Zur Navigation (Enter) Zum Inhalt (Enter) Zum Footer (Enter)

Erfassung und Vermittlung: Dessaus Kunst im öffentlichen Raum von 1949 bis 1990 - Ostdeutsche Sparkassenstiftung und LDA Sachsen-Anhalt stellen die Ergebnisse ihres Kooperationsprojektes vor und informieren über kommendes Vermittlungsangebot

14. Oktober 2026

Die folgende Presseinformation ist auch als PDF [0,9 MB, nicht barrierefrei] zum Herunterladen erhältlich. 

Im Ratssaal des Rathauses von Dessau-Roßlau wurden die Ergebnisse des Kooperationsprojektes der Ostdeutschen Sparkassenstiftung und des Landesamtes für Denkmalpflege und Archäologie (LDA) Sachsen-Anhalt zur Erfassung und Erforschung der Kunst im öffentlichen Raum der Stadt Dessau aus dem Zeitraum von 1949 bis 1990 vorgestellt. Rund 200 Kunstwerke, die in diesen vier Jahrzehnten für das Stadtgebiet geschaffen wurden, ließen sich im Rahmen des Projektes nachweisen. Im Ergebnis ihrer Erfassung und Erforschung liegen zahlreiche neue Erkenntnisse vor. Darüber hinaus informierten die Projektbeteiligten über ein vielfältiges Vermittlungsangebot, mit dem die Ergebnisse der Öffentlichkeit künftig zugänglich gemacht werden sollen.

Ein Kooperationsprojekt zur Kunst im öffentlichen Raum

Seit Anfang 2025 widmet sich das Kooperationsprojekt der Ostdeutschen Sparkassenstiftung und des Landesamtes für Denkmalpflege und Archäologie (LDA) Sachsen-Anhalt der baubezogenen Kunst und den Kunstwerken im öffentlichen Raum, die in den Jahren 1949 bis 1990 in Dessau entstanden sind. Angesichts dieses künstlerischen und kulturhistorischen Erbes sowie vor dem Hintergrund, dass die baulichen und künstlerischen Zeugnisse der DDR in den letzten Jahren vermehrt in den Fokus sowohl der kunsthistorischen Forschung als auch der Öffentlichkeit gerückt sind, hatten sich beide Partner die grundlegende und umfängliche Erfassung dieser Werke zum Ziel gesetzt. Zum Auftakt des zweijährigen Vorhabens war Anfang 2025 ebenfalls im Ratssaal des Rathauses der Fördermittelbescheid an das LDA Sachsen-Anhalt übergeben worden. 

Dem Denkmalschutzgesetz des Landes Sachsen-Anhalt nach hat das LDA als Denkmalfachamt im Interesse der Öffentlichkeit unter anderem den Auftrag zur wissenschaftlichen Erfassung, Erforschung und Dokumentation des Bestandes an Kulturdenkmalen des Landes. Dieser Auftrag gilt für die Zeugnisse aller Epochen und damit auch für die Kunstwerke aus dem Zeitraum von 1949 bis 1990. Sie sind Teil der jüngeren Kulturgeschichte Sachsen-Anhalts und nicht nur künstlerisches Zeugnis, sondern auch kulturgeschichtliches Zeitdokument. Die Förderung der Ostdeutschen Sparkassenstiftung erlaubte es dem LDA Sachsen-Anhalt, sich diesen Werken so intensiv zu widmen, wie es im Rahmen seiner laufenden Aufgaben sonst nicht möglich gewesen wäre. In Sachsen-Anhalt konnte damit erstmals der Bestand an Kunstwerken aus dieser Zeit innerhalb einer Stadt nahezu vollständig erschlossen werden.

Ergebnisse der Erfassung

Im Rahmen des Projektes wurde für 192 Kunstwerke, die von 55 unterschiedlichen Künstlerinnen und Künstlern zwischen 1949 und 1990 für das Stadtgebiet von Dessau geschaffen wurden, jeweils ein eigener Datensatz mit den verschiedensten Informationen angelegt. Erhalten geblieben sind davon 142 Werke, also drei Viertel des Bestandes. An ihrem ursprünglichen Standort befinden sich weiterhin 116 Kunstwerke. Die anderen wurden entweder an einen anderen Standort überführt oder eingelagert. Die übrigen Werke sind nachweislich nicht erhalten oder ihr Verbleib ließ sich nicht klären. Sie wurden aber, soweit die Quellen es zuließen, anhand teils neu erschlossener Archivalien und überlieferter Fotografien nachgewiesen und ebenfalls katalogisiert. Dadurch konnte ein nahezu geschlossenes Bild vom ursprünglich vorhandenen Bestand gewonnen werden. Die Verluste betreffen vor allem Kunstwerke, die einst für Innenräume entstanden sind.

