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Die letzte Ruhestätte einer Elite? Ein hochmittelalterlicher Friedhof am Naumburger Dom

3. August 2026

Die folgende Presseinformation ist auch als PDF [0,3 MB, nicht barrierefrei] zum Herunterladen erhältlich.

Im Rahmen der umfassenden Umgestaltung des Naumburger Domplatzes finden seit Frühjahr dieses Jahres großflächige archäologische Untersuchungen im Umfeld des Naumburger Doms statt. Erfasst werden konnte ein kleiner Friedhof, der sich genau zwischen dem Dom des 11. Jahrhunderts und der Nikolaikapelle befindet. Dabei zeichnen sich fast alle der erfassten 13 Grabstellen durch eine gehobene Ausstattung aus.

Aktuelle archäologische Untersuchungen im Umfeld des Naumburger Doms

Im Rahmen der umfassenden Umgestaltung des Naumburger Domplatzes finden seit Frühjahr dieses Jahres großflächige archäologische Untersuchungen im Umfeld des Naumburger Doms statt. Während es aufgrund umfangreicher Untersuchungen in den 1960er Jahren einen guten Überblick über die Baugeschichte des Doms gibt, ist der Außenbereich noch weitgehend unerforscht.

Der erste Dombau erfolgte in den Jahren nach der Verlegung des Bistumssitzes von Zeitz nach Naumburg und dürfte in den 1040er Jahren weitgehend abgeschlossen gewesen sein. Eine Besonderheit ist, dass der Bischofssitz in der Vorburg der ›neuen Burg‹ (Naumburg) der ekkehardinischen Markgrafen errichtet wurde.

Der älteste Dombau wurde nach etwa 1210 schrittweise durch den heutigen Bau ersetzt, der wesentlich größer ist als sein Vorgängerbau. Die Krypta des Vorgängerbaus wurde in den spätromanischen Dom integriert. Südlich des Ostchors des Doms befand sich die im 11. Jahrhundert errichtete Nikolaikapelle, die im 15. Jahrhundert mit der heute noch eindrucksvoll erhaltenen Dreikönigskapelle überbaut wurde.

Zwischen Dom und Nikolaikapelle

Durch die archäologischen Untersuchungen konnte in den letzten Wochen ein kleiner Friedhof erfasst werden, der sich genau zwischen dem Dom des 11. Jahrhunderts und der Nikolaikapelle befindet. Dabei zeichnen sich fast alle der erfassten 13 Grabstellen durch eine gehobene Ausstattung aus. So wurden fünf der Bestattungen in gemauerten Steinkisten vorgenommen. Die Seitenwände der Kisten bestehen meist aus sehr großen Steinplatten, die mit Kalkmörtel verbunden worden waren. Vor der Verfüllung der Grabgruben wurden die Steinkisten mit Holz abgedeckt. Zwei weitere Bestattungen wurden ebenfalls in Steinkisten niedergelegt. Hier waren die meist plattigen, hochkant gestellten Steine allerdings nicht vermörtelt. Weitere Gräber weisen jeweils Steinplatten an den Kopf- und Fußenden der Grabgruben auf.

Bestattet wurden Männer, Frauen und jugendliche Individuen sowie ein etwa 1-jähriges Kleinkind, das als Nachbestattung in einer der gemauerten Steinkisten aufgefunden wurde. Es deutet sich eine enge Verwandtschaft mit der unter dem Kleinkind liegenden Bestattung an. Eine weitere Besonderheit des kleinen Friedhofs liegt darin, dass sich die Gräber nur in wenigen Fällen und dann nur an den Rändern überlagern. Das spricht für eine oberflächliche Kennzeichnung der Grabstellen und für eine relativ kurze Belegungszeit dieses Bestattungsplatzes.

Da mittelalterliche Bestattungen generell kaum über Beigaben verfügen, kann eine Datierung der Gräber gegenwärtig nur durch den typischen Grabbau und die Störung des Friedhofs durch den spätromanischen Dombau erfolgen. Erst durch naturwissenschaftliche Untersuchungen an den Skeletten werden differenziertere Aussagen ermöglicht werden. Nach gegenwärtigem Kenntnisstand wurden die Bestattungen wohl alle im 11. Jahrhundert vorgenommen.

Bei dem zwischen Dom und Nikolaikapelle bestatteten Personenkreis könnte es sich um einen – vielleicht erweiterten – Familienverband handeln. Hier sind die geplanten DNA-Untersuchungen an den Skeletten durch das Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie in Leipzig abzuwarten. Unstrittig ist, dass hier Angehörige der zeitgenössischen Elite ihre letzte Ruhestätte fanden. Darauf verweist nicht nur der aufwändige Grabbau, sondern vor allem die Lage des Bestattungsplatzes zwischen zwei Sakralbauten und direkt vor dem Hauptzugang in den Dom. Derartige Plätze wurden oft mit Gräbern der Kirchenstifter belegt.

Die Bestattungen wurden sorgfältig dokumentiert, bevor die Skelette zu einer umfassenden anthropologischen und naturwissenschaftlichen Analyse entnommen wurden. Die Ergebnisse dieser Untersuchung fließen in jene Bemühungen der Erforschung frühmittelalterlicher Eliten ein, die das Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie (LDA) Sachsen-Anhalt seit Jahren mit modernsten Ansätzen verfolgt.

Kontakt

Dr. Oliver Dietrich | Dr. Tomoko Emmerling
Öffentlichkeitsarbeit
+49 345 5247-334 | -384
oeffentlichkeitsarbeit@lda.stk.sachsen-anhalt.de

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