Zur Navigation (Enter) Zum Inhalt (Enter) Zum Footer (Enter)

Huysburg - Benediktinerkloster

März 2026

In der Klausur des Benediktinerklosters auf der Huysburg blieb das Fragment einer spätromanischen Apsisausmalung erhalten, das trotz seiner geringen Größe (maximale Höhe 1,20 Meter, maximale Breite zirka 0,80 bis 0,85 Meter) durch den außerordentlich guten Erhaltungszustand und die Frische der Farben beeindruckt. Ein solcherart vollständig bewahrter Malschichtenaufbau ist nördlich der Alpen nur noch äußerst selten anzutreffen. Aufgrund der herausragenden Qualität zählt das Fragment zu den bedeutendsten erhaltenen Wandmalereien seiner Zeit in Sachsen-Anhalt.

Beim Bau der 1121 geweihten, heute bestehenden romanischen Basilika wurde eine östlich der neuen Hauptapsis gelegene Vorgängerkapelle aus dem 11. Jahrhundert nicht nur erhalten, sondern räumlich und funktional in den Kirchenbau integriert. In der Zwischenzeit zwar größtenteils zerstört, traten bei Umbauarbeiten doch wichtige Reste dieses zweigeschossigen Kapellenbaus zutage, darunter die nördliche Nebenapsis. Hier befindet sich die kostbare Malerei aus dem 2. Viertel des 13. Jahrhunderts, bewahrt dank einer über Jahrhunderte schützenden Vermauerung. Die in Kalkseccotechnik ausgeführte Malerei stellt, soweit feststellbar, den ersten und einzigen Farbauftrag in dieser Apsis dar.

Auf dem Fragment sind in einer oberen Zone ein Engel und eine stehende männliche Gestalt in anbetender Haltung, möglicherweise einer der Apostel Petrus oder Andreas oder ein Prophet, zu sehen. Der Engel macht einen weiten Ausfallschritt nach rechts, wendet aber gleichzeitig seinen Oberkörper so zurück, dass er mit den ausgestreckten Armen nach einer heute nur noch fragmentarisch erhaltenen Aureole greift. Die in diesem ehemals eine ganze Gestalt umschließenden Heiligenschein abgebildete Thematik kann jedoch nicht mehr abgelesen werden. Wahrscheinlich handelte es sich um eine Himmelfahrt, entweder Christi oder – darauf könnte das Altarpatrozinium hinweisen – der Maria.

Die untere Zone der Apsisausmalung war durch eine umlaufende Rundbogenarchitektur (Abbildung 1) gegliedert. Den Platz in der linken der beiden erhaltenen Arkaden nimmt, mit Mitra und Stab gekennzeichnet, ein heiliger Bischof ein. Die Inschrift weist ihn als »S BLASI[US]« aus. Die Auswahl des heiligen Blasius könnte auf einen Einfluss aus Braunschweig hindeuten, wo dieser Heilige eine intensive Verehrung genoss. In der äußeren rechten Arkade ist eine gekrönte weibliche Heilige mit einem Palmzweig dargestellt, die sich nach links, also zur Apsismitte wendet. Die Heilige trägt ein rotes Gewand mit einer breiten Goldborte am Halsausschnitt sowie einen weißen Mantel. Das längliche Gesicht mit großen dunklen Augen und kräftig geröteten Wangen wird von langem blondem Haar eingefasst, das in einer Strähne bis auf die Brust fällt. Kinnbogen, Nase, Augenlider und Stirn erhalten durch ockerfarbene Schattenlinien Plastizität. Im Arkadenbogen gibt eine Inschrift ihren Namen »CVNIGVNDIS« an. Die 1033 verstorbene Herrscherin, Gemahlin des letzten ottonischen Kaisers Heinrich II., wurde im Jahr 1200 heiliggesprochen. Schon frühzeitig ist die Verehrung der heiligen Kunigunde im Harzumfeld nachweisbar. So sind im Hildesheimer Dom bereits 1206 Kunigundenreliquien vorhanden, und im Halberstädter Liebfrauenstift existierte schon vor 1212 ein Kunigundenaltar. Die Darstellung auf der Huysburg mit einem Palmzweig entspricht nicht der üblichen Ikonografie der Kaiserin mit Kirchenmodell oder Pflugschar und verwundert insofern, da Kunigunde nicht in die Reihe der klassischen Märtyrerinnen gehört. Der Palmzweig begegnet jedoch auch auf einer Miniatur im Elisabethpsalter, einer Handschrift aus dem Umfeld des Thüringer Landgrafenhofs vom Beginn des 13. Jahrhunderts (Museo Archeologico Nazionale; Soprintendenza per i Beni, A.P.P.S.A.E. del Friuli Venezia Giulia, Cod. CXXXVII, fol. 170r): Dort findet sich Kunigunde im Zusammenhang der Allerheiligenlitanei in Gemeinschaft von elf weiteren heiligen Frauen, die Palmzweige halten ohne ein Martyrium erlitten zu haben.

Die vorzügliche Malerei ist stilistisch in den Kunstkreis des nördlichen Harzvorlandes eingebettet, der in der 2. Hälfte des 12. und der 1. Hälfte des 13. Jahrhunderts eine Blütezeit erlebte. Vergleichbare, heute noch erhaltene Wandmalereien befinden sich etwa in der St.-Marienberg-Kirche in Helmstedt, in der ehemaligen Stiftskirche St. Blasien (dem heutigen Dom) zu Braunschweig, in der St.-Michaels-Kirche in Hildesheim (bemalte Holzdecke) oder der Halberstädter Liebfrauenkirche. Aber auch in der im Raum Hildesheim-Halberstadt entstandenen, hochqualitätvollen Buchmalerei des 2. Viertels des 13. Jahrhunderts, wie zum Beispiel dem Goslarer Evangeliar, sind vielfach Parallelen zu erkennen.

Text: Barbara Pregla
Online-Redaktion: Sarah Krohn

Zum Seitenanfang