Kirche Sankt Nicolai
August 2026
In der um 1160 erstmals erwähnten Kirche St. Nicolai in Burg bei Magdeburg sind gut verborgen Fragmente einer Wandmalerei aus der Zeit um 1250 erhalten geblieben. Sie sind ein einzigartiges Zeugnis für die farbenfrohe Raumfassung mittelalterlicher Kirchen. Als die romanische Kirche ab 1556 anstelle der bis dahin vorhandenen Flachdecke ein einjochiges Kreuzrippengewölbe erhielt, gingen große Teile dieser Farbfassung verloren.
Oberhalb des nachträglich eingezogenen Gewölbes haben sich im Chorjoch die von Übermalungen, Restaurierungen und anderen Veränderungen völlig unberührten Wandmalereien erhalten. Das Bildprogramm ist in drei Zonen geteilt und setzt sich zusammen aus vegetabilen Motiven, verschiedenen fantastischen Drolerien und lebensgroßen Engelsfiguren. Erkennbar sind bemerkenswerte Teile eines wandabschließenden Zierfrieses mit abwechselnden Blattwerkmotiven und in Halbkreisbögen eingeschobene Mischwesen und Teile des obersten Bildregisters mit Engelsdarstellungen.
Eine weitere Besonderheit ist die teilweise Aufstuckierung der Nimben und Tuben dieser Engelsfiguren, die ihnen eine besondere Plastizität verleiht. Die beiden tutenblasenden Engel an der Ostwand verweisen auf ein heute weitgehend verlorenes Bildprogramm einer Weltgerichtsthematik.
Einzigartig, vermutlich auch über Sachsen-Anhalt hinaus, bleibt die Kombination der Misch- und Fabelwesen mit den Engelsdarstellungen und den symmetrischen Blattmotiven. Während einzelne Motive zur gleichen Zeit in anderen Kirchen nachgewiesen werden können, ist es eben diese Mischung, die Burg so ikonografisch bedeutsam macht.
Text: Marion Kohnke
Online-Redaktion: Anja Lochner-Rechta
