Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt
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UNESCO-Welterbe Gartenreich Dessau-Wörlitz

Im Jahr 2000 verlieh die UNESCO einem Teil des ehemaligen Herzogtums Anhalt-Dessau den Titel Weltkulturerbe Gartenreich Dessau-Wörlitz. Diese großflächige Kulturlandschaft von rund 140 km² ist als Denkmalbereich in die Denkmalliste des Landes Sachsen-Anhalt eingetragen. Sie umfasst Bereiche und Ortsteile der Gemeinde Raguhn-Jeßnitz im Landkreis Anhalt-Bitterfeld, der Stadt Dessau-Roßlau und der Stadt Oranienbaum-Wörlitz im Landkreis Wittenberg.

Die aus Sicht der Bau- und Kunstdenkmalpflege herausragenden Bestandteiles Gartenreichs Dessau-Wörlitz stellen wir Ihnen hier in Form von elf Flyern vor. Viel Spaß bei der Lektüre und dem Entdecken der Denkmale vor Ort!

Gartenreich Dessau-Wörlitz. Kulturlandschaft

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Das Gartenreich Dessau-Wörlitz wurde unter Fürst Leopold III. Friedrich Franz von Anhalt-Dessau in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts und seinen Nachfolgern bis 1918 geprägt. Fürst Franz gestaltete die Umgebung der Residenzstadt Dessau bewusst nach künstlerischen Gesichtspunkten und bezog alle Bestandteile der Kulturlandschaft mit ein. Hierzu zählen die kleinen Siedlungen mit umgebenden Feldflächen (ehemals zumeist für Hopfenanbau), die kleinen Waldgebiete, die großen Wiesenflächen mit einzeln stehenden Eichen (ehemalige Hutewiesen für die Haustiere der Landbevölkerung) sowie die von seinem Vorgänger Leopold I. von Anhalt-Dessau angelegten Deich- und Grabensysteme. Das »Nützliche mit dem Schönen« zu verbinden war der Grundgedanke des gestalterischen Handelns sowie die Essenz der fürstlichen Ideen und Politik.

Stadt Oranienbaum-Wörlitz. Ortsteil Wörlitz

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Wörlitz ist eine ehemalige Residenzstadt des Fürsten Leopold III. Friedrich Franz von Anhalt-Dessau und Höhepunkt des Gestaltungs- und Verschönerungskonzeptes des sogenannten »Gartenreiches«. Der Ort ist sehr gut in seiner historischen Struktur und Bausubstanz erhalten und beeindruckt durch die zahlreichen fürstlichen Solitärbauten. Unmittelbar an den Ortskern grenzen das Schloss und die Wörlitzer Anlagen, einer der ältesten englischen Landschaftsgärten auf dem europäischen Kontinent. Das Schloss war stilbildendes Vorbild für den Klassizismus in Deutschland und wurde von Friedrich Wilhelm von Erdmannsdorff entworfen. Dieser gestaltete ebenfalls den Großteil der fürstlichen Leitbauten in der Stadt, die im gesamten Stadtbereich verteilt errichtet wurden.

Stadt Oranienbaum-Wörlitz. Ortsteil Oranienbaum

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Oranienbaum ist eng mit der Geschichte des Fürstenhauses Anhalt-Dessau und dem Namen Henriette Catharina von Oranien-Nassau verbunden. Beeindruckend sind die erhaltene, planmäßig angelegte Stadtanlage und das Schloss, die aufeinander bezogen sind und ab 1683 gemeinsam nach Entwürfen des niederländischen Baumeisters Cornelis Ryckwaert erbaut wurden. Die barocke Residenzstadt ist die einzig erhaltene ihrer Art in Sachsen-Anhalt, ja sogar in Mitteldeutschland. Ihre historischen Bauten im barocken Stadtkern und die späteren Erweiterungen stammen aus drei Jahrhunderten.

