Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt
Landesmuseum für Vorgeschichte
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Februar: Verlassen und aufgegeben. Was vom Wohnen bleibt…

Ein Eintrag in den Annalen Bertiniani beschreibt Ereignisse aus dem Jahr 839 im Gebiet des heutigen Anhalts: »[…] einem sächsischen Aufgebot gelang es, den sorbischen Kleinstamm der Colodici zu überwinden, ihren König Cimusclo zu töten und ihre Hauptfeste Kesigesburch [Cösitz bei Köthen] sowie 11 weitere Burgen zu erobern« (Herrmann 1974, 268). Dies ist ein Beispiel einer möglichen Ursache für das Aufgeben einer frühmittelalterlichen beziehungsweise mittelslawischen Siedlung, die im Jahr 2014 im Rahmen des Deichneubaus bei Jeßnitz, Stadt Raguhn-Jeßnitz, Landkreis Anhalt-Bitterfeld untersucht wurde.

Abb. 1: Die Lage der untersuchten Flächen. Fundstelle 2 ist ror markiert. © Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt.
Abb. 2: Phasenkartierung der Siedlung. Die hausbegleitenden Abfallgruben sind in Schwarz dargestellt. © Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt, Dovydas Jurkėnas.

Der Fundort liegt im Grenzgebiet zwischen dem ostfränkischen Reich und den östlich der Elbe-Saale-Grenze siedelnden slawischen Gruppen, eine Gegend, die durch häufige kriegerische Auseinandersetzungen gekennzeichnet war. Ob die Bewohner des untersuchten Weilers tatsächlich vor dem drohenden Angriff flüchteten und die Zuflucht im geschützten Ort suchten, wird unbeantwortet bleiben. Offenbar erfolgte eine gewaltsame Zerstörung der ausgegrabenen Siedlung – sei es durch einen Überfall oder durch die Bewohner selbst nach der Aufgabe des Orts. Nahezu alle Häuser weisen auf einen Brand hin; unterstützt wird die Annahme durch die Brandschichten auf dem Hausboden, verkohlte Getreide- und Balkenreste, Keramik mit sekundärem Brand, Brandlehmklumpen in den Gefäßen. Leere Kellergruben, fehlende Metallfunde und Werkzeuge sowie nur wenig zurückgelassene Steingeräte deuten darauf hin, dass die wertvollen Gegenstände von den Bewohnern mitgenommen wurden. Vereinzelte Häuser enthielten zudem mehrere zerscherbte Gefäße, die möglicherweise für ein rasches Aufgeben der Siedlung sprechen.

Dieses Bild zeigt sich auch in Hinblick auf die erfassten Häuser der Fundstelle 2 des Untersuchungsgebietes. Auf einer Fläche von ungefähr 1 Hektar wurde hier lediglich ein Teilbereich einer frühmittelalterlichen Siedlung erfasst. Diese bestand aus mindestens 19 Grubenhäusern, die etwa in der zweiten Hälfte des 8. Jahrhunderts n. Chr. errichtet wurden. Etwa nach 100 bis 150 Jahren, im Laufe des 9. Jahrhunderts, wurde die Siedlung aufgegeben. Feinchronologisch ergeben sich anhand der aus den Häusern geborgenen Keramik voraussichtlich drei Besiedlungsphasen: Phase I – 8. Jahrhundert. Phase II – ausgehendes 8. Jahrhundert/beginnendes 9. Jahrhundert. Phase III – 9. Jahrhundert.

Abb. 3: Übersichtsdarstellung der Grubenhäuser. Das Grubenhaus 248 befand sich im Bereich von Fundstelle 1. © Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt, Dovydas Jurkėnas.

Interessant ist, dass etwa 500 Meter nördlich von der Fundstelle entfernt, am Rande der heutigen Ortslage von Jeßnitz, im 10. Jahrhundert ein weiterer Weiler gegründet wurde, der möglicherweise die Fortsetzung der Besiedlung der Region nach den Ereignissen im 9. Jahrhundert darstellt.

