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19. Mitteldeutscher Archäologentag: ›fake prehistory‹. Fälschung, Betrug und Geschichtsklitterung in der Archäologie

Internationale Tagung in Halle (Saale) vom 7. bis zum 9. Oktober 2026

Der Mitteldeutsche Archäologentag wird seit 2008 jährlich vom Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt veranstaltet. Die internationale Tagung greift jeweils eine ausgewählte archäologische Thematik auf, um ausgehend von Funden oder Befunden Mitteldeutschlands im interdisziplinären Diskurs überregional neue Erkenntnisse zu gewinnen.

Die Archäologie tritt mit dem Anspruch an, aus fragmentarischen Indizien Geschichte zu rekonstruieren. Die Fragmentation der Überlieferung, das Fehlen von Puzzleteilen, hat schon immer auch dazu verleitet, Lücken mit mehr oder weniger begründeter Spekulation zu füllen. Dem gegenüber stehen Fälle von Betrug, gefälschten Funden und Befunden, die bei Bekanntwerden immer wieder das Fach erschüttern. Nicht immer geht es bei Fälschungen in der Archäologie jedoch nur um den individuellen Wunsch nach Ruhm oder auch um hohe Gewinnmargen im Antikenhandel. Die bewusste Verfälschung und Umdeutung archäologischer Ergebnisse mit dem Ziel, eine ideologisch erwünschte Deutung zu erzeugen, charakterisiert nicht nur die Fachgeschichte insbesondere der Prähistorischen Archäologie in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Mittlerweile ist das postfaktische Zeitalter auch in der Archäologie angekommen und die Erkenntnisse des Fachs werden erneut von verschiedener Seite massiv ideologisch vereinnahmt. Auf der internationalen Tagung in Halle (Saale) sollen einerseits am Beispiel bekannter Fälschungen archäologischer Objekte und Befunde Intention und Auswirkungen von Fälschungen auf die Glaubwürdigkeit des Faches diskutiert werden. Dabei soll es auch darum gehen, wie und mit welchen Methoden Fälschungen als solche erkannt werden können. In einem weiteren Panel soll es um die Hintergründe und Folgen bewusster Verfälschung und Umdeutung archäologischer Ergebnisse gehen. Wie kann und soll die Archäologie mit Versuchen ideologischer Vereinnahmung umgehen?

Programm

Mittwoch, 7. Oktober 2026

Ab 9.00 Uhr Anmeldung.

Hörsaal I am Steintor-Campus der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, Adam-Kuckhoff-Straße 35, 06108 Halle (Saale).


Einführung

10.00 bis 10.15 Uhr
Harald Meller (Halle [Saale]/DE), Oliver Dietrich (Halle [Saale]/DE), Alfred Reichenberger (Halle [Saale]/DE): Begrüßung und Einführung in das Thema.

10.15 bis 10.40 Uhr
Ulf Ickerodt (Schleswig/DE): Als der Archäologe zum Detektiv wurde oder warum Archäologen das Echte vom Falschen unterscheiden können.


Fälschungen archäologischer Funde und Befunde

10.45 bis 11.10 Uhr
Marcel Weiß (Halle [Saale]/DE): The Distortion of Human Origins – Faking ›the Oldes‹ in Palaeolithic Archaeology.


11.15 bis 11.45 Uhr – Kaffeepause.


11.45 bis 12.10 Uhr
Stefan Flohr (Hildesheim/DE): Die Causa Protsch – Die Geschichte eines multiplen Systemversagens.

12.15 bis 12.40 Uhr
Britta Stein (Halle [Saale]/DE): ›Die Hand Gottes‹ und ihre 168 Sünden – Fujimura Shin'ichi und die Paläolithische Befundfälschung in Japan.


12.40 bis 14.00 Uhr – Mittagspause.


14.00 bis 14.25 Uhr
Alexandra Anders (Budapest/HU), Pal Raczky (Budapest/HU): Between Authenticity and Forgery: Balkan Neolithic Figurines (Vinča and Beyond) in Hungarian Collections and the Art Market.

14.30 bis 14.55 Uhr
Regina Uhl (Berlin/DE), Malvinka Urák (Cluj-Napoca/RO): Echt alt oder alt gemacht? Neue Perspektiven auf die Tărtăria-Täfelchen.

15.00 bis 15.25 Uhr
François Bertemes (Halle [Saale]/DE): Die Erfindung der ›Minoer‹. Von der ›Re‹-Konstruktion der ersten europäischen Hochkultur zur systematischen Fälschung ›minoischer‹ Antiquitäten.

