Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt
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"Here I stand..." – Lutherausstellungen USA 2016/17

2 Kontinente – 3 Ausstellungen – 7 Partner

2017 jährte sich die Veröffentlichung von Martin Luthers 95 Thesen zum 500. Mal. Sie gilt als Beginn der Reformation, deren globale Auswirkungen bis heute greifbar sind, insbesondere in stark protestantisch geprägten Ländern wie den Vereinigten Staaten von Amerika.

Im Vorfeld des Reformationsjubiläums wurde mit maßgeblicher Unterstützung des Auswärtigen Amtes der Bundesrepublik Deutschland und unter der Schirmherrschaft des damaligen Bundesaußenministers Dr. Frank-Walter Steinmeier ein außergewöhnliches deutsch-amerikanisches Ausstellungsprojekt umgesetzt: Unter der Federführung des Landesmuseums für Vorgeschichte und in Kooperation mit der Stiftung Luthergedenkstätten in Sachsen-Anhalt, dem Deutschen Historischen Museum und der Stiftung Schloss Friedenstein Gotha arbeitete das Projekt „Here I stand…“ mit dem Minneapolis Institute of Art (Minneapolis, Minnesota), der The Morgan Library & Museum (New York City) und der Pitts Theology Library der Emory University in Atlanta (Georgia) zusammen und organisierte drei Ausstellungen zu Leben und Werk des Reformators Martin Luther in den USA. Neben den vier deutschen Kooperationspartnern machten 26 weitere Institutionen, darunter Kirchengemeinden der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland und der Evangelischen Landeskirche Anhalts, Museen, Archive und Bibliotheken, in einmaliger Weise ihre Bestände zugänglich und unterstützten das Projekt als Leihgeber.

Die fruchtbare Zusammenarbeit aller beteiligter Institutionen machte es möglich, im Herbst/Winter 2016/17 zeitgleich drei jeweils einzigartige, einander ergänzende Ausstellungen  zu präsentieren. Mit Hilfe archäologischer Fundstücke, authentischer Realien, originaler Kunstwerke und Graphiken, Autographen und Drucke konnte ein umfassendes Bild vom Leben und Wirken Martin Luthers, der Reformation und ihrem kulturhistorischen Umfeld gezeichnet werden. Zugleich vermittelten sie einen Eindruck vom bedeutenden kulturellen Reichtum Mitteldeutschlands. Die Präsentationen machten auf die Stätten im Geburtsland der Reformation aufmerksam, von denen eine Entwicklung globalen Ausmaßes ihren Anfang nahm. Die meisten der etwa 450 Exponate wurden zum ersten Mal in den USA gezeigt. Verschiedene unter ihnen wurden vor der Ausleihe zunächst konservatorischen Maßnahmen unterzogen, die den wertvollen Objekten auch langfristig zugutekommen.

Die beispielhafte Zusammenarbeit der deutschen und amerikanischen Kooperationspartner wurde durch eine überwältigende Publikumsresonanz gekrönt: Insgesamt konnten die Ausstellungen an den drei renommierten US-amerikanischen Standorten rund 195.000 Besucher verzeichnen.

Archäologische Funde, wie Kinderspielzeug aus Luthers Elternhaus in Mansfeld, führten die Lebenswirklichkeit des Reformators unmittelbar vor Augen (© LDA Sachsen-Anhalt, Foto: Juraj Lipták)
Porträts aus der Cranach-Werkstatt, wie dieses von 1541, vermittelten die wichtige Rolle, die die Kunst für die Reformation spielte (© Stiftung Luthergedenkstätten in Sachsen-Anhalt)
Neben Luther konnten zahlreiche weitere Protagonisten der Reformationsgeschichte anhand von Realien vorgestellt werden: hier der Turnierhelm Kaiser Karls V. (© Deutsches Historisches Museum)
Ein Beispiel für ein Kunstwerk von höchster Qualität und zugleich Veranschaulichung der theologischen Lehre vom Sündenfall: Adam und Eva von Conrad Meit, ca. 1510 (© Stiftung Schloss Friedenstein Gotha)

Die Luther-Ausstellungen in New York, Atlanta und Minneapolis

Die Ausstellung "Word and Image: Martin Luther's Reformation" in The Morgan Library & Museum, New York (7. Oktober 2016–22. Januar 2017) ließ ihre Besucher in die Schatzkammer der Reformation eintauchen. In inhaltlicher Hinsicht fokussierte die Präsentation ausgewählter Zimelien auf die Ereignisse im Leben Martin Luthers, die für die beginnende Reformation von besonderer Bedeutung waren. Einzigartige Originaldokumente, wertvolle Buchausgaben und ausgewählte Kunstwerke erlesener Qualität zogen insgesamt 80.000 Besucher in ihren Bann.