 

Die geomorphologische Lage

Die untersuchten Flächen befinden sich nördlich von Bitterfeld und südlich von Jeßnitz, in einer Auenlandschaft am unteren Abschnitt der Mulde im Osten und der Fuhne im Westen. Den mineralischen Untergrundhorizont bilden glazifluviatile Ablagerungen beziehungsweise pleistozäne Kiese und Sande der Flussauen und Niederungen. Darüber folgt der heutige stark befestigte Mutterboden. Hydrogeologisch liegen die Flächen direkt am West-Rand der Niederung der Mulde. Dadurch ist dieses Gebiet regelmäßigen Überflutungen ausgesetzt und durch Bodenerosion beziehungsweise Flächenbewirtschaftung intensiv gefährdet. Das könnte auch eine mögliche Ursache für die relativ schlechte Befunderhaltung sein. Die Hausreste zeigen im Regelfall eine Tiefe von maximal 10 bis 25 Zentimetern unterhalb des Baggerplanums beziehungsweise von maximal 35 Zentimetern unterhalb der rezenten Humusschicht. Aufgrund des schlechten Erhaltungszustandes konnte lediglich der Bodenbereich der Häuser erfasst werden.

 

Das Grubenhaus

Das typische Haus der Slawen, aber auch anderer Ethnien wie Balten oder Germanen im Frühmittelalter, ist das Grubenhaus. Es handelt sich um in die Erde eingelassene Bauten, wobei das Dach über die Hausgrundfläche herausgezogen wird. Die Tiefe solcher Bauten konnte bis 1 Meter unterhalb der damaligen Geländeoberfläche reichen. Die Wände sind in Blockbauweise aus Rund- und Spalthölzern ausgeführt oder bestehen aus einer Konstruktion aus Bohlen und Lehm. Solche Behausungen wirken durch ihre Dämmung als optimaler Wärmespeicher und temperieren das Gebäude durch das schützende, umgebende Erdreich. Gewöhnlich sind sie mit einer Herdstelle und einer Kellergrube ausgestattet. Es wird davon ausgegangen, dass solche Hütten nicht nur zum Wohnen, sondern auch als Werkstätten dienten.

 

Der Aufbau der Jeßnitzer Häuser

Abb. 4: Der Bodenbereich des Grubenhauses 18. Deutlich sind die Überreste einer rundlichen Ofenanlage in der Nordwestecke zu erkennen. Auf der Südseite befindet sich eine Kellergrube. © Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt, Dovydas Jurkėnas.

Auch die Grubenhäuser in Jeßnitz entsprechen dem üblichen frühmittelalterlichen Haustyp. Die Häuser zeigen immer einen quadratisch-rechteckigen bis leicht trapezförmigen Grundriss mit stark abgerundeten Ecken. Das Dach wurde üblicherweise von zwei Firstpfosten getragen, die auf den Giebelseiten des Hauses aufgestellt waren. Die Größe der Innenfläche bewegt sich zwischen 9,6 und 15,5 Quadratmetern. Das durchschnittliche Grubenhaus in Jeßnitz besitzt eine Grundfläche von etwa 12 Quadratmetern mit den Abmessungen 3,5 × 3,3 Metern. Zusätzlich wurden zwei Hütten mit einer Kellergrube ausgestattet. Grundsätzlich waren die Häuser mit ihrer Firstachse West-Ost ausgerichtet mit dem Eingang an der Südseite. In der Nordwestecke des Hauses beziehungsweise in der Hauptwindrichtung befand sich die Herdstelle. Wurde die Richtung der Firstachse gedreht, blieb der Eingang immer auf der entgegengesetzten Seite der Heizvorrichtung, nachweisbar auch bei zwei Grubenhäusern in Jeßnitz. Diese waren in Süd-Nord- beziehungsweise Südwest-Nordost-Richtung ausgerichtet, wobei sich der Eingang auf der östlichen Seite befand. Wichtig ist hierbei, dass keine Abtreppungen oder Rampen als Zugang zum Haus angetroffen wurden.

Abb. 5: Grubenhaus 24. Der Hausboden ist mit Brandschutt bedeckt. © Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt, Dovydas Jurkėnas.

