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›bau.kunst.dessau‹ Ausstellung in der Kunsthalle Dessau und Veranstaltungsprogramm zur Kunst im öffentlichen Raum der Stadt Dessau aus der Zeit 1949–1990 8. bis 15. November 2026

5. November 2026

Die folgende Presseinformation ist auch als PDF [0,9 MB, nicht barrierefrei] zum Herunterladen erhältlich. 

Das Veranstaltungsprogramm kann ebenfalls ist ebenfalls als PDF [0,1 MB, nicht barrierefrei] zum Herunterladen erhältlich.

Seit Anfang 2025 widmet sich ein Kooperationsprojekt der Ostdeutschen Sparkassenstiftung und des Landesamtes für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt der Erfassung und Erforschung der Kunst im öffentlichen Raum der Stadt Dessau aus dem Zeitraum von 1949 bis 1990. Es erbrachte zahlreiche neue Erkenntnisse und ermöglicht es erstmals, dieses künstlerische und kulturhistorische Erbe einer Stadt grundlegend und umfänglich zu erfassen. Die Projektergebnisse sollen nicht nur künftig der Wissenschaft zur Verfügung stehen, sondern auch an die allgemeine Öffentlichkeit vermittelt werden. Diesem Ziel dienen die Ausstellung ›bau.kunst.dessau‹, die vom 10. bis zum 15. November 2026 in der Kunsthalle Dessau zu sehen sein wird, sowie ein reichhaltiges Veranstaltungsprogramm, das bereits ab dem 8. November 2026 alle Interessierten dazu einlädt, sich die Kunstwerke in Führungen, Zeitzeugengesprächen, Workshops und Kreativangeboten zu erschließen .

Ergebnisse des Kooperationsprojektes zur Kunst im öffentlichen Raum Dessaus von 1949 bis 1990

Seit Anfang 2025 widmet sich ein Kooperationsprojekt der Ostdeutschen Sparkassenstiftung und des Landesamtes für Denkmalpflege und Archäologie (LDA) Sachsen-Anhalt der baubezogenen Kunst und den Kunstwerken im öffentlichen Raum, die in den Jahren 1949 bis 1990 in Dessau entstanden sind. Mit ihrer Erfassung und Erforschung konnte erstmals der Bestand an Kunstwerken aus dieser Zeit innerhalb einer Stadt nahezu vollständig erschlossen werden. Insgesamt wurden 192 Kunstwerke, die von 55 unterschiedlichen Künstlerinnen und Künstlern zwischen 1949 und 1990 für das Stadtgebiet von Dessau geschaffen wurden, erfasst und in einer Datenbank katalogisiert (siehe die Pressemitteilung des LDA Sachsen-Anhalt vom 14.10.2026). Die Werke sind als Innenraum-, Fassaden- oder Freiraumobjekte kategorisiert und in ihr architektonisches und städtebauliches Umfeld eingeordnet. 

Grundlage der Untersuchung war die Auswertung von Archivalien, vor allem von Bauakten, Verträgen und Protokollen, sowie der Nachlässe von Künstlerinnen und Künstlern, die sich als besonders aufschlussreich erwiesen. Hinzu kam die Sichtung zeitgenössischer Publikationen wie etwa Ausstellungskataloge. Auch wurden Gespräche mit Zeitzeugen geführt, mit Künstlerinnen und Künstlern und deren Angehörigen ebenso wie mit beteiligten Architektinnen und Architekten. Dadurch ließen sich Werke, deren Urheberschaft bislang nicht sicher geklärt war, erstmals eindeutig zuschreiben. In anderen Fällen konnten bisherige Zuschreibungen überprüft und teilweise angepasst werden. Zu zahlreichen Werken liegen umfassende Erkenntnisse zu Auftrag, Entwurf, Ausführung und zu den Veränderungen seit ihrer Entstehung vor. Anhand erhaltener Entwürfe ließ sich zudem nachvollziehen, wer innerhalb eines Kollektivs welchen Teil eines Werkes ausführte. Außerdem ließ sich das Schaffen der einzelnen Künstlerinnen und Künstler in ihre Lebensläufe, ihre Ausbildung und ihr Gesamtwerk einordnen. Im Ergebnis lässt sich das Kunstschaffen in Dessau nun besser in regionalen und überregionalen Zusammenhängen verstehen. Auch lassen sich Rückschlüsse auf das Auftragswesen sowie auf die Ausführung ziehen, an der zum Teil Betriebe und Werkstätten aus der gesamten DDR beteiligt waren. 

Präsentation vom 10. bis 15. November 2026 in der Kunsthalle Dessau: die Ausstellung ›bau.kunst.dessau‹

Die Ergebnisse des Kooperationsprojektes sollen nicht nur der Wissenschaft, sondern auch der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. So bietet vom 10. bis zum 15. November 2026 die Ausstellung ›bau.kunst.dessau‹ in der Kunsthalle Dessau in Zusammenarbeit mit dem Anhaltischen Kunstverein Dessau e. V. Einblicke in die Projektergebnisse.

