Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt
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4. Mitteldeutscher Archäologentag (2011)

Der Mitteldeutsche Archäologentag wurde im Jahr 2008 erstmals erfolgreich zum Thema Schlachtfeldarchäologie durchgeführt. Die jährlich in Halle stattfindende Tagung greift aktuelle Themen der Archäologie auf und diskutiert diese anhand verschiedener Vorträge.

Der 4. Mitteldeutschen Archäologietag von 14. bis 16. Oktober 2011 widmete sich dem Thema "1600 - Kultureller Umbruch im Schatten des Thera-Ausbruchs?".

Hier gelangen Sie zu den Rückblicken auf den

- 3. Mitteldeutschen Archäologentag (2010) zum Thema "Umweltarchäologie"
- 2. Mitteldeutschen Archäologentag (2009) zum Thema "Anthropologie, Isotopie und DNA"
- 1. Mitteldeutschen Archäologentag (2008) zum Thema "Schlachtfeldarchäologie"

Abstracts


Den Abstractband zu den Vorträgen und Posterprästentationen können Sie hier als pdf-Dokument oder durch Klicken auf das neben stehende Bild herunterladen.


Zum Tagungsprogramm gelangen Sie hier.

Tagungsband

Der Tagungsband "1600" ist seit Oktober 2013 erhältlich.

H. Meller/F. Bertemes/H.-R. Bork/R. Risch (Hrsg.), 1600 - Kultureller Umbruch im Schatten des Thera-Ausbruchs? 4. Mitteldeutscher Archäologentag vom 14. bis 16. Oktober 2011 in Halle (Saale). Tagungen des Landesmuseums für Vorgeschichte Halle 9 (Halle [Saale] 2013).

613 Seiten, zahlreiche Farbabbildungen, ISBN: 978-3-944507-00-2.

Den Band können Sie direkt über die Bibliothek des LDA (Frau Kuhlow, Tel. 0345 / 52 47 332, E-Mail: hkuhlow(at)lda.mk.sachsen-anhalt.de) zum Preis von 69,00 € erwerben.

Rückblick


English version

4. Mitteldeutscher Archäologentag 14. bis 16. Oktober 2011

„1600 - Kultureller Umbruch im Schatten des Thera-Ausbruchs?“

Der mitteldeutsche Archäologentag wird seit 2008 jährlich vom Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt / Landesmuseum für Vorgeschichte in Zusammenarbeit mit der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg und mit Unterstützung des Fördervereins des Landesmuseums in Halle (Saale) organisiert.

Nachdem bei den vergangenen drei Archäologentagen jeweils eine archäologische Teildisziplin im Mittelpunkt stand, wurde in diesem Jahr erstmals eine spezielle Thematik der Vorgeschichte aufgegriffen und unter verschiedenen Gesichtspunkten beleuchtet. Im interdisziplinären Diskurs konferierten unter anderem Vulkanologen, Klimatologen und Archäologen über die Eruption des Thera/Santorini in der Mitte des 17. Jh. v. Chr., die möglichen klimatischen Auswirkungen des Ausbruchs sowie deren eventueller kultureller Folgen in Europa.

Die 22 Referenten und neun Posterautoren aus insgesamt zwölf Ländern lockten über 230 Teilnehmer in das Audimax der Martin-Luther-Universität. Der dreitägige Kongress wurde mit dem Festvortrag des international renommierten Vulkanologen Prof. Dr. Hans-Ulrich Schmincke eröffnet, der über "How do large Plinian eruptions impact climate? With examples from Laacher See Volcano (12.900 BP), Laki (1783), Tambora (1815), Pinatubo (1991)" referierte. An den beiden Folgetagen wurde die Thematik in einer naturwissenschaftlichen und einer archäologischen Sektion intensiv erörtert.

Die Referenten & Veranstalter v.l.n.r. Harald Meller, Timothy Darvill, Jozef Bátora, Roberto Risch, Reinhard Jung. Louis D. Nebelsick, Johannes Müller, Carola Metzner-Nebelsick, Margarita Primas, Florian Innerhofer, Jaroslav PeÅ¡ka, Hans-Ulrich Schmincke, Joachim Friedrich Quack, Anna Michailidou, Giovanni Orsi, Walter Friedrich, Costas E. Synolakis, Annette Højen Sørensen, Wolf-Dietrich Niemeier, Walter Kutschera und François Bertemes (fehlend: Hans-Rudolf Bork und Frank Sirocko)
Vortrag des Festredners Hans-Ulrich Schmincke am Freitagabend.

Überblick

Die kulturellen Umbrüche im ostmediterranen Raum um 1600 v. Chr. werden seit Längerem mit dem bekannten Ausbruch des Vulkans auf Thera/Santorini, der sog. Minoischen Eruption, in Verbindung gebracht. Im Rahmen der Tagung wurde diskutiert, ob die in vielen Regionen Europas zu dieser Zeit feststellbaren kulturellen Umbrüche möglicherweise auch durch klimatische Veränderungen bedingt sein können und ob diese eventuell durch Vulkaneruptionen, wie etwa den genannten Thera-Ausbruch, verursacht wurden.

Die erste, naturwissenschaftliche Sektion befasste sich mit dem Ausbruch des Vulkans auf Thera und dessen unmittelbaren Folgen, wie beispielsweise der Tsunami-Welle, die als Langzeitfolge wahrscheinlich den Niedergang der minoischen Welt auf Kreta zu verantworten hat. In welchem Ausmaß diese und weitere vorgeschichtliche Eruptionen das überregionale Klima beeinflussten, wurde zum Beispiel durch die Betrachtung von alpinen Klimaindikatoren, Pollenprofilen und den daraus resultierenden Klima-Modellierungen versucht zu erörtern.

In der zweiten Sektion wurde ein archäologischer Transekt durch Europa gelegt, um einen eventuellen kulturellen Wandel oder entsprechende Kontinuitäten in den einzelnen Fundregionen zu beleuchten. Betrachtet wurden ausgehend vom unmittelbaren Umfeld des Thera/Santorini verschiedene Regionen Süd‑, Mittel- und Westeuropas. Für die Zeit von ca. 1650 bis 1550 v. Chr. wurden die archäologischen Zeugnisse der jeweiligen Kulturen - gegliedert nach Siedlungswesen, Grab- und Hortfundsitte - vorgestellt. Aufgrund der vergleichenden Datenbasis konnte die Frage nach dem Phänomen eines kulturhistorischen Wandels um 1600 in Europa diskutiert werden.

Den Bezug zwischen der Thematik „1600“ und dem mitteldeutschen Raum bildet vor allem der Hortfund von Nebra. Dieser verdeutlich die nicht zu unterschätzende Bedeutung der Zeit um 1600 v. Chr. für  Mitteldeutschland. Das Datum markiert mit dem Ende der Frühbronzezeit auch das vorläufige Ende der Hortfundsitte, deren prominentestes Beispiel mit Sicherheit die Niederlegung der Himmelsscheibe und ihrer Beifunde auf dem Mittelberg bei Nebra darstellt.

Ergänzend zum Vortragsprogramm bot sich die Möglichkeit eines Besuches der Dauerausstellung des Landesmuseums, bei welchem das Original der Himmelsscheibe von Nebra besichtigt werden konnte.


Veranstalter: Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt mit Unterstützung der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg

Organisation und Tagungsbüro: Anna Swieder M. A.