Das Zweipfostengrubenhaus ist die typische Bauweise der frühmittelalterlichen Siedlung bei Jeßnitz. Zwei dachtragende Firstpfosten sind kennzeichnend für diesen Konstruktionstyp. Zudem wurde in 14 Fällen eine weitere, dritte Pfostenstellung dokumentiert, die höchstwahrscheinlich auf eine Eingangssituation hindeutet. Üblicherweise befindet sie sich  an der Südseite des Gebäudes, unmittelbar an der Hauswand oder leicht  ins Hausinnere versetzt. Am besten können die Befunde aus Jeßnitz mit den Wohnbauten der frühmittelalterlichen Siedlungen bei Köthen (Landkreis Anhalt-Bitterfeld) und Güsten (Salzlandkreis) verglichen werden, bei denen der südliche beziehungsweise dritte, unpaarige Pfosten als Bestandteil einer Türkonstruktion oder als Zutritt in das Grubenhaus rekonstruiert wurde (Peters o. J.).

Ein zusätzlicher Pfosten, etwa im zentralen Bereich des Hausinneren, stellt eine Sonderkonstruktion dar. Da diese Pfosten nicht direkt in die Mitte gesetzt wurden, sondern leicht versetzt in Richtung Ofenstelle, ist eher eine sekundäre Funktion anzunehmen. Möglicherweise diente der Mittelpfosten als Stützkonstruktion für das Rauchloch oder als Hilfskonstruktion zum Trocken der Lebensmittel (Šalkovký  2009). Bei zwei weiteren Gebäuden wurde keine Eingangssituation mit einem Südpfosten erfasst; hier wurden lediglich die dachtragenden Firstpfosten dokumentiert. Eine Ausnahme hinsichtlich der Hausbauweise bilden zwei Grubenhäuser, die überhaupt keine Pfostenstellungen enthielten.

Abb. 6: Grubenhaus 24. Überreste der verkohlten Holzbalken. © Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt, Dovydas Jurkėnas.

Hinsichtlich der Stellung der Firstpfosten ist auffällig, dass die Firstachse nicht immer der größeren Länge des Baues entspricht, sondern in vereinzelten Fällen kürzer als die Gebäudebreite ist. Ebenso bemerkenswert sind die Abweichungen bei der Platzierung der Firstpfosten im Haus. Im Regelfall wurde der Firstpfosten innerhalb der Hausgrube, unmittelbar an der Giebelwand errichtet. An zwei Bauten befanden sich die Firstpfosten allerdings etwa 20 bis 35 Zentimeter von der Wandung nach innen versetzt, dies deutet möglicherweise auf eine andere Wandkonstruktion hin. Im Gegensatz dazu stehen drei Grubenhäuser, deren Firstpfoten außerhalb der Hausgrube aufgestellt wurden. Anscheinend handelt es sich um ein intentionelles Konstruktionselement, in dem die Firstpfosten nicht von innen, sondern von außen an der Hausgiebelwand platziert wurden. Eine solche Auslagerung des Giebelfirstes von innen nach außen steht möglicherweise mit der Dachkonstruktion oder einer Veränderung in der Bauweise in Verbindung.

Abb. 7: Grubenhaus 248 im Bereich von Fundstelle 1. In der Nordwestecke des Hauses befindet sich die Ofenanlage, bestehend aus zahlreichen Steinen mit Hitzenspuren. Hier sind deutlich die Lehmwannenfragmenten zu erkennen, die noch in situ liegen. © Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt, Dovydas Jurkėnas.

Trotzt der fast standardisierten Konstruktion der Grubenhäuser mit dem vorherrschenden Zweipfosten-Haustyp zeichnen sich Unterschiede in deren Ausführung ab. Zusammenfassend sind die Jeßnitzer Grubenhäuser in Bezug auf ihre Konstruktion in zwei Hauptgruppen zu unterteilen:

Gruppe 1: Zweipfostenbau, bestehend aus der Firstpfostenachse (16 Häuser); die weiteren Pfostenstellungen innerhalb der Häuser sind als ergänzende Bauelemente der Innengliederung anzusehen, wie der zusätzliche Eingangspfosten (Grubenhaus 19, 24, 26, 27, 28, 38, 42, 66, 75, 86?, 105, 112, 140, 141) oder Mittelpfosten (Grubenhaus 27, 28, 38); in zwei Bauten wurden keine ergänzenden Bauelemente nachgewiesen (Grubenhaus 18, 134).