The Morgan Library & Museum (© The Morgan Library & Museum New York, Michael Denance)
Der Eingang zur Ausstellung "Word and Image: Martin Luther's Reformation"
Impression der Ausstellung "Word and Image"
Impression der Ausstellung "Word and Image" (Ausstellungsfotos: © The Morgan Library & Museum New York, Michael Denance, Graham S. Haber, 2016)

Im Zentrum der Kabinettausstellung „Law and Grace: Martin Luther, Lucas Cranach, and the Promise of Salvation” in der Pitts Theology Library der Emory University in Atlanta (11. Oktober 2016–16. Januar 2017), die durch die in Atlanta ansässige The Halle Foundation unterstützt wurde, stand das Gemälde “Gesetz und Gnade” von Lukas Cranach d. J. aus dem Wittenberger Lutherhaus. Anhand dieses Kunstwerks und in Kombination mit zahlreichen Objekten aus den eigenen bedeutenden Beständen der Richard C. Kessler Reformation Collection der Pitts Theology Library wurden die Lehre Martin Luthers und die Inhalte des Bildes erklärt. Die mit der Reformationszeit beginnende Erzählung führte darüber hinaus über die Einwanderung der Lutheraner in Georgia bis hin zum Wirken des bedeutendsten Sohnes der Stadt Atlanta und Namensvetter des deutschen Reformators, Dr. Martin Luther King jr.

Pitts Theology Library (© Pitts Theology Library, Candler School of Theology, Emory University Atlanta)
"Gesetz und Gnade" im Zentrum der Ausstellung (© LDA Sachsen-Anhalt)
Impression der Ausstellung "Law & Grace" (© Pitts Theology Library, Atlanta, 2016)
Ausstellungsimpression (© LDA Sachsen-Anhalt)

Mit „Martin Luther: Art and the Reformation“ wurde im Minneapolis Institute of Art (Mia) die umfassende kunst- und kulturhistorische Hauptausstellung im Rahmen des Projektes „Here I stand…“ präsentiert (30. Oktober 2016–15. Januar 2017). Sie vereinte auf ca. 1.000 m² etwa 300 Exponate und Exponatgruppen, die in acht Räumen einen einzigartigen Rundgang durch Martin Luthers Leben und Werk ermöglichten. Der Facettenreichtum und die einmalige Kombination der teils außergewöhnlichen Exponate, die zugleich einen Einblick in die reiche kulturelle Schatzkammer des Geburtslandes der Reformation ermöglichten und den Blick der Besucher auf den (kultur-) historischen Kontext und die authentischen Stätten der Reformation lenkten, wurden durch das Publikum besonders gewürdigt. Bereits zum Zeitpunkt der Eröffnung am 29. Oktober 2016 waren 20.000 Eintrittskarten vorab verkauft. Während der gesamten Laufzeit der Ausstellung war der Besucherandrang so groß, dass das Museum zum ersten Mal in seiner Geschichte eine Ausstellung auch montags öffnete. Mit zuletzt insgesamt 111.000 Besuchern war dies die zweiterfolgreichste Ausstellung am Mia in den vergangenen 15 Jahren und übertraf sogar noch die Erwartungen der Veranstalter in Bezug auf die Publikumsresonanz im lutherischen Kernland der USA.