Die Katalogisierung erfolgte in einer Datenbank nach einer Systematik, die sich in der Erfassung solcher Objekte bereits bewährt hat. Sie gliedert die Angaben zu jedem Werk nach Kategorien wie Standort, Gattung, Material und Technik, Entwurf und Ausführung, Auftraggebern, Produktionsstätte und enthält darüber hinaus Informationen zu den Künstlerinnen und Künstlern. Hinzu kommen ausführliche Beschreibungen zum Werk und zum Werkprozess, aber auch Angaben zu den räumlichen Veränderungen seit der Entstehung. Grundlage dafür war die Auswertung von Archivalien, vor allem von Bauakten, Verträgen und Protokollen, sowie der Nachlässe von Künstlerinnen und Künstlern, die sich als besonders aufschlussreich erwiesen. Hinzu kam die Sichtung zeitgenössischer Publikationen wie etwa Ausstellungskataloge. Daneben wurden Gespräche mit Zeitzeuginnen und Zeitzeugen geführt, mit Künstlerinnen und Künstlern und deren Angehörigen ebenso wie mit Architektinnen und Architekten, die an den Vorhaben beteiligt waren. Auf dieser Grundlage ließen sich Werke, deren Urheberschaft bislang nicht sicher geklärt war, erstmals eindeutig bestimmten Künstlerinnen und Künstlern zuschreiben. In anderen Fällen konnten bisherige Zuschreibungen überprüft und teilweise angepasst werden. 

Zu zahlreichen Werken und zu den Geschichten dahinter liegen damit erstmals umfassende Erkenntnisse vor. Bau- und Kunstschaffen wurden im Rahmen des Projekts zusammen betrachtet, um die Kunstwerke in ihrem architektonischen und städtebaulichen Umfeld einordnen zu können. Ihre Entstehung war in Dessau an die Phasen des Bauens mit seinen jeweiligen Leitbildern gekoppelt. Die Kunstwerke wurden deshalb nach ihrem Verhältnis zu den jeweiligen Bauten als Innenraumobjekte, Fassadenobjekte und Freiraumobjekte erfasst und ihrer Entstehungszeit zugeordnet. 

Die im Projekt gewonnenen neuen Erkenntnisse erlauben es, das Kunstschaffen in Dessau nun vor dem Hintergrund des gegenwärtigen Forschungstands in seinen regionalen und überregionalen Zusammenhängen darzustellen. Die Stadt weist eine bemerkenswerte Vielfalt an Kunstwerken aus der Zeit zwischen 1949 und 1990 auf. Hier wirkten nicht nur die Dessauer Künstlerinnen und Künstler, von denen einige schon vor dem Zweiten Weltkrieg in der Stadt tätig gewesen waren, sondern auch solche aus der Bezirksstadt Halle, insbesondere von der Hochschule für industrielle Formgestaltung Burg Giebichenstein. Hinzu kamen Entwürfe aus anderen Bezirken und aus der Hauptstadt Berlin. Rückschlüsse ergeben sich zudem auf das Auftragswesen genauso wie auf die Ausführung, an der zum Teil Betriebe und Werkstätten aus der gesamten DDR beteiligt waren.

Vermittlungsangebot

Durch die Förderung war nicht nur die Erfassung möglich, sondern auch die Vermittlung der Ergebnisse. Eine nachhaltige Wirkung des Projektes für die Stadt und die Kunst im öffentlichen Raum ist der Ostdeutschen Sparkassenstiftung und dem LDA Sachsen-Anhalt ein gemeinsames Anliegen. Die Ergebnisse sollen deshalb nicht nur der Fachwelt, sondern auch der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Dafür entstehen drei aufeinander bezogene Angebote, die den Bestand anhand einer repräsentativen Auswahl an Werken vermitteln.

Eine Webseite wird eine kartengestützte Übersicht über den Bestand bieten und es ermöglichen, 60 ausgewählte Werke gezielt aufzurufen sowie weiterführende Informationen zu den Kunstwerken und zu den Künstlerinnen und Künstlern zu erhalten. So lässt sich der Bestand aus der Ferne erkunden. Ebenso kann die Webseite allerdings auch Interessierte bei der Erkundung der Werke im Stadtraum begleiten. 

Zudem wird von Dienstag, dem 10. bis Sonntag, den 15. November 2026 in Zusammenarbeit mit dem Anhaltischen Kunstverein Dessau eine Ausstellung in der Kunsthalle Dessau gezeigt. Sie führt in das Thema ein, stellt 30 ausgewählte Werke aus dem Stadtgebiet vor und ordnet sie in ihre Entstehungszeit ein. Die Ausstellung ist so konzipiert, dass sie anschließend auch andernorts gezeigt werden kann. Begleitend sind Workshops mit zeitgenössischen Künstlerinnen und Künstlern sowie Gespräche mit Zeitzeuginnen und Zeitzeugen vorgesehen.

Darüber hinaus wird ein Vermittlungskonzept erstellt, das sich speziell an Schülerinnen und Schüler richtet. Ziel ist es, Kindern und Jugendlichen einen Zugang zur Geschichte ihrer Stadt und zum Kunstschaffen dieser Zeit zu eröffnen sowie ein Bewusstsein für diese Zeugnisse und ihren Entstehungskontext zu wecken.