Auf 22 reich bebilderten Tafeln werden ausgewählte Kunstwerke aus dem Stadtgebiet vorgestellt und in ihre Entstehungszeit eingeordnet. Anhand dieser Beispiele macht die Schau die Entstehungsbedingungen der Kunstwerke im Spannungsfeld von Auftragsarbeit und künstlerischer Freiheit sowie städtebaulicher Entwicklung deutlich. Ergänzt durch einführende Texte zum Bau- und Kunstschaffen in der DDR sowie durch Lebensläufe der in den Dessauer Kunstwerken repräsentierten Künstlerinnen und Künstler bietet die Schau einen ebenso informativen wie anschaulichen Einblick in die Bandbreite des Kunstschaffens der Jahre 1949 bis 1990. Eindrücklich führt sie die Vielfalt an Themen und Motiven, an Materialien und Techniken vor Augen, stellt die Hintergründe der Aufträge, die Entstehungsumstände der Arbeiten sowie Ausbildungswege von Künstlerinnen und Künstlern vor.

Als besondere Highlights sind zwei originale Werke aus dem Bestand des Museums für Stadtgeschichte Dessaus zu sehen: die sonst nicht ausgestellte, 1977 entstandene Rundstahlplastik »Dessau Ende 16. Jahrhundert« von Benno Butter sowie einige der von Erich Schmidt-Uphoff ursprünglich für den Dessauer Ratskeller geschaffenen Wandpaneele. Ebenfalls im Original werden mehrere Entwürfe zu einem Wandbild Schmidt-Uphoffs gezeigt, das im Jahr 1979 für den Speiseraum des VEB Junkalor entstand und zu den in der Ausstellung ›bau.kunst.dessau‹ vorgestellten Werken gehört.

Die Tafeln der Ausstellung ›bau.kunst.dessau‹ sind auf Banner gedruckt, die auch in Form von Rollups genutzt werden und mehrfach zum Einsatz kommen können. So kann die Präsentation künftig auch an weiteren Orten inner- und außerhalb Dessaus gezeigt werden und trägt dem Anliegen Rechnung, dieses künstlerisch und kulturhistorisch bedeutende Erbe für eine nachhaltige Vermittlung zu erschließen.

Führungen, Kreativangebote, Zeitzeugengespräche und Workshops: das Veranstaltungsprogramm zur Ausstellung

Die Präsentation›bau.kunst.dessau‹ wird durch ein reichhaltiges Veranstaltungs- und Vermittlungsprogramm begleitet (siehe Übersicht anbei). Die Teilnahme an den Veranstaltungen ist kostenfrei, eine Anmeldung ist nicht notwendig.

Zeitzeugengespräche 

Anlässlich des Starts der Ausstellung findet am Abend des Dienstags, des 10. November 2026 eine Eröffnungsveranstaltung statt. In diesem Rahmen gewährt der in Dessau geborene Kunst- und Architekturhistoriker Dr. Andreas Butter, der Sohn des Künstlers Benno Butter, in einem Zeitzeugengespräch Einblicke in das Kunstschaffen der DDR. Andreas Butter hat sich nach seinem Studium an der Humboldt-Universität zu Berlin als Autor, Publizist und Ausstellungskurator etabliert. Als wissenschaftlicher Mitarbeiter – unter anderem an der Historischen Forschungsstelle des Leibniz-Instituts für Raumbezogene Sozialforschung (IRS) – widmet er sich vor allem der Architektur- und Stadtbaugeschichte des 20. Jahrhunderts. Zu seinen Forschungsschwerpunkten gehören die Moderne und der Städtebau in der DDR (wie die Ostmoderne) sowie der Architekturexport der DDR im internationalen Raum. Darüber hinaus hat er zahlreiche Publikationen und Projekte zur Baugeschichte und zu den baulichen Hinterlassenschaften der Nachkriegsjahrzehnte verfasst.

Zu einem weiteren Zeitzeugengespräch wird am 11. November 2026 die ebenfalls in Dessau geborene Bildhauerin und Autorin Christine Rammelt-Hadelich in der Kunsthalle Dessau zu Gast sein. Als Tochter von Irmela und Martin Hadelich absolvierte sie nach einer Töpferlehre ihr Diplomstudium an der Kunsthochschule Burg Giebichenstein in Halle sowie eine Aspirantur an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee. Seit 1981 arbeitet sie als freischaffende Künstlerin in ihrem eigenen Atelier in Dessau und prägt seither mit zahlreichen Plastiken, Reliefs und Wandbildern den öffentlichen Raum der Stadt. Ihr künstlerisches Schaffen umfasst sowohl keramische Arbeiten als auch Werke im städtebaulichen Kontext, die sich nahtlos in das architektonische Umfeld einfügen. Gemeinsam mit ihrem Ehemann Olaf Rammelt betreibt sie zudem die ›FederEdition‹, in der eigene Bücher und Publikationen gestaltet und verlegt werden. 