15.30 bis 15.55 Uhr
Stephan Faust (Halle [Saale]/DE): Die Tiara des Saitaphernes. Chronik eines Fälschungsskandals.


16.00 bis 16.30 Uhr – Kaffeepause.


16.30 bis 16.55 Uhr
Thomas Claus (Frankfurt am Main/DE): Der Goldkessel aus dem Chiemsee. Eine Spurensuche.

17.00 bis 17.25 Uhr
Alfred Reichenberger (Halle [Saale]/DE), Harald Meller (Halle [Saale]/DE): Fälschungsvorwürfe – Das Schicksal vieler großer Funde, dargestellt am Beispiel der Himmelsscheibe von Nebra.

17.30 bis 17.55 Uhr
Christian-Heinrich Wunderlich (Halle [Saale]/DE), Ernst Pernicka (Mainz/DE): Dass nicht sein kann, was nicht sein darf: Die Goldfunde von Bernstorf.


18.00 bis 18.30 Uhr – Kaffeepause.


18.30 bis 18.45 Uhr
Grußworte des Rektors der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg.


18.45 bis 19.45 Uhr – Festvortrag
Ernst Pernicka (Mainz/DE): Naturwissenschaftliche Methoden zum Nachweis von Fälschungen.


Ab 20.15 Uhr Abendempfang mit Buffet im Landesmuseum für Vorgeschichte (Richard-Wagner-Straße 9, 06114 Halle [Saale]).

Ab 21.15 Uhr besteht die Möglichkeit zum Besuch der Dauerausstellung und der Sonderausstellung ›Die Schamanin‹ im Landesmuseum – jeweils mit Führungen auf Deutsch und Englisch.


Donnerstag, 8. Oktober 2026

9.30 bis 9.55 Uhr
Stefan Lehmann (Köln/DE): Der sogenannte ›Alexander Stendal‹. 26 Jahre nach der Ausstellung ›Alexander der Große. König der Welt!‹ – Forschungsstand, Kontext und Authentizitätsdebatte.

10.00 bis 10.25 Uhr
Felix Biermann (Halle [Saale]/DE), Katrin Frey (Prenzlau/DE): Gefälschte Götterbilder des slawischen Frühmittelalters.

10.30 bis 10.55 Uhr
Gerrit Deutschländer (Halle [Saale]/DE): Das ›Constitutum Constantini‹ – Die kühnste aller Fälschungen des Mittelalters.


11.00 bis 11.30 Uhr – Kaffeepause.


11.30 bis 11.55 Uhr
Rudolf Simek (Bonn/DE): Fake Runes: Fake News, and Fake Old Hats.


Fake Prehistory in der Antike und außereuropäischen Kulturen

12.00 bis 12.25 Uhr
Tomoko Emmerling (Halle [Saale]/DE): Legitimation und Propaganda: Fake History in der Antike.

12.30 bis 12.55 Uhr
Heidi Köpp-Junk (Göttingen/DE): Das alte Ägypten, echt und falsch.


13.00 bis 14.30 Uhr – Mittagspause.


14.30 bis 14.55 Uhr
Ergün Laflı (İzmir/TR): Archäologische Fälschungen in der Türkei.

15.00 bis 15.25 Uhr
Ruben Mendoza (Monterey Bay/US): Inventing the Ancient Americas: Crystal Skulls, Master Forgers, and the Manufacture of Mesoamerican Prehistory.


Faking Prehistory. Ideologische Vereinnahmung archäologische Funde und Befunde

15.30 bis 15.55 Uhr
Robert Schumann (Halle [Saale]/DE): The fringes of prehistoric archaeology and the long shadow of the northern light.


16.00 bis 16.30 Uhr – Kaffeepause.


16.30 bis 16.55 Uhr
Harald Meller (Halle [Saale]/DE), Oliver Dietrich (Halle [Saale]/DE), Franziska Knoll (Halle [Saale]/DE), Kai Michel (Hamburg/DE): Vom weißen ›Indogermanen‹ zur dunkelhäutigen Frau. Die Schamanin von Bad Dürrenberg.

17.00 bis 17.25 Uhr
Uwe Kraus (Halle [Saale]/DE): Von Häusern, Öfen und Gräbern: Die vermeintlich erfolgreiche Suche nach den Wohnstätten der schnurkeramischen ›Ur-Indoeuropäer‹.