Stadt Oranienbaum-Wörlitz. Ortsteil Rehsen

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Rehsen ist heute das einzige Dorf in Sachsen-Anhalt, das einen fast vollständig erhaltenen Ringdeich mit Deichdurchlässen, den Stöpen, besitzt. Der Ort ist von Slawen gegründet und erstmals 1207 urkundlich erwähnt worden. Das langgestreckte Straßendorf entwickelte sich von West nach Ost. Über Generationen hinweg war das örtliche Rittergut Sitz des Adelsgeschlechtes von der Lochau. Anfang des 18. Jahrhunderts kaufte Fürst Leopold I. von Anhalt-Dessau diese Ländereien auf und gründete die Domäne Rehsen. Die Bedeutung Rehsens zu dieser Zeit verdeutlicht, dass bis 1819 ein eigenständiger Amtssitz bestand. Außerdem ließ Leopold I. den Ringdeich anlegen und 1707 eine Kirche neu bauen.

Stadt Oranienbaum-Wörlitz. Orsteil Griesen

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Der erstmals um 1200 erwähnte Ort Griesen wurde wohl von slawischen Siedlern angelegt. Das Dorf ist ein überregional bedeutsames Beispiel eines Reihendorfes mit gut erhaltener Ortsstruktur und einem großen Bestand an originaler Bausubstanz vom 16. bis ins frühe 20. Jahrhundert hinein. Insbesondere der östliche Bereich mit seinen großen Bauerngehöften zählt zu den herausragenden dörflichen Straßenzügen in Sachsen-Anhalt. Interessant ist auch die Struktur des Ortes mit der Anordnung der ehemaligen Vollspännerhöfe entlang der Dorfstraße und der südlich davon angeordneten, historisch nur einzeilig bebauten Hinterreihe mit den kleinen Wohnhäusern der Kossäten, der Tagelöhner des Dorfes. Auch heute lässt sich so noch die ehemalige soziale Hierarchie innerhalb des Dorfes gut ablesen.

Stadt Oranienbaum-Wörlitz. Ortsteil Kakau

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Charakteristisch für Kakau ist die spinnennetzartige Grundstruktur des Dorfes mit einer beidseitig bebauten Haupt- und mehreren überwiegend einseitig bebauten Nebenstraßen. In ihr spiegelt sich der über drei Jahrhunderte erfolgreiche Hopfen- und Tabakanbau wider, für den große Feldflächen zwischen den Bauerngehöften benötigt wurden. Größtenteils sind ungestörte Blickbeziehungen auf die Silhouetten der benachbarten Orte und zur Kirche in Horstdorf möglich. Ein weiteres typisches Merkmal für die Landschaftsstruktur im Wörlitzer Winkel sind die seit dem 18. Jahrhundert bestehenden Gräben mit Ufergehölzen. Zahlreiche locker gruppierte Bauernhöfe, meist Dreiseithöfe, prägen das Ortsbild.

Stadt Oranienbaum-Wörlitz. Ortsteil Horstdorf

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Horstdorf wurde 1708 auf fürstliches Dekret von Leopold I. von Anhalt-Dessau gegründet. Das langgestreckte Reihendorf wird beidseitig vor allem von Bauerngehöften mit großen rückwärtigen Gartenflächen dominiert. Beeindruckend sind die unverbauten Blickbeziehungen über die umliegenden Feldflächen hinweg zu den benachbarten Ortschaften. Markant ist die 1713 errichtete und 1872 grundlegend umgebaute Kirche, die nicht nur innerhalb des Dorfes, sondern auch in der Kulturlandschaft als Blickpunkt wirkt. Zahlreiche locker gruppierte Bauernhöfe, meist Dreiseithöfe, die unmittelbar an den Straßenraum grenzen, prägen das Ortsbild.