Workshops und Kunstspaziergang

Bereits am Sonntag, den 8. November 2026 findet von 12 bis 14 Uhr ein Kunstspaziergang mit der Bildhauerin und Intermedia-Künstlerin Priska Engelhardt statt. Als erster Teil ihres Keramik-Workshops soll er der visuellen Schulung, der Materialanalyse und dem Austausch der Teilnehmenden direkt an den betrachteten Kunstwerken dienen. Im Rahmen des Workshops ›Gebrannte Geschichte‹ am Mittwoch, den 11. November 2026 werden keramische Arbeiten aus dem Werkstoff Ton untersucht und deren Entwurf und Gestaltung nachvollzogen. Priska Engelhardt studierte Bildhauerei mit Fachrichtung Keramik an der Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle (Diplom 2026). In ihren plastischen und installativen Arbeiten widmet sie sich intensiv dem Thema der Mensch-Tier-Beziehungen und verbindet dabei traditionelle Materialien wie Keramik mit digitalen oder prozessorientierten Ansätzen. 

Am Donnerstag, den 12. November 2026 bietet der in Merseburg geborene Metallgestalter und Bildhauer Jörg Bochow den Workshop ›Metallverformung‹ an. Bochow ist seit den späten 1980er-Jahren als Werkstattleiter an der Kunsthochschule Burg Giebichenstein in Halle (Saale) maßgeblich an der handwerklichen Ausbildung nachfolgender Künstlergenerationen der Klasse von Prof. Irmtraud Ohme beteiligt. Neben seiner akademischen Tätigkeit schafft er prägnante Metallplastiken, Objektkunst und baugebundene Werke, mit denen er unter anderem den öffentlichen Raum und architektonische Kontexte in Sachsen-Anhalt mitgeprägt hat. Im Rahmen des Workshops wird der Werkstoff Metall heiß und kalt verformt und so die Herstellung der im Denkmalbestand überdurchschnittlich stark vertretenen Metallarbeiten nachvollzogen.

Kreativangebote und Mitmachaktionen

Im Rahmen des Kooperationsprojektes wurde von Diplompädagogin Susanne Quednau ein Vermittlungskonzept erarbeitet, das Kindern und Jugendlichen Dessaus baubezogene Kunst der DDR-Moderne durch die praktische Erprobung verschiedener Materialien und handwerklicher Techniken näherbringen soll. Das Konzept verbindet ortsbezogene Betrachtungen im urbanen Raum mit eigenem kreativen Gestalten und eignet sich ideal für den fächerübergreifenden Unterricht. Ziel ist es insbesondere, ein Bewusstsein für die lokale Geschichte zu entwickeln, und mit den Schülerinnen und Schülern mit Materialien der baubezogenen Kunst eigene Werke zu schaffen. Im Rahmen der Ausstellung ›bau.kunst.dessau‹ sind Interessierte an vier Nachmittagen eingeladen, sich unter Quednaus Anleitung kreativ mit dem künstlerischen und kulturhistorischen Erbe Dessaus auseinanderzusetzen, das im Fokus des Kooperationsprojektes stand.

Eine Führung zu ausgewählten Kunstwerken in der Stadt, die in dessen Rahmen erfasst und untersucht wurden, bietet am Samstag, den 14. November 2026 Antje Kirsch an, der zusammen mit Christoph Liepach die Erfassung und zahlreiche neue Erkenntnisse zur Kunst im öffentlichen Raum Dessaus aus der Zeit von 1949 bis 1990 zu verdanken ist.

Hintergrund: Dessau als Fallbeispiel für Kunst im öffentlichen Raum der DDR

Das Zentrum von Dessau wurde im Zweiten Weltkrieg weitgehend zerstört und in den folgenden Jahrzehnten den jeweiligen architektonischen und städtebaulichen Leitbildern der DDR entsprechend wiederaufgebaut. Mit dem Aufbau und dem Ausbau der Stadt zu einem bedeutenden Industriestandort der DDR wurde auch ein umfangreicher Bestand an baubezogener Kunst und Kunstwerken im öffentlichen Raum geschaffen. So entstand zwischen 1949 und 1990 im gesamten Stadtgebiet, vor allem aber im Zentrum, eine Vielzahl an Werken. Damit bot Dessau eine hervorragende Ausgangslage, um das Kunstschaffen dieser Zeit nachzuvollziehen. Das Zusammenspiel aus Bau- und Kunstwerken ist bis heute erlebbar und vermittelt dieses künstlerische und kulturhistorische Erbe sehr anschaulich.

Über die Erfassung der einzelnen Kunstwerke hinaus leistet das Projekt daher auch einen wichtigen Beitrag zur Stadtgeschichte Dessaus sowie zum Verständnis der Geschichte und des Kunstschaffens in der DDR, deren Zeugnisse im Stadtraum bis heute gegenwärtig sind. Mit der Ausstellung, der Webseite und dem Veranstaltungs- und Vermittlungsangebot soll es allen Interessierten nachhaltig möglich sein, einen Eindruck von der Vielfalt der Kunstwerke zu gewinnen, die den öffentlichen Raum Dessaus zwischen 1949 und 1990 gestaltet haben.

Kontakt

Dr. Oliver Dietrich | Dr. Tomoko Emmerling
Öffentlichkeitsarbeit
+49 345 5247-334 | -384
oeffentlichkeitsarbeit@lda.stk.sachsen-anhalt.de

Bildrechte der Pressefotos

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