrand des Harzes. Idyllisch verschmelzen die Silhouette des Dorfes und des Klosters miteinander. Obwohl die historische Klosteranlage über die Jahrhunderte nicht vollständig erhalten blieb, zeigen die innerhalb der Umfassungsmauern gelegenen Bereiche ihre Bedeutung und Funktion für das klösterliche Leben. Drei Bäche, eine Quelle, Obstwiesen und die angrenzenden Felder prägen die Garten- und Hofanlagen bis in die Gegenwart.

In einer Schenkungsurkunde von König Otto I. findet das Kloster Drübeck 960 erstmals Erwähnung. Das Kernstück bildet die romanische, St. Vitus geweihte Klosterkirche. Eine historische Besonderheit ist, dass es als adliges Frauenkloster unter königlichem Schutz entstand. Seit dem 13. Jahrhundert fanden auch Frauen bürgerlicher Herkunft darin Aufnahme.
Während der Bauernkriege wurde das Kloster teilweise zerstört, es folgten Jahrzehnte der Vernachlässigung. Nach der Reformation wurde es als evangelisches Kanonissinnenstift mit adlig-bürgerlicher Belegschaft fortgeführt.
Erste Nachrichten zu seinen Gärten finden sich mit der Übernahme durch die Grafen von Stolberg-Wernigerode um 1687. Ende des 17. Jahrhunderts entstand am Westwerk der Kirche ein barockes Herrenhaus, auch als Lustschloss bezeichnet. Graf Christian Ernst von Stolberg-Wernigerode ließ die ehemalige Klosteranlage in der Zeit von 1720 bis 1730 großräumig umbauen. Aus dieser Zeit stammen u. a. das Äbtissinnenhaus, die Mühle und das Brauhaus.
Durch gliedernde Mauern wurde das »eigentliche Kloster« mit seinen Gärten, einem Hof, einer Bleichwiese und »laufendem Wasser« vom Gut abgetrennt. Der damalige Gärtner pflanzte 1730 aus sieben Stämmen die den Hof vor dem Äbtissinnenhaus noch heute dominierende Linde.
Es entstanden die Gärten der Stiftsdamen mit den dazugehörigen Gebetshäuschen und der Garten der Äbtissin. Vorrangig dienten sie als Orte der geistigen Besinnung. In Übereinstimmung damit konnten einfache Gartenarbeiten, das Pflanzen von Gemüse und Blumen, ausgeführt werden. Der größte Garten, der Äbtissinnengarten, befand sich hinter den Scheunen. Er umfasste einen Blumen- und Kräutergarten sowie einen Obstgarten, auch als »Baumgarten« bezeichnet. Für ihn war ein Gärtner zuständig. Um 1900 wurde der nördliche Teil des ehemaligen Baumgartens durch einen regelmäßig gestalteten Rosengarten mit Brunnen und Buchseinfassung ersetzt.

Abb. 2: Kloster Drübeck © Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt, Foto: Gunar Preuß.

1946 wurde das Kloster auf Bitte der letzten Äbtissin Magdalena durch das diakonische Amt der Kirchenprovinz Sachsen übernommen. Damit endete das Patronatsrecht der Grafen zu Stolberg-Wernigerode. Es wurden Erholungskuren für berufstätige Frauen und Mütter angeboten. Das Erholungsheim blieb bis 1991 erhalten.
In den 1950er Jahren begann eine umfangreiche Kirchenrekonstruktion, deren Ziel ein Sichtbarmachen des romanischen Ursprungs war. Die im 18. Jahrhundert begonnene gartenkünstlerische Gestaltung der Freiflächen geriet immer mehr in Vergessenheit.
1990 wurde das kirchliche Erholungsheim geschlossen. Die ehemalige Klosteranlage entwickelte sich in den vergangenen Jahren zu einem Zentrum der evangelischen Kirche. Heute befinden sich in Drübeck das Pädagogisch-Theologische Institut (PTI), das Pastoralkolleg und das Haus der Stille. In der Nähe der Klosterkirche entstand ein neues Gäste- und Tagungshaus, in Ergänzung dazu erfolgte der Ausbau einer alten Domänenscheune. Parallel wurden die alten Klostergärten auf der Grundlage einer denkmalpflegerischen Rahmenzielstellung restauriert.

Text: Heike Tenzer
Fotos: Gunar Preuß
Redaktion: Sabine Meinel, Uwe Steinecke
Internetredaktion: Nadja Allerheiligen