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Aktuelle Einblicke in die Arbeiten am Grabmal Ottos des Großen im Magdeburger Dom – Ergebnisse archäologischer Untersuchungen am Standort des Grabmals

11. Juni 2026

Die folgende Presseinformation ist auch als PDF [0,6 MB, nicht barrierefrei] zum Herunterladen erhältlich.

Seit Januar 2025 ist das stark geschädigte Grabmal Kaiser Ottos des Großen im Magdeburger Dom Gegenstand eines umfangreichen Projektes zur Dokumentation und Konservierung dieses bedeutenden Denkmals. Im Verlauf dieses Projektes, das durch die Kulturstiftung Sachsen-Anhalt und das Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt in enger Abstimmung mit der Evangelischen Domgemeinde und der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland durchgeführt wird, wurden der steinerne Sarkophag sowie der darin aufgefundene, ebenfalls stark konservierungsbedürftige Holzsarg geöffnet. Sein Inhalt wurde dokumentiert und zur Sicherung, Erhaltung und Untersuchung entnommen. Derzeit erfolgt die Sanierung des Steinsarkophags in einer gesonderten Einhausung im Langhaus des Magdeburger Domes. Zeitgleich wird der Standort des Grabmals im Hohen Chor archäologisch untersucht.

Das Grabmal Ottos I. im Magdeburger Dom – ein gefährdetes Denkmal

Otto I., der durch die Wiederbelebung des römischen Kaisertums den Grundstein für das spätere Heilige Römische Reich legte, ist eine zentrale Figur der europäischen Geschichte. Sein Grabmal im Magdeburger Dom ist daher auch über die Landesgrenzen Sachsen-Anhalts hinaus ein Denkmal von erheblichem kulturhistorischen Wert. Seiner Pflege und Erhaltung kommt aus Sicht der Kulturstiftung Sachsen-Anhalt als Eigentümerin des Magdeburger Domes, der Evangelischen Domgemeinde als Nutzerin des Gotteshauses sowie des Landesamts für Denkmalpflege und Archäologie (LDA) Sachsen-Anhalt als zuständigem Denkmalfachamt oberste Priorität zu.

Im Rahmen des turnusmäßigen gemeinsamen Monitorings der Kulturstiftung Sachsen-Anhalt und des Landesamts für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt wurden am Grabmal Ottos des Großen im Jahr 2024 besorgniserregende Schäden beobachtet. Beide Institutionen sahen sich daher gezwungen, Maßnahmen zur Konservierung dieses bedeutenden Denkmals in die Wege zu leiten.

Rückblick: bisherige Dokumentationsmaßnahmen und Untersuchungen

Aufgrund seiner akuten Gefährdung steht das Grabmal Ottos des Großen seit Januar 2025 im Mittelpunkt eines gemeinsamen Projektes der Kulturstiftung Sachsen-Anhalt und des Landesamts für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt. In dessen Verlauf wurden der Sarkophag und sein Umfeld zunächst umfassenden nicht-invasiven Dokumentationsmaßnahmen unterzogen. Um den Steinkasten sanieren zu können, war es notwendig, die rund 300 Kilogramm schwere marmorne Deckplatte abzunehmen, den innenstehenden, ebenfalls stark geschädigten Holzsarg zu öffnen, dessen Inhalt zu dokumentieren und zu bergen. Die hierin aufgefundenen Gebeine können, wie anthropologische und genetische Untersuchungen ergaben, tatsächlich mit den sterblichen Überresten Ottos I. identifiziert werden (siehe die Pressemitteilung vom 18. März 2026). Sie sollen am 1. September 2026 in einem neu gestalteten Sarg, der derzeit im Ergebnis eines von der Kunststiftung Sachsen-Anhalt initiierten Wettbewerbs entsteht, im Magdeburger Dom wieder beigesetzt werden.

Aktuell laufende Maßnahmen I: Sanierung des steinernen Sarkophags

Als Ursachen für die akute Gefährdung des steinernen Sarkophags ließen sich, im Zusammenspiel mit den erheblichen klimatischen Schwankungen und den teils extremen Luftfeuchtewerten im Dom, einerseits die eisernen Nägel und Klammern identifizieren, die mutmaßlich im 19. Jahrhundert eingebracht wurden und deren fortschreitende Korrosion den Stein zu sprengen drohte. Andererseits sind die Schäden auch auf aus dem Untergrund aufsteigende Feuchtigkeit und Salze zurückzuführen.

Daher ist zur dauerhaften Erhaltung und Sicherung des Grabmals auch eine Ertüchtigung des Untergrunds notwendig. Um diese durchführen zu können, wurde der Kalksteinsarkophag Anfang 2026 mit Hilfe einer maßgeschneiderten Transportkonstruktion von seinem Standort entfernt und in eine eigens errichtete zweite Einhausung innerhalb des Domes verbracht. Dort findet derzeit die behutsame Sanierung des Steintroges statt. Diese beinhaltet insbesondere die Entfernung der schädlichen, korrodierenden Eisenbestandteile (Nägel und Klammern). Auch die marmorne Deckplatte wird in der Einhausung von potentiell gefährlichen Eisenklammerresten befreit.

Aktuell laufende Maßnahmen II: Archäologische Untersuchung des Sarkophagstandortes

In Vorbereitung der Ertüchtigung des Sarkophagstandortes erfolgt noch bis Ende Juni 2026 daneben dessen archäologische Untersuchung und Dokumentation durch das Landesamts für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt.