17.30 bis 17.55 Uhr
Luitgard Löw (Bamberg/DE): Die gefälschte Adlerfibel. Fälschung und politische Wissensproduktion in der Archäologie des Nationalsozialismus.

18.00 bis 18.25 Uhr
Donat Wehner (Halle [Saale]/DE), Andreas Stahl (Halle [Saale]/DE), Jörg Orschiedt (Halle [Saale]/DE): König Heinrich I. (verstorben am 2. Juli 936) und der Schädelkult der SS.


Ab 19.00 Uhr Möglichkeit zum gemeinsamen Abendessen (Selbstzahler).


Freitag, 9. Oktober 2026

9.30 bis 9.55 Uhr
Oliver Dietrich (Halle [Saale]/DE): Friedrich Ratzels ›Anthropogeographie‹, die Kulturkreislehre und Gustaf Kossinnas ›Siedlungsarchäologische Methode‹. Überlegungen zur Genese eines Paradigmas.

10.00 bis 10.25 Uhr
Jan Kellershohn (Halle [Saale]/DE): ›Volkheit‹. Hans Hahne und die Entstehung des Volkes als wissenschaftliche Tatsache.

10.30 bis 10.55 Uhr – ENTFÄLLT
Ralf Hoppadietz (Leipzig/DE): Geschichtsdarstellungen und -bilder über ›die Germanen‹ und das Verhältnis zu ›Freilichtmuseen‹ in freier Trägerschaft (Arbeitstitel). 

11.00 bis 11.25 Uhr
Holger Grönwald (Halle [Saale]/DE): Militaristischer Nationalismus in völkisch-heidnischer Tradition? Gefälschte Geschichte und Archäologie beim Missbrauch der Kyffhäuser-Burgen.


11.30 bis 12.30 Uhr – Mittagspause.


Pseudoarchäologie

12.30 bis 12.55 Uhr
Stefan Baumann (Leuven/BE): Between Ignorance and Intent: The Methods and Appeal of Pseudoarchaeology.

13.00 bis 13.25 Uhr
Leif Inselmann (Berlin/DE): Von Ariern zu Aliens ‒ Ideengeschichte(n) der Pseudoarchäologie.

13.30 bis 13.55 Uhr
Jens Notroff (Berlin/DE): Arier, Aliens und Atlantis – Ideologische Aneignung und pseudowissenschaftliche Konstruktion von Geschichte.


›Fälschung‹ digitaler Forschungsdaten

14.00 bis 14.25 Uhr
Christin Keller (Berlin/DE): Zwischen Datenkritik und archäologischer Glaubwürdigkeit: Digitale Forschungsdaten und die Frage ›Was ist echt?‹.


15.00 Uhr
Abschlussdiskussion.


Ab 15.30 Uhr besteht die Möglichkeit zur Teilnahme an einer Führung durch das Archäologischen Museum der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg mit Stephan Faust. Der Treffpunkt ist das Löwengebäude am Universitätsplatz, Halle (Saale).

Wissenschaftliche Leitung

Prof. Dr. Harald Meller (Halle [Saale]/DE)
Dr. Oliver Dietrich (Halle [Saale]/DE)
Alfred Reichenberger (Halle [Saale]/DE)

Anmeldung und Koordination

Wir bitten um Anmeldung bis zum 15. September 2026 per E-Mail an cgaertner@lda.stk.sachsen-anhalt.de. Die Vortragenden wurden bereits automatisch angemeldet.

Die Tagungsgebühren betragen 45,00 € pro Person, ermäßigt 20,00 €. Referentinnen und Referenten, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Landesamts für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt, Studierende der Universitäten Halle-Wittenberg, Leipzig, Jena sowie die ehrenamtlich Beauftragen der archäologischen Bodendenkmalpflege des Landesamts für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt haben kostenfreien Zugang zur Tagung. Es wird jedoch auch hier um Anmeldung gebeten.  

Claudia Gärtner M. A.
Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt
Landesmuseum für Vorgeschichte
Richard-Wagner-Straße 9
06114 Halle (Saale)
+49 345 5247-372
cgaertner@lda.stk.sachsen-anhalt.de

Während der Veranstaltung werden Foto- und Videoaufnahmen gemacht, die der Dokumentation und Öffentlichkeitsarbeit dienen.

Veranstaltungsort

Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg
Steintor-Campus, Hörsaal I
Adam-Kuckhoff-Straße 35
06108 Halle (Saale)

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