 

 

Minneapolis Institute of Art (© Minneapolis Institute of Art, Nathan Haase)
Der Eingang zur Ausstellung "Martin Luther: Art and the Reformation" (© Minneapolis Institute of Art)
Erlesene Leihgaben aus Halberstadt, Eisleben und Naumburg machten die Frömmigkeit zur Zeit Luthers erlebbar (© Minneapolis Institute of Art)
Die sog. Lutherkanzel aus der Andreaskirche in Eisleben symbolisierte in der Ausstellung Luthers Predigtamt. Im Vorfeld war sie mit Unterstützung des Mia umfassend restauriert worden. (© Minneapolis Institute of Art)
Der ebenfalls frisch restaurierte Gothaer Tafelaltar (links), der Gemeine Kasten aus dem Wittenberger Lutherhaus (Mitte) und das Gothaer "Gesetz und Gnade"-Gemälde stehen für wichtige Grundgedanken der Reformation. (© Minneapolis Institute of Art)
Der letzte Raum des Ausstellungsrundgangs war Luthers Vermächtnis gewidmet. Eindrucksvoller Blickfang war hier das Disputationskatheder aus dem Wittenberger Lutherhaus. (© Minneapolis Institute of Art)

Was bleibt… - Begleitpublikationen zu den Luther-Ausstellungen in den USA

Die Begleitpublikationen zum Ausstellungsprojekt: der Gesamtkatalog "Martin Luther. Schätze der Reformation"/"Martin Luther. Treasures of the Reformation" und der Essayband "Martin Luther. Aufbruch in eine neue Welt"/"Martin Luther and the Reformation" (© LDA Sachsen-Anhalt, Foto: A. Hörentrup)

Eine nachhaltige Dokumentation erfuhren die Ausstellungen und mit ihnen die Bandbreite der in den USA gezeigten Exponate durch den Katalog, „Martin Luther: Treasures of the Reformation“, der im September 2016 im Sandstein Verlag Dresden erschien. Um die einzigartige Kombination der in allen drei Ausstellungen gezeigten Exponate für die Zukunft zu dokumentieren und auch dem deutschen Publikum zugänglich zu machen, wurde dieser Katalog nicht nur in englischer Sprache, sondern unter dem Titel „Martin Luther: Schätze der Reformation“ auch auf Deutsch veröffentlicht.

Der opulente Katalogband wird durch einen reichhaltigen Essayband ergänzt, der ebenfalls sowohl in einer englischen als auch einer deutschen Sprachfassung realisiert wurde („Martin Luther and the Reformation“ bzw. „Martin Luther. Aufbruch in eine neue Welt“). Die hier versammelten 50 Beiträge geben den aktuellen Stand der Reformationsforschung wieder und vereinen, dem Facettenreichtum der Ausstellungen entsprechend, aktuelle Forschungen von Historikern und Kirchenhistorikern, von Vertretern der Kunst-, Kultur- und Mentalitätsgeschichte, der Archäologie, der Wirtschafts- und Sozialgeschichte. Zu Wort kommen sowohl deutsche als auch englischsprachige Wissenschaftler, darunter Kollegen der beteiligten Museen auf beiden Seiten des Atlantiks.

Eine weitere, ausschließlich englischsprachige Publikation entstand im  Nachgang zur Ausstellung „Law & Grace. Martin Luther, Lucas Cranach, and the Promise of Salvation“ an der Pitts Theology Library in Atlanta, ebenfalls mit Unterstützung der The Halle Foundation. Neben einem reich bebilderten Gesamtkatalog der Exponate, die in Atlanta zu sehen waren, enthält diese einen Essayteil, in dem die Themen der Ausstellung vertieft werden. Das Spektrum reicht dabei von der Vorstellung des Gemäldes „Gesetz und Gnade“ von Lucas Cranach, das den Mittel- und Ausgangspunkt der Ausstellung bildete, über das Weiterleben katholischer Bildmotive nach der Reformation und den Einfluss des Halleschen Pietismus auf Nordamerika bis hin zu Gemeinsamkeiten und Unterschieden in den theologischen Ansätzen Martin Luthers und Martin Luther Kings.