Stadt Oranienbaum-Wörlitz. Ortsteil Riesigk

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Riesigk ist harmonisch in die umgebende Kulturlandschaft eingebettet. Die Kirche ist weithin sichtbar. Sie wurde 1800 geweiht und ist der älteste im neugotischen Stil errichtete Sakralbau in Deutschland. Mit ihrem charakteristischen Aussehen einer Backsteinkirche mit hell kontrastierenden Putzelementen bildet sie mit dem ehemaligen Gemeindehaus einen markanten Ortseingang, der sich auf den ehemaligen Residenzort Wörlitz bezieht. Das Gemeindehaus wurde 1780 durch Erdmannsdorff als dreiteilige Anlage erbaut. Der höhere Mittelbau beherbergte die Schule, die Seitengebäude ein Deichwächter- und ein Backhaus. Der Siedlungsgrundriss wird vom Deichverlauf bestimmt.

Stadt Dessau-Roßlau. Ortsteil Waldersee

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Waldersee wurde 1935 aus den Siedlungskernen Naundorf und Jonitz gebildet, die seitdem zu einem Ort zusammengewachsen sind. Namensgebend war eine ehemalige Burg Waldersee. Die Jonitzer Kirche ist ein überregional bedeutendes Baudenkmal und Grablege für den Begründer des heutigen Gartenreichs Dessau-Wörlitz, Fürst Leopold III. Friedrich Franz von Anhalt-Dessau und seine Gemahlin Luise. Der hohe Turm mit Obeliskenaufsatz der 1816/17 klassizistisch von Carlo Ignazio Pozzi umgestalteten Kirche steht in direkter Sichtbeziehung zum Schloss Luisium. Weitere Sichtachsen in die umgebende Kulturlandschaft sind vor allem vom Ortskern Jonitz aus heute noch authentisch erlebbar.

Stadt Dessau-Roßlau. Ortsteil Großkühnau

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Großkühnau ist harmonisch in die umgebende Kulturlandschaft eingebettet und schmiegt sich eng an den Kühnauer See sowie einen von Ost nach West verlaufenden Dünenzug. Unmittelbar an den See schließt sich das Areal des Schlosses mit kleinem Park an, das vor 1750 in spätbarockem Stil unter Fürst Dietrich erbaut wurde. Großkühnau wurde somit zur Nebenresidenz des fürstlichen Hauses Anhalt-Dessau. Der heute von klassizistischen Formen geprägte Bau wurde um 1780 unter Prinz Albert umgebaut. Benachbart erhebt sich die 1828–30 erbaute Kirche, der erste neuromanische Sakralbau in Deutschland. Als Backsteinkirche mit Westturm und hohem Spitzhelm wirkt sie markant in das Ortsbild hinein und als Landmarke in die Umgebung hinaus.

 

Stadt Dessau-Roßlau. Ortsteil Mildensee

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Mildensee wurde 1933 aus den Siedlungskernen Dellnau, Pötnitz und Scholitz gebildet. Namensgebend für den neuen Ort wurde ein ehemaliges, mittelalterliches Kanonikerstift am Ufer des Mildensees. Die historischen Ortsstrukturen der drei Dörfer sind auch heute noch gut ablesbar. Vor allem die Bereiche um die Pötnitzer Kirche, um den Scholitzer See, in der Kapenstraße und um den 1809–12 erbauten Turm der acht Winde vermitteln ein höchst authentisches Bild der Gartenreichzeit. Die romanische Backsteinkirche in Pötnitz wurde am Ende des 12. Jahrhunderts errichtet und 1804–1806 unter Fürst Leopold III. Friedrich Franz durch den Amtsleiter des Fürstlichen Bauamtes Georg Christoph Hesekiel in neugotischen Formen grundlegend umgebaut. Der hohe Kirchturm nimmt Anklänge bei gotischen Vorbildern in England. Er ist wie die Türme der Kirchen in Wörlitz, Riesigk und Vockerode als ein örtlich und überörtlich wirksamer Blickpunkt in das Sichtachsensystem innerhalb der Kulturlandschaft des Gartenreichs einbezogen.