Gruppe 2:  Bauten ohne Pfostenstellungen, 2 Häuser (Grubenhaus 167, 320).

In Anbetracht der Hauskonstruktion und der Siedlungsphasen ergibt sich allerdings kein klares Muster. Die Bauten von Gruppe 1 treten in allen Phasen auf, während die Gruppe 2  sowie die Häuser mit Mittelpfosten eher der älteren Phase zuzuweisen sind. In diesem Zusammenhang dürften sich die Unterschiede in der Konstruktion nicht chronologisch, sondern eher funktional erklären lassen. Das ursprüngliche Siedlungsmuster bleibt aufgrund der nicht vollständig erfassten Siedlung unbekannt, tendenziell erfolgte die Erweiterung des Weilers von Norden nach Süden.


Die Dach- und Wandkonstruktionen

Abb. 8: Auch das Grubenhaus 134 weist eindeutig auf die Brandereignisse hin. In der Südostecke befindet sich ein Topf, der kopfüber steht. © Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt, Dovydas Jurkėnas.

Grundsätzlich handelt es sich bei den Grubenhäusern in Jeßnitz um Firstpfettenbauten mit einer höchstwahrscheinlich direkt auf dem Erdboden aufsetzenden Dachkonstruktion, einer Heizvorrichtung (üblicherweise) in der Nordwestecke und mit dem Eingang im Süden. Offene Fragen bestehen allerdings noch in Bezug auf die Wandkonstruktion, da ein Verbau der Hausgrube im örtlichen, lockeren Sediment notwendig war. Auch wenn alle Häuser der Fundstelle eine Brandschicht aufweisen, liefern die Grabungsbefunde wenige Hinweise. In den meisten Fällen ist die Verfüllung mit zahlreichen Holzkohlestücke und -flittern gesättigt oder als Brandschicht auf dem Boden der Häuser ausgeprägt, ohne vollständig erhaltene Konstruktionshölzer. Auch der ockerrötlich gefärbte, durch Hitze angeziegelte Boden über der gesamten Innenfläche der einzelnen Häuser weist auf die Zerstörung durch Feuer hin. Nach den Grabungsbefunden gibt es keine Hinweise auf eine Wandkonstruktion der Hütten in Blockbauweise. Auf eine andersartige Wandausführung deuten mehrere Indizien hin: stark abgerundete Ecken im Grundriss, kaum Brandspuren im Wandbereich, die Verteilung der Holzreste und schließlich die Dachausführung als »Zeltdach« mittels zweier Firstpfosten.

Abb. 9: Grubenhaus 134. Auf dem Boden, in der Hausecken und an den Wänden wurden insgesamt 5 Gefäße niedergelegt. © Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt, Dovydas Jurkėnas.

Den besten Anhaltspunkt zum Aufbau dieser Hütten gibt das Grubenhaus 24 – das der Gruppe 1 mit einem Eingangspfosten zuzuordnen ist. Hier wurden mehrere verkohlte Balken- oder Bohlenfragmente aufgefunden. Auffällig ist, dass die meisten dieser Holzreste mit ihrer Maserung von der Wand nach innen ausgerichtet sind. Möglicherweise handelt es sich hierbei um die senkrechten Bohlen, die ursprünglich als Wand dienten und durch den Brand nach innen fielen. Ein Teil der aufgefundenen Holzreste stammt sicherlich auch von dem eingestürzten Dachstuhl oder der Zwischendecke.