Die Versetzung des Sarkophags erlaubte einen ersten Blick auf das Fundament des Grabmals. Im Osten und Westen ruhte es jeweils auf einem großen Sandsteinquader. Die Steine entsprechen in ihren Ausmaßen der Breite des Kalksteintrogs. Im westlichen Fundamentbereich waren Eisenkeile unter den Trog geschoben worden, die mittlerweile stark korrodiert sind und der ihnen zugedachten Funktion der Nivellierung nicht mehr gerecht wurden. Wie die Grabung zeigte, lagen die oberflächlich sichtbaren Fundamentsteine auf je einem deutlich längeren Sandstein, bei denen es sich um Werksteine in Zweitverwendung handelt. Zwei der Unterbausteine tragen spätmittelalterliche Steinmetzeichen. Sie stellen einen Hinweis darauf dar, dass der Sarkophag im Verlauf der Zeit mehrfach verstellt wurde.

Schutt- und Auffüllschichten an und unter dem Sarkophagstandort zeugen von verschiedenen mittelalterlichen und neuzeitlichen Baumaßnahmen im Hohen Chor. Bei der Ausgrabung wurde außerdem das bekannte, aber nach wie vor rätselhafte Gangsystem unter dem Fußboden im Hohen Chor erfasst. Die in Teilen wohl bis in das Mittelalter zurückreichenden Gänge wurden im 19. Jahrhundert in weiten Bereichen verfüllt, um das Absacken des Bodens zu unterbinden. Die Untersuchung erbrachte keine Hinweise darauf, dass sich das Grab Ottos des Großen im Vorgängerbau des heutigen Domes ebenfalls an dieser Stelle befand. Die Frage nach der ursprünglichen Lage des kaiserlichen Grabes muss also vorerst weiter offenbleiben.

Vor allem in den oberen untersuchten Schichten fand sich ein breites Spektrum an Funden, unter anderem Münzen, Glasperlen, Marienglas (Fragmente aus durchsichtigem kristallinem Gips, die beispielsweise als Fensterverglasung Verwendung fanden), glasierte Dachziegel, Keramik und Knochen. Stecknadeln gehörten einst zur Kleidung der Kirchgänger und gingen leicht verloren. Eine Bleikugel, die nicht weit unter dem Fußboden gefunden wurde, zeugt von der bewegten Vergangenheit Magdeburgs. Das Gros der Funde bilden bemalte Putzfragmente, die von der prächtigen farbigen Ausgestaltung der Vorgängerbauten des heutigen Magdeburger Domes zeugen.

Das Kooperationsprojekt

Sämtliche Maßnahmen am Grabmal Ottos des Großen erfolgen in Kooperation der Kulturstiftung Sachsen-Anhalt und des Landesamts für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt sowie in Abstimmung mit der Evangelischen Domgemeinde und der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland. Die liturgische Nutzung des Gotteshauses wird nicht beeinträchtigt. Auch die Einschränkungen für Besucherinnen und Besucher des Domes werden so gering wie möglich gehalten. So sind sowohl das Chorgestühl im Hohen Chor als auch die Skulpturen des Heiligen Mauritius und der Heiligen Katharina aus dem 13. Jahrhundert weiterhin zu sehen. Eine Texttafel und eine Bildschirmpräsentation an der Einhausung des Grabmals informieren über den Grund des Einbaus und werden bei wesentlichen neuen Entwicklungen und Erkenntnissen aktualisiert. Die Öffentlichkeit wird weiterhin in geeigneten Abständen über den Fortgang der Arbeiten informiert werden.

Hintergrund: Das Grabmal Ottos des Großen im Magdeburger Dom

Otto I. der Große (geboren am 23. November 912; gestorben am 7. Mai 973 in Memleben) aus dem Geschlecht der Liudolfinger ist als Neubegründer des Kaisertums in Westeuropa und Mitteleuropa in der Nachfolge des antiken Römischen Reichs sowie der Herrschaft Karls des Großen eine zentrale Figur der europäischen Geschichte. Er war die treibende Kraft hinter der Erhebung Magdeburgs zum Erzbistum im Jahr 968, der die Stadt an der Elbe ihren wirtschaftlichen und kulturellen Aufschwung zu verdanken hatte. Im Magdeburger Dom wurde er nach seinem Tod 973 in Anwesenheit der Erzbischöfe Adalbert von Magdeburg und Gero von Köln an der Seite seiner 946 verstorbenen Frau Editha beigesetzt. Seit dem Domneubau im 13. Jahrhundert befindet sich das Grabmal des Kaisers zentral im Binnenchor des Magdeburger Domes.

Bei dem Grabmal Ottos des Großen im Magdeburger Dom handelt es sich um einen Sarkophag aus einem an allen vier Seiten kassettierten, monolithischen Block aus Kalkstein. Die Abdeckung bildet eine wiederverwendete antike Marmorplatte. Das Grabmal wurde zuletzt im 19. Jahrhundert geöffnet. Damals wurde der Sarkophag repariert und konstruktiv ertüchtigt. Auf der Marmorplatte wurde 1937 eine durchbrochene Gedenkinschrift aus Gussmetall angebracht. Nach 1945 wurde zur Entlastung der an den Längsseiten weit auskragenden Deckplatte eine stützende Metallkonstruktion hinzugefügt, die ihren Zweck jedoch nur in geringem Maße erfüllte. Zudem tragen gerade die Eingriffe des 19. Jahrhunderts erheblich zu der oben skizzierten Gefährdung des Grabmals bei, zu deren Behebung die beschriebenen Maßnahmen dienen sollen.

Kontakte

Dr. Tomoko Emmerling | Dr. Oliver Dietrich
Öffentlichkeitsarbeit
+49 345 5247-384 | -334
oeffentlichkeitsarbeit@lda.stk.sachsen-anhalt.de

Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt


Manuela Werner

Pressesprecherin
+49 345 5484699-622
manuela.werner@kulturstiftung-st.de

Kulturstiftung Sachsen-Anhalt
 

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