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Gröningen - Klosterkirche St. Vitus

Februar 2026

Die Klosterkirche St. Vitus des ehemaligen Benediktinerklosters Gröningen beherbergt bis heute einen herausragenden Bestand an hochromanischer Bauplastik und Wandmalerei. Das Kloster wurde 936 von der karolingischen Reichsabtei Corvey gegründet. Die heute überkommene, aus dem frühen 12. Jahrhundert stammende Flach­deckenbasilika war ursprünglich dreischiffig, mit Querhäusern und staffelartigem Chorabschluss ausgestattet. Nach der Auflösung des Klosters verfiel der Kirchenbau. In mehreren Etappen wurden Teile der Basilika abgetragen. Im 16. Jahrhundert wurde das südliche Seitenschiff (1566 bis 1570) niedergelegt, im 19. Jahrhundert das nördliche Seitenschiff und die Apsis aufgegeben. Die gegenwärtige neoromanische Ausmalung ist das Ergebnis der Restaurierungsmaßnahmen vom Anfang des 20. Jahrhunderts. Kunsthistorisch von herausragender Bedeutung und prägend für das Kirchenschiff ist der Blick auf den westlichen Kapelleneinbau, der um 1150/60 in den bestehenden Bau eingefügt wurde. Diesen gegenüber dem Kirchenschiff tiefer liegenden Raum überspannt ein Tonnengewölbe mit romanischer Gewölbemalerei. Nach Osten ist eine in das Kirchenschiff hineinragende Apsis gesetzt, die von einer polychromen Stuckempore geschmückt ist, auf der Christus als Weltenrichter, umgeben von den Aposteln im Hochrelief, dargestellt ist. Dieses Hauptwerk der Skulptur des 12. Jahrhunderts wurde bereits 1902 an das damalige Kaiser-Friedrich-Museum (heute Bode-Museum) übergeben. Die Klosterkirche erhielt im Tausch dafür die heute vorhandene Westempore, eine Nachbildung durch die Charlottenburger Gipsformerei.

Die unterhalb der Stuckempore erhaltenen monumentalen Wandmalereifragmente sind thematisch untrennbar mit den Stuckarbeiten verbunden und verweisen auf Christus als Weltenrichter. Sie sind in Form von Vorzeichnungen überkommen und stellen das Jüngste Gericht mit der Scheidung der Gestorbenen in Selige auf dem Weg ins Paradies und Verdammte auf dem Weg in die Hölle dar. Im unteren Bereich dargestellt: Ein aus himmlischen Sphären herabschwebender Engel bläst mit seiner Posaune die Toten zum Jüngsten Gericht, die sich aus ihren Gräbern erheben.

In der Kapelle selbst sind die Malereien der Tonne symmetrisch auf der Ost- und Westhälfte in drei einzelnen Bildfeldern und zwei Registern übereinander angeordnet. Im Tonnenscheitel werden die Bildfelder durch ein gemaltes Flechtband getrennt, in der Vertikalen zwischen den Bildern grüne Ornamentbänder mit Blättern. In der Horizontalen werden die zusammengehörenden Bildregister durch ein Schriftband in römischer Kapitalis getrennt. Die Bildpaare in Form typologischer Darstellungen nehmen Bezug auf Szenen des Alten und Neuen Testamentes, um eine heilsgeschichtliche Verbindung aufzuzeigen. Dabei werden Szenen des Alten Testamentes als Vorbedeutung zu sich erfüllenden Ereignissen im Neuen Testament interpretiert. 

So zum Beispiel das Bildfeld über dem Fenster (Abbildung 1) mit dem Titulus: + NEC RUBUS IGNE CALET HEC PORTA SERATA MANEBIT + (»Nicht verbrennt der Brombeerstrauch im Feuer/diese Pforte wird verschlossen bleiben«): Dargestellt ist die Erscheinung Gottes in Form eines Engels im brennenden Dornenbusch (rotes Rund) und zur Linken die nimbierte Figur des Moses. Zur Rechten, neben der Architekturdarstellung, die Figur des Propheten Ezechiel, der auf die »porta clausa«, die geschlossene Pforte, zeigt. Beide Bildinhalte – Moses vor dem Dornenbusch und Ezechiel mit der verschlossenen Pforte – sind Hinweise auf die unbefleckte Empfängnis Mariens und die jungfräuliche Geburt Christi. Als dazugehörige neutestamentarische Szene ist die Geburt Christi und die Hirtenverkündigung darüber angeordnet.Als weitere typologische Bildpaare kommen unter anderen vor: Isaaks Opfer und Kreuzigung, Quellwunder des Moses und Hochzeit zu Kana, Königin von Saba vor König Salomo und Huldigung der Heiligen Drei Könige.

Text: Torsten Arnold 
Online-Redaktion: Sarah Krohn

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