Hamersleben - Stiftskirche St. Pankratius
April 2026
Wie üblich trennten auch in der Stiftskirche zu Hamersleben hohe Schranken den Chor von den Querhausarmen. Die Hamerslebener Schranken entstanden etwas später als die Vierungs- und die beiden Chorpfeiler, sind allerdings ebenso sorgfältig gemauert wie diese und wie überhaupt die gesamte Stiftskirche. Ob die Außenseiten der Schranken schon von Beginn an verziert waren – vielleicht mit Malereien – ist noch nicht geklärt. Jedenfalls erhielten sie etwa einhundert Jahre nach ihrer Errichtung prachtvolle Stuckverzierungen. Davon sind an der Nordschranke (Abbildung 1) drei Bildfelder erhalten.
Auf dem mittleren Feld ist Christus dargestellt, auf dem linken Petrus und auf dem rechten Paulus. Gerahmt sind die Reliefs von flachen, innen mit ovalen Vertiefungen besetzten Leisten. Oben und unten werden die Bildfelder von einem Palmettenfries begleitet. Die Reliefs stehen an der Schwelle von der Spätromanik zur Frühgotik. Die noch stilisierten Gewänder umspielen die kaum fassbaren Körper in eleganten Figuren. Die Gesichter hingegen zeigen schon ein Bemühen um Wirklichkeitsnähe, um Individualität, vor allem aber um Schönheit.
Die Hamerslebener Reliefs gehören in den Umkreis der Halberstädter Chorschranken, doch sie wurden sicher nicht von derselben Werkstatt geschaffen. Die Halberstädter Werke sind eleganter, fließender, die Möglichkeiten des formbaren Stucks wurden dort mehr ausgeschöpft. Die Hamerslebener Figuren stehen der Bildhauerei näher – auch erkennbar an der plastischen Ausbildung der Nimben. In den Rahmenvertiefungen haben einst wahrscheinlich gemugelte, glitzernde Glassteine gesessen, und selbstverständlich waren die Reliefs farbig gefasst – strahlende Schönheit als Mittel der Überzeugung und Bestätigung des Glaubens.
Text: Volker Seifert
Online-Redaktion: Sarah Krohn