 

 

„#HereIstand“ – eine Ausstellung für Jedermann

Die Posterausstellung "#HereIstand" in der Übersicht (© LDA Sachsen-Anhalt)
Ausstellung "#Luther goes USA" im Lichthof des Auswärtigen Amts mit einer speziell auf den Lichthof zugeschnittenen Umsetzung der Posterausstellung "#HereIstand", 29.09. bis 19.10.2016 (© LDA Sachsen-Anhalt)

Von September 2016 bis Juni 2018 hatte „Here I stand…“ für alle interessierten Nutzer auf einer eigenen Website die digitale Ausstellung „#HereIstand. Martin Luther, die Reformation und die Folgen“ im Angebot. Sie führte mit Hilfe innovativer Infografiken auf allgemeinverständliche und zeitgemäße Weise in die Welt Martin Luthers und der Reformation ein. Diese Präsentation war allerdings nicht nur online verfügbar, sondern konnte in Form von Postern auch offline genutzt werden.

So stand die aus 30 Postern im Format DIN A1 bestehende Ausstellung auf der Website in verschiedenen Sprachen – neben Deutsch und Englisch waren dies Arabisch, Armenisch, Französisch, Italienisch, Japanisch, Polnisch, Russisch und Spanisch – zum Download und Selbst-Ausdrucken bereit. Die deutsche Version konnte darüber hinaus bis Juni 2018 fertiger Postersatz bestellt werden – ein Angebot, das von 1.350 Bestellern aus allen Kontinenten wahrgenommen wurde.

Das neuartige Angebot richtete sich insbesondere an Kirchgemeinden, Schulen und andere Bildungsträger in aller Welt und ermöglichte es jeder Institution, per Mausklick eine Ausstellung in den eigenen Räumlichkeiten zu realisieren. Es wurde von zahlreichen Nutzern auf der ganzen Welt wahrgenommen. 

Ausgehend von der Biographie Martin Luthers begann die Ausstellung mit einem Blick in die Lebensumwelt der Menschen vor der Reformation. Darauf richtete die Schau ihren Fokus auf die reformatorische Dynamik, die sich nach Luthers Veröffentlichung der 95 Thesen entspann, und behandelt zentrale Fragen der Reformationsgeschichte. Was geschah in Wittenberg 1517? Was war das Neue an Luthers Theologie? Wie verbreitete sich die neue Lehre?

Die Zeit zwischen 1520 und 1530 war eine Zeit des Umbruchs, auch für die Geschlechterrollen. Dass auch Frauen in der Reformation eine wichtige Rolle spielten, wird heute oft vergessen. Dieser besondere Aspekt wurde durch die Ausstellung ebenso beleuchtet wie die Ausbreitung des Protestantismus in den USA. Nicht zuletzt wurde der Frage nachgegangen, was den herausragenden Vertreter der afroamerikanischen Bürgerrechtsbewegung Dr. Martin Luther King, jr. mit seinem Namensvetter, dem deutschen Reformator Martin Luther verbindet.

Als besonderes Highlight enthielt die Ausstellung auch 3D-eingescannte Museumsobjekte. Diese konnten im Internet betrachtet werden, ließen sich aber, ebenso wie die Poster, auch herunterladen und im 3D-Drucker ausdrucken. Zu ihnen gehörten archäologische Funde wie Ofenkacheln aus dem Wittenberger Wohnhaus des Reformators, Luthers Schreibset oder ein Pfeifvogel aus seinem Mansfelder Elternhaus, aber auch kunstvolle Medaillen sowie größere Objekte wie eine Ablasskiste aus Wittenberg.

Als Ergänzung zu der Posterausstellung und insbesondere mit Blick auf deren Nutzung im Unterricht wurde ferner mit Hilfe der App „Actionbound“ eine digitale Rallye, der „Lutherbound“, angeboten. Mittels eines auf junge Menschen zugeschnittenen Fragebogens lud sie dazu ein, die Posterausstellung spielerisch zu entdecken und auszuwerten. Auch dieses Angebot wurde rege genutzt.

Digitales 3D-Modell (3D-Scan) eines Bartmannskruges, eines typischen Keramikobjektes aus der Zeit Martin Luthers (© LDA Sachsen-Anhalt)
3D-Ausdruck des Bartmannskruges (© LDA Sachsen-Anhalt, Foto: A. Hörentrup)

 

 

Das Ausstellungsprojekt "Here I stand..." wurde mit Unterstützung des Auswärtigen Amts im Rahmen der Lutherdekade realisiert.