Erster sicher nachgewiesener Hortfund von Denaren der Römischen Republik in Sachsen-Anhalt – Sensationeller Münzfund in Halle (Saale)
22. Juli 2026
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Silbermünzen aus der Zeit der römischen Republik sind in Mitteldeutschland eine Seltenheit. Republikanische Denare waren in Sachsen-Anhalt bisher nur als Einzelfunde oder aus Ankäufen bekannt. Nun wurde in Halle (Saale) durch den ehrenamtlich beauftragten Bodendenkmalpfleger Dirk Braungardt ein Hortfund mit fünf Silberdenaren entdeckt. Das Fehlen kaiserzeitlicher Münzen deutet darauf hin, dass das Ensemble bereits um das Jahr 0 nach Halle kam. Der Fund ist ein wichtiger Beitrag zum besseren Verständnis der Beziehungen zwischen dem römischen Reich und den Gesellschaften im Barbaricum.
Entdeckung des Silberhorts
In Halle (Saale) wurden im Jahr 2025 durch den ehrenamtlich beauftragten Bodendenkmalpfleger Dirk Braungardt fünf Silbermünzen aus der Zeit der Römischen Republik entdeckt. Es handelt sich um Denare, wobei ein Stück 148 vor Christus sowie vier weitere Münzen zwischen 82 und 79 vor Christus geprägt wurden. Sie gehören damit in die Spätphase der Republik.
Die Münzen wurden auf eng begrenztem Raum geborgen. Einstmals dürften sie zusammen gelegen haben. Denkbar ist beispielsweise der Inhalt einer kleinen Börse, die im Boden deponiert wurde oder verloren ging. Die Verteilung der Münzen zum Fundzeitpunkt dürfte auf den Pflug, Erosionsprozesse oder Tieraktivität zurückzuführen.
Republikanische Münzen in (Nordost)Deutschland
sind vom heutigen Landesgebiet lediglich 19 republikanische Münzen bekannt. Nahezu alle wurden als Einzelfunde entdeckt. An mehr als der Hälfte der Fundplätze sind zudem kaiserzeitliche Münzen nachgewiesen worden. Eine Ausnahme bilden vier Münzen aus Großleinungen, deren ursprüngliche Fundumstände jedoch nicht mehr rekonstruiert werden können, da es sich bei ihnen um einen Ankauf aus dem Jahr 1897 handelt. Somit stellt der Neufund in Halle nach derzeitigem Kenntnisstand den ersten kleinen Hortfund republikanischer Denare in Sachsen-Anhalt dar.
Auch im überregionalen Vergleich ist der Fund von großer Bedeutung. Während in Thüringen und Niedersachsen deutlich mehr republikanische Denare nachgewiesen sind, sowohl als Einzelfunde als auch als Bestandteile von Hortfunden, nimmt ihre Funddichte nach Nordosten deutlich ab. Abgesehen von den Hortfunden von Niemegk in Brandenburg und Zettemin in Mecklenburg-Vorpommern ist die Zahl republikanischer Silbermünzen in den nordostdeutschen Bundesländern gering und bewegt sich insgesamt in einer Größenordnung, wie sie für Sachsen-Anhalt bekannt ist. Nicht zuletzt durch eine intensivere archäologische Prospektion und den Einsatz ehrenamtlicher Sondengänger haben die Fundzahlen in den vergangenen beiden Jahrzehnten zugenommen. Gleichwohl bleiben republikanische Denare im nordostdeutschen Raum selten. Dass sie dennoch bis hierher gelangten, spricht dafür, dass ihnen auch im Barbaricum ein materieller und vermutlich auch sozialer Wert beigemessen wurde und verdeutlicht zugleich die Reichweite der damaligen Austausch- und Kontaktnetzwerke.
Graffitis auf den Münzen
Die fünf Münzen selbst weisen deutliche Gebrauchsspuren auf und waren offenbar lange im Umlauf. Republikanische Denare blieben auch innerhalb des Römischen Reiches über einen langen Zeitraum gültig und waren selbst bis zum Ende des 1. Jahrhunderts nach Christus noch Bestandteil des Geldverkehrs. Die Zusammensetzung des kleinen Hortes entspricht einem plausiblen Umlaufverband, wie er auch innerhalb des Römischen Reiches zu erwarten wäre. Auffällig ist, dass vier der fünf Münzen innerhalb eines sehr kurzen Prägezeitraums (82 bis 79 vor Christus) entstanden. Ebenso erwähnenswert ist das Vorkommen von drei sogenannten Serrati, also Denaren mit gezähntem Rand – in zwei Fällen sogar mit Graffiti. Wozu die Zähnung des Randes diente, ist umstritten. Der Nachweis, dass die Münze komplett aus Silber besteht, ein Schutz vor dem Beschneiden der Münze oder ein rein dekorativer Effekt werden diskutiert. Der Historiker Tacitus beschreibt für die Germanen eine Vorliebe für solche Münzen. Dies erscheint mit Blick auf das gesamte bisher bekannte Fundmaterial römischer Münzen im Barbaricum aber eher unwahrscheinlich.
Unter der Annahme, dass die Münzen als geschlossenes Ensemble, möglicherweise sogar auch als Teil eines ursprünglich größeren Denarhortes, nach Halle gelangten, könnte das Fehlen kaiserzeitlicher Münzen darauf hindeuten, dass der Zufluss bereits um die Zeitenwende oder wenig später erfolgte. Wären die Münzen erst deutlich später in die Region gelangt, wäre das eher das gemeinsame Auftreten mit kaiserzeitlichen Prägungen zu erwarten, wenngleich diese Interpretation hypothetisch bleibt.
Da im Gebiet des heutigen Sachsen-Anhalts keine Geldwirtschaft bestand, sind die Denare nicht als Zahlungsmittel im römischen Sinne, sondern als Silberobjekte mit materiellem und sozialem Wert zirkuliert. Sie dürften im Rahmen überregionalen Austauschs nach Halle gelangt sein. Hier kommen Fernhandel, Subsidienzahlungen, diplomatische Geschenke, und Weitergaben innerhalb germanischer Netzwerke ebenso in Betracht wie militärische Konflikte. Neben schriftlichen Erwähnungen lassen sich in Mitteldeutschland die Vorstöße unter den Feldherren Drusus (9 vor Christus), Ahenobarbus (3 vor Christus) und dem späteren Kaiser Tiberius (5 nach Christus) archäologisch durch Münzfunde nachvollziehen, die in Sachsen-Anhalt etwa im Abstand von 20 Kilometern, entsprechend einem Tagesmarsch, auftreten. Seit kurzem sind im Land auch römische Marschlager bekannt, die momentan jedoch späteren Feldzügen zugeordnet werden (siehe die Presseinformation vom 15. Januar 2026 zu den römischen Marschlagern in Sachsen-Anhalt).
Der Fund aus Halle erweitert den bisherigen Kenntnisstand zur Verbreitung republikanischer Silbermünzen in Mitteldeutschland und zeigt, dass auch kleine Hortfunde einen Beitrag zum Verständnis der Beziehungen zwischen dem Römischen Reich und den Gesellschaften jenseits seiner Grenzen leisten können.
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