Das Programm des Vermittelungsangebotes ist als PDF [0,1 MB, nicht barrierefrei] zum Herunterladen erhältlich. 

Hintergrund: Kunst im öffentlichen Raum der DDR

Neubautätigkeiten in der DDR wurden fast ausschließlich mit staatlichen Mitteln finanziert. Ein obligatorischer Anteil der Bausumme war der Ausgestaltung der Gebäude mit Kunst vorbehalten. Hinzu kamen Kunstwerke im öffentlichen Raum, vor allem in den zahlreichen Neubaugebieten, aber auch in den Zentren der nach dem Krieg wiederaufgebauten Städte. Die Kunst sollte verschönern, aber auch den Aufbau und die Zukunft im Sozialismus idealisiert verbildlichen. Die zumeist von den Auftraggebern umrissenen Inhalte wurden durch die ausführenden Künstlerinnen und Künstler auf individuelle Art und Weise unter Anwendung vielfältigster Techniken und Materialien umgesetzt.

Trotz aller Vorgaben verwirklichte sich in ihnen eine Vielfalt an künstlerischen Ausdrucksformen. Es entstand nicht nur verordnete Staatskunst, sondern ein vielfältiges Spektrum künstlerischen Schaffens. Die Kunstwerke sollten die Lebenswelt der Menschen ausgestalten und sie gleichsam durchdringen. Deshalb waren sie im öffentlichen Raum Bestandteil einer übergreifenden architektonischen und städtebaulichen Gesamtplanung mit dem Streben nach einer komplexen künstlerischen Gestaltung der Umwelt.

Dessau: Ein ideales Fallbeispiel in Sachsen-Anhalt

Das Zentrum von Dessau wurde im Zweiten Weltkrieg weitgehend zerstört und in den folgenden Jahrzehnten den jeweiligen architektonischen und städtebaulichen Leitbildern der DDR entsprechend wiederaufgebaut. Mit dem Wiederaufbau und dem Ausbau der Stadt zu einem der wichtigsten Industriestandorte der DDR ging auch die Schaffung eines umfangreichen Bestandes an baubezogener Kunst und Kunstwerken im öffentlichen Raum einher. Zwischen 1949 und 1990 entstand im gesamten Stadtgebiet, vor allem aber im Zentrum, eine Vielzahl an Werken. Dessau bietet damit eine hervorragende Ausgangslage dafür, sich den Kunstwerken dieser Zeit zu widmen. Da das Zusammenspiel aus Bauwerken und Kunstwerken bis heute erlebbar ist, eignet sich die Stadt als Fallbeispiel zudem besonders für die Vermittlung dieses Erbes.

Resümee und Ausblick

Mit Dessau als Fallbeispiel haben die Ostdeutsche Sparkassenstiftung und das Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt die baubezogene Kunst und die Kunstwerke im öffentlichen Raum aus der Zeit der DDR für eine ganze Stadt grundlegend und umfänglich erfasst. Über die einzelnen Kunstwerke hinaus leistet das Projekt damit auch einen wichtigen Beitrag zur Stadtgeschichte Dessaus sowie zum Verständnis der Geschichte und des Kunstschaffens in der DDR, deren Zeugnisse im Stadtraum bis heute gegenwärtig sind. Zugleich ist der Grundstein für die weitere wissenschaftliche Erforschung dieses Bestandes gelegt, hier wie in anderen Städten des Landes. Mit der Ausstellung, der Webseite und dem Vermittlungsangebot für Kinder und Jugendliche wird es darüber hinaus Interessierten nachhaltig möglich sein, einen Eindruck von der Vielfalt der Kunstwerke zu gewinnen, die den öffentlichen Raum Dessaus zwischen 1949 und 1990 gestaltet haben.

Kontakte

Dr. Oliver Dietrich | Dr. Tomoko Emmerling
Öffentlichkeitsarbeit
+49 345 5247-334 | -384
oeffentlichkeitsarbeit@lda.stk.sachsen-anhalt.de

Bildrechte der Pressefotos

Die Bildrechte an den Aufnahmen werden ausschließlich und einmalig für eine Publikation im Zusammenhang mit der Presseinformation erteilt. Jegliche Wiederverwendung oder Neuauflage ist vorab schriftlich zu beantragen. Eine anderweitige Verwendung ist nicht gestattet. Die Bildrechte liegen, soweit nicht anders angegeben, beim Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt. Das Copyright ist stets vollständig und korrekt anzugeben. Wir bitten um ein kostenloses Belegexemplar der Veröffentlichung.

Auf Wunsch schicken wir Ihnen die Bilder gern zu. Bitte wenden Sie sich, auch bei weiteren Fragen, per E-Mail unter oeffentlichkeitsarbeit@lda.stk.sachsen-anhalt.de.

Zum Seitenanfang