Eine durchorganisierte Montanlandschaft? – Vorgeschichtliche Metallurgie im Umfeld von Klostermansfeld
Januar 2026
Die Gemeinde Klostermansfeld und das unmittelbar südlich sich anschließende Benndorf liegen im Landkreis Mansfeld-Südharz, im Übergangsbereich zwischen dem südöstlichen Harzvorland und dem Mansfelder Land. Die durchschnittliche Höhe über dem Meeresspiegel beträgt circa 220 Meter bis 230 Meter über Normalnull. Das hügelige Relief (Abbildung 1) mit einigen Plateaus und Taleinschnitten ist durch Braunerden auf Lössablagerungen geprägt. Allerdings wurde die Landschaft vor Ort durch enorme Bergbautätigkeiten in den letzten Jahrhunderten stark anthropogen überprägt und verändert.
Der sicher nachgewiesene Kupfererz-/ Kupferschieferabbau setzte der Legende nach im 12./13. Jahrhundert ein. Ein früherer Abbau vor allem von Silber, Blei, Kupfer oder Eisenerzen reicht im angrenzenden Harz vermutlich bis in die Bronzezeit, doch erschweren die Überprägungen bis in die Moderne eindeutige Nachweise. Aus dem abgebauten Schiefer mit einem Kupfergehalt von ungefähr ein bis drei Prozent wurden in einem mehrstufigen technologischen Prozess vor allem Kupfer, aber auch Silber oder andere Edelmetalle gewonnen. Zunächst erfolgte ein oberflächennaher Erzabbau, doch im Verlaufe des 15. Jahrhunderts waren durch die Anlage von Entwässerungsstollen größere Tiefen erreichbar. Nach einer Blütezeit unter anderem im 16. Jahrhundert und einem Höhepunkt um 1900 wurde der Abbau auch in der DDR fortgesetzt, bis er schließlich 1990 endete. Zahlreiche kleine Abraumhalden, aber auch hoch aufragende, weithin sichtbare Spitzkegelhalden (“Pyramiden“) sowie viele andere Überreste, wie Stollen, Bahnen, Industriebauten etcetera, sind Zeugen dieser intensiven bergbautechnischen Tätigkeiten in der Region.
Ihre Spuren zeigten sich auch im Bereich einer Gastrasse südlich von Benndorf. Die Fläche wurde im Winter 2020/2021 archäologisch untersucht (Grabungsleitung vor Ort: A. Gallus, Projektleitung: J. Fahr): Im Vorfeld der Verlegung dieser Trasse zeigte sich an einem nach Osten ausgerichteten Hang ein mehrphasiger Siedlungs- und Bestattungsplatz (Abbildung 2). Auf dem Plateau in der Höhe (circa 245 Meter über Normalnull) konzentrierten sich mehrere endneolithische Bestattungen der Glockenbecherkultur. An dem sich östlich anschließenden, etwa 250 Meter langen Hang, zeigten sich Hausgrundrisse einer bandkeramischen Siedlung, allerdings überprägt durch mehrere noch sichtbare oder geschliffene Halden des Kupferschieferbergbaus. Am Talfuß (unter 230 Meter über Normalnull) folgte schließlich ein vor allem in der Römischen Kaiserzeit intensiv genutztes Siedlungs- und Wirtschaftsareal. Aus dem kleinen Tal entwässert heute – falls er nicht trockenfällt – zumindest zeitweise der Katzenwinkelbach in die geographisch einzig mögliche Richtung nach Süden.
In diesem Taleinschnitt wurde ein bis zu 1,40 Meter mächtiges Schichtpaket der Römischen Kaiserzeit angetroffen, das sowohl Spuren von Wirtschaftsbereichen als auch Siedlungsreste enthielt. Innerhalb von Verhüttungsarealen fiel besonders ein äußerst gut erhaltener Rennfeuerofen auf, da dessen Ofenschacht aus gebranntem Lehm (Abbildung 3 und 4) mit einer Wandstärke von bis zu 0,06 Meter bis zu einer Höhe von 0,45 Metern stehen geblieben war. Die unterhalb des Schachtes freigelegte glockenförmige Arbeitsgrube mit Öffnung nach Norden wies im Bereich der Sohle eine Holzkohlekonzentration auf. Darüber folgte eine etwa 0,26 Meter hohe Schlackekonzentration. Solche freistehenden Öfen sind durch steilwandige Gruben von circa 0,50 Metern Durchmesser und Tiefe sowie dem darüber aufgebauten Schacht aus gebranntem Lehm charakterisiert. In der Grube sammelten sich während des Verhüttungsprozesses die entstehenden Schlacken, darüber entstand aus Raseneisenerz und Holzkohle durch die zugeführte Hitze die teigige bis feste Eisenluppe. Nach archäologischen Experimenten wurden mit den Verhüttungsvorgängen mindestens 4 Kilogramm Luppe erzeugt.
Die kolluviale Überdeckung des unmittelbaren Umfeldes mit einer enormen Schwemmschicht erwies sich bei dem Benndorfer Rennfeuerofen als seltener Glücksfall. Dadurch war der sonst oft nicht mehr vorhandene Schacht noch unmittelbar in situ stehen geblieben. In Folge des Hangrutsches neigte sich der Ofen lediglich etwas nach Süden. Spuren hoher Hitzeeinwirkung zeichneten sich im Umfeld der Düsenöffnung ab. Sie lassen darauf schließen, dass der Rennfeuerofen in Gebrauch gewesen war. Nach dem Entfernen einer massiven und schweren Schlothälfte offenbarte ein Blick ins Innere die Folgen des Hangabganges: Das Erdmaterial war durch die Öffnung eingedrungen und presste die inneren Bestandteile an die südliche Wand. Ein großes Schlackefragment drang nach oben, bis es sich im Rauchfang verkeilte.
Möglicherweise wurde das Eisenerz als Raseneisenerz in dem Tal, also dem Niederungsbereich mit hochliegendem Grundwasserspiegel direkt vor Ort gewonnen. Es könnte aber auch aus Vererzungszonen am Taleinschnitt stammen. Nach dem Abbau unter der Humusdecke folgten die Trocknung, das Rösten und Zerkleinern. So vorbereitet stand es für die Verhüttungsprozesse zur Verfügung. Anschließend waren noch eine Reinigung und Weiterverarbeitung der Luppen notwendig. Mehrere Röstgruben belegen, dass der Verhüttungsplatz trotz des massiven Hangrutsches nicht aufgegeben wurde. Sie lagen im Bereich des oberen Abschlusses der massiven Schwemmschicht, das heißt in deutlich höheren Horizonten als der Arbeitsbereich des Rennfeuerofens. Insgesamt ist eine Nutzung des Benndorfer Fundplatzes aufgrund der geborgenen Bronze- und Silbermünzen (Abbildung 5) (Bergung A. Karcher, Bestimmung A. Tauschensky) sowie anderer Gegenstände in einen Zeitraum während des 2. und 3. Jahrhunderts nach Christus einzugrenzen.
Darüber hinaus verweisen geborgene Hackbronzen (Abbildung 6) auf die Verarbeitung von Altmaterial (Recycling), eventuell sogar auf überregionalen Handel. Im überregionalen Vergleich sind ähnliche Ofenüberreste aus kaiserzeitlichen Siedlungen oft aus deren Peripherie belegt, wie es auch in Benndorf der Fall ist. Spannenderweise ist aus dem Nordschwarzwald bei Neuenbürg (Grösseltal) ebenfalls Eisenverhüttung (hier allerdings der Vorrömischen Eisenzeit) in Tallage am Fuß eines zu Rutschungen neigenden Hanges nachgewiesen. Zudem sei auf die klimatischen Veränderungen im 2./3. Jahrhundert nach Christus verwiesen. Sie verliefen nach der jüngeren Forschung regional sehr unterschiedlich und dürfen nicht beispielsweise europaweit generalisiert werden. Wahrscheinlich ist das Klima unsteter, wechselhafter geworden, was zum Teil mit Starkregenereignissen verbunden war. Es ist davon auszugehen, dass für die Produktion der Holzkohle, die für die Eisenerzverhüttung benötigt wurde, das weitere Umfeld des Fundplatzes entwaldet wurde beziehungsweise das Brennmaterial sogar aus dem angrenzenden Harz herbeigeschafft werden musste. Zudem ist von erheblichen Bodeneingriffen für die notwendige Lehmgewinnung auszugehen. Offenbar war die Landschaft daher bereits lange vor dem belegten mittelalterlichen bis modernen Kupferschieferbergbau stark anthropogen überprägt, so dass die lokale Topographie mit den Hanglagen und dem nach einer Seite geöffneten Taleinschnitt bei Starkregenereignissen Auswirkungen haben konnte. Im Zusammenspiel menschlichen Siedlungs- und Wirtschaftsverhaltens und den damit verbundenen Eingriffen sowie Ressourcenzugriffen ergibt sich durchaus das Bild einer zunehmend kahl-übernutzten Landschaft. Massive Erosionsereignisse im Fall von Starkregenereignissen wären somit nicht überraschend.
Zudem sei auf die klimatischen Veränderungen im 2./3. Jahrhundert nach Christus verwiesen. Sie verliefen nach der jüngeren Forschung regional sehr unterschiedlich und dürfen nicht beispielsweise europaweit generalisiert werden. Wahrscheinlich ist das Klima unsteter, wechselhafter geworden, was zum Teil mit Starkregenereignissen verbunden war. Es ist davon auszugehen, dass für die Produktion der Holzkohle, die für die Eisenerzverhüttung benötigt wurde, das weitere Umfeld des Fundplatzes entwaldet wurde beziehungsweise das Brennmaterial sogar aus dem angrenzenden Harz herbeigeschafft werden musste. Zudem ist von erheblichen Bodeneingriffen für die notwendige Lehmgewinnung auszugehen. Offenbar war die Landschaft daher bereits lange vor dem belegten mittelalterlichen bis modernen Kupferschieferbergbau stark anthropogen überprägt, so dass die lokale Topographie mit den Hanglagen und dem nach einer Seite geöffneten Taleinschnitt bei Starkregenereignissen Auswirkungen haben konnte. Im Zusammenspiel menschlichen Siedlungs- und Wirtschaftsverhaltens und den damit verbundenen Eingriffen sowie Ressourcenzugriffen ergibt sich durchaus das Bild einer zunehmend kahl-übernutzten Landschaft. Massive Erosionsereignisse im Fall von Starkregenereignissen wären somit nicht überraschend.
Bereits in den Jahrhunderten zuvor gab es ähnliche Eingriffe in der direkten Umgebung: Bei zwei anderen Leitungsverlegungen wurden auch dort bislang unbekannte Eisengewinnungs-/ -verarbeitungsplätze der Vorrömischen Eisenzeit bis Römischen Kaiserzeit nachgewiesen (Juli/ August 2020: circa 1 Kilometer östlich von Klostermansfeld: Grabungsleitung A. Heckendorff, Projektleitung: J. Fahr und März/ April 2024 Grabungsleitung: C. Rauh, Projektleitung J. Fahr). 2020 zeigten sich ebenfalls an der Peripherie einer möglicherweise zeitweise aufgesuchten Siedlung der Vorrömischen Eisenzeit einige mitunter mehrfach genutzte Verhüttungsöfen (Abbildung 7), außerdem zahlreiche Schlackefragmente. Aufgrund der Lage auf einem Plateau scheint es hier zumindest wahrscheinlich, dass Erze aus verwitterungsbedingten Anreicherungen an einer nahegelegenen Hangkante des unteren Buntsandsteins genutzt wurden.
Im Jahr 2024 konnten circa 0,6 Kilometer südöstlich der Benndorfer Fundstelle in Fortsetzung des Taleinschnittes des Katzenwinkelbaches (heutiger Name: Wilder Graben) bei einem Fundplatz der Vorrömischen Eisenzeit und Römischen Kaiserzeit auf der hochwasserfreien Terrasse oberhalb des Feuchtgebietes Fragmente von Essesteinen (Abbildung 8) geborgen werden. Solche Steine dienten bei Schmiedeplätzen als Hitzeschutz für die Blasebalge von Schmiedeessen. Diese waren besonders wichtig, denn Eisen kann nicht gegossen, sondern nur mechanisch verformt werden.
Zusammengefasst haben die archäologischen Dokumentationen der letzten Jahre das Bild der Eisenverhüttung in der Region deutlich erweitert.Trotz des ausschnitthaften Charakters der untersuchten Trassen erbrachten sie bedeutende Erkenntnisgewinne. Nachgewiesen sind nun Eisenherstellung, aber auch gezielte Wiederverarbeitung von Altmaterial (Recycling), unter anderem von Bronze. Ob, wie im Mittelalter und im modernen Kupferschieferbergbau, möglicherweise zum Beispiel auch Silber gewonnen wurde, bleibt vorerst im Unklaren. Sicher ist jedoch, dass bereits vor den anthropogenen Eingriffen im Zusammenhang mit dem mittelalterlichen bis modernen Kupferschieferabbau im Umfeld von Klostermansfeld und Benndorf, flächige vorgeschichtliche Verhüttungsprozesse stattfanden. Die damit einhergehenden Einflüsse auf die Lebenswelten und die Umwelt in einer durchorganisierten Montanlandschaft wirkten sich mutmaßlich nicht unerheblich auf die Menschen vor Ort aus, zumal vermutet wird, dass die Öfen und Schmieden in Arbeitsgemeinschaften mehrerer Siedlungen betrieben wurden, die primär eine landwirtschaftliche Orientierung aufwiesen.
Literatur
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G. Jankowski, Zur Geschichte des Mansfelder Kupferschieferbergbaus (Claustthal-Zellerfeld 1995).
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Versuch einer Provenienzanalyse. Jahresschrift mitteldeutsche Vorgeschichte 95, 2016, 269-291.
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T. Voigt, Die Rennöfen von Riestedt, Kreis Sangerhausen. Jahresschrift mitteldeutsche Vorgeschichte 48, 1964, 219-308.
Text: Anke Gallus und Jochen Fahr
Online-Redaktion: Sarah Krohn



![Abbildung 5: Ein Silberdenar des Septimius Severus. Vorderseite: Kopf des Septimius Severus mit Lorbeerkranz.Rückseite: Siegreiche Victoria mit einem Gefangener © Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt, O.S.C.A.R. Abbildung 5: Ein Silberdenar des Septimius Severus. Vorderseite: Kopf des Septimius Severus mit Lorbeerkranz, Legende: L SEPT SEV AUG IM-P XI PART MAX. Rückseite: Victoria, nach links schreitend mit Kranz in der rechten und Siegesmal in der linken Hand, davor ein Gefangener, Legende: VICT P-AR-T[HI]I[CAE] © Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt, O.S.C.A.R..](/fileadmin/_processed_/0/9/csm_04_denar_c1643ccc82.png)


