Dambeck - Dorfkirche St. Katharina
Juni 2026
In der flachen Auen- und Heidelandschaft des Altmarkkreises Salzwedel sind bis vor wenigen Jahren Türme von Dorfkirchen die markanten Landmarken gewesen. Aus welcher Richtung man sich dem kleinen Dorf Dambeck auch nähert, hier zumindest taucht der mächtige Westturm der Kirche immer noch als erstes im Blickfeld auf. Sein schiffsbreiter Baukörper gehört zu den frühesten Zeugnissen des Feldsteinbaus in der Altmark. Nur Apsis und Chor der Kirche sind ein bis zwei Generationen älter. Vermutlich in der 1. Hälfte des 12. Jahrhunderts brachte eine neue Aufsiedlung das Christentum in die Region. Als erstes Gotteshaus diente wohl eine Holzkirche, über deren Aussehen wir keine genauen Kenntnisse haben. Allerdings finden sich zweitverwendete Hölzer im überlieferten Steinbau. Dass ein kleines Straßendorf wie Dambeck eine hochmittelalterliche Kirche von erheblicher Größe besitzt, deutet auf eine ehemals wesentlich bedeutendere Stellung hin. Davon zeugen nicht zuletzt auch die wertvolle Ausstattung und zahlreiche Bauelemente aus verschiedenen, insbesondere mittelalterlichen Bau- und Erneuerungsphasen. Schon beim Betreten des Sakralbaus über die romanischen Portale von Gemeindeeingang und Priesterpforte auf der Nordseite fallen die hölzernen Türblätter mit geschmiedeten Eisenbeschlägen als selten erhaltene Relikte der Frühzeit des Bauwerkes ins Auge. Die heutige Raumsituation von Chor und Saal ist maßgeblich in der Reformationszeit ab der Mitte des 16. Jahrhunderts sowie vom Zeitgeschmack des 19. Jahrhunderts geprägt.
Geradezu sensationell war die Entdeckung und Freilegung von Wandmalereien im staufischen »Zackenstil«, die sich am Triumphbogen, an den Chorwänden und der Ostwand des Saales in außergewöhnlich hoher Qualität erhalten haben. Kräftige blaue, grüne und schwarze Farbtöne beherrschen die Darstellungen. Bisher ist auch wegen größerer Fehlstellen die Entschlüsselung der Ikonografie des figurenreichen Programms noch nicht abgeschlossen. Die Innenseite des Triumphbogenfeldes ist vom Scheitel her mit einer mahnenden Gerichtsdarstellung geschmückt: Während nach Norden hin von einem Teufel angeführt die Verdammten auf dem Weg zur Hölle geleitet werden, begleitet eine nimbusgeschmückte Engelsfigur (Michael?) nach Süden hin die Seligen ins Himmelreich. Von einer spätgotischen Umgestaltung zeugen weitere Wandmalereien (imposanter Höllenschlund an der nordöstlichen Saalwand) und das Altarretabel mit Mondsichelmadonna und Heiligenfiguren. Auch das ursprüngliche Vierergeläut, von dem sich eine bemerkenswerte gotische Glocke mit der Darstellung der Heiligen Katharina erhalten hat, weist auf die herausgehobene Stellung der Dambecker Kirche hin. Ein seltenes Zeugnis lokaler Tradition und Frömmigkeit stellt eine Sammlung sog. Totenkronen dar.
Text: Falko Grubitzsch
Online-Redaktion: Sarah Krohn