Bei den pfostenlosen Bauten bleibt die Konstruktion unsicher. Häufig werden solche Behausungen als Ständer- oder Schwellenbauten interpretiert (Zimmermann 1992). Möglicherweise weicht auch die Funktion der pfostenlosen Hütten von den restlichen ab. Dabei ist auffällig, dass die beiden pfostenlosen Grubenhäuser in Jeßnitz über keine oder nur rudimentär erhaltenen Heizvorrichtungen verfügten. Weiterhin besaß ein Haus eine dichte Ansammlung an großen Geröllen – etwa im zentralen Bereich – dessen Deutung und Funktion noch ungeklärt ist.

 

Die Heizvorrichtungen

Abb. 10: Grubenhaus 24. Ebenso eine Gefäßniederlegung im Haus mit Brandlehmresten. © Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt, Dovydas Jurkėnas.

Bei einem typischen slawischen Grubenhaus befindet sich die Heizvorrichtung meistens in der Ecke, die der Hauptwindrichtung ausgesetzt ist. Die rundliche Anlage besteht aus Steinen und Lehm. Eine Sondergattung von Funden im Hausinneren stellen die sogenannten Lehmwannenfragmente dar, die meistens im Bereich der Herdstelle aufgefunden wurden. Es handelt sich um organisch gemagerte Ware, die wahrscheinlich nicht gebrannt wurde, sondern lediglich austrocknete. Die starke Fragmentierung solcher Lehmwannen lässt die Größe nur vermuten. Hinsichtlich der vorgefundenen Ränder besaßen sie eine rechteckige bis ovale Form und hatten eine Höhe von 5 bis 10 Zentimetern. Teilweise konnten ihre Fragmente – die im Herdstellenbereich auf der Steinlage auflagen – noch in situ erfasst werden.

 

Die Abfallgruben

Aufgrund von vorgefundenen – teilweise passgenauen – Scherben konnte in der Regel je einem Haus mindestens eine im Außenbereich liegende, längliche Abfallgrube zugeordnet werden. Die Gruben enthielten neben Keramik viele Steine mit Hitzespuren sowie Asche, Holzkohle, Brandlehm, Knochen – und gelegentlich Lehmwannenfragmente. Also dasselbe Material, das bei den Ofenstellen in den Häusern verwendet wurde, sodass davon auszugehen ist, dass in diesen Gruben neben Haushaltsabfällen auch die Reste der Feuerstellen entsorgt wurden.

 

Die Gefäßaufstellungen

Eine weitere Besonderheit der Fundstelle stellen die Gefäßdeponierungen in den Häusern dar. Bemerkenswert sind die noch vollständig erhaltenen Gefäße, die teilweise kopfüber standen und immer an gleicher Stelle an der Hauswand platziert wurden. In sechs Grubenhäusern wurden solche Niederlegungen erfasst. Im Regelfall befanden sich ein bis zwei Gefäße etwa mittig der Hausinnenwand auf der Nord-, Süd- und Westseite. Eine Besonderheit stellt das Grubenhaus 134 dar, das insgesamt fünf deponierte Gefäße enthielt. Bei diesen Gefäßaufstellungen innerhalb der Häuser handelt es sich um einen bislang singulären Befund, dessen Deutung noch offen ist.

Abb. 11: Ein Teil des keramischen Inventars aus dem Grubenhaus 134. Zahlreiche Scherben wurden im Bereich der Herdstelle aufgefunden. © Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt, Dovydas Jurkėnas.

Text: Dovydas Jurkėnas
Internetredaktion: Georg Schafferer

 

Literatur

Herrmann 1974
J. Herrmann (Hrsg.), Die Slawen in Deutschland (Berlin 1974).

Peters o. J.
E. Peters, Quadratisch, praktisch, warm – Mittelslawische Siedlungen mit Grubenhäusern vom 2+1 Pfostentyp im unteren Saalegebiet. Unpubliziertes Manuskript (ohne Jahr).

W. H. Zimmermann, Die Siedlungen des 1. bis 6. Jahrhunderts nach Christus von Flögeln-Eekhölten, Niedersachsen. Die Bauformen und ihre Funktionen. Probleme der Küstenforschung im südlichen Nordseegebiet 19 (Oldenburg